Plantagenbäume retten den deutschen Wald im Klimawandel nicht

Für alle LeserNicht nur die F.A,Z. berichtete am 1. August schon einmal über das von Unions-„Umwelt“-Ministern anberaumte Moritzburger Treffen zum Waldsterben. Ähnliche Artikel zum „Waldsterben 2.0“ las man auch auf „Spiegel“ und „Zeit“. „Wenn wir jetzt nichts tun, erleben wir die Entwaldung des Landes“, titelte die F.A.Z., übernahm dabei aber die Thesen von Sachsens Landesforstpräsident Utz Hempfling, der nach wie vor den Wald als ein von Förstern gebautes Kunstprodukt betrachtet. Einer hielt das beim Lesen einfach nicht mehr aus.

Das war mal wieder Wolfgang Stoiber, Vorsitzender des NuKLA e. V., der sich längst auch gerichtlich mit den sächsischen Forstbetrieben anlegt, weil er es als massiven Verstoß gegen die Schutzauflagen für den Leipziger Auenwald empfindet, wenn dort jedes Jahr tausende Festmeter gesundes Holz geschlagen werden und riesige Löcher in intakte Waldgebiete gehauen werden, um dann wieder in Reih und Glied lauter Baumplantagen anzulegen.

Ein Vorgang, der mit dem Waldsterben 2.0 natürlich noch sinnloser wirkt, denn gerade wenn die Plantagenwälder aus Fichten und Kiefern jetzt zum Opfer von Hitze, Wassermangel und Borkenkäfer werden, grenzt es geradezu an Irrsinn, gesunde Laubwälder zu zerstören, um darin dann auch noch exotische Baumarten anzupflanzen, wie es Hempfling als Lösung anpreist.

Aber wie kann man diesen vom alten Plantagenwald-Denken forcierten Eingriff in einen artenreiche Wald wie den Leipziger Auenwald stoppen? Genügen Erklärungen wie die des bekannten Försters Peter Wohlleben, der am 31. Juli in einem Video auf seinem Facebook-Kanal sehr eindringlich erklärte, warum ausgerechnet die alten Plantagenwälder und die Sünden der Forstwirtschaft das Waldsterben begünstigen? Oder braucht es nicht endlich Minister/-innen, die begreifen, dass hier eine alte, vom Machbarkeitswahn getriebene Wirtschaftsweise gegen die Wand läuft und endlich alle noch relativ gesunden Laub- und Mischwälder vorm Zugriff der Holzindustrie geschützt werden müssen?

Sachsen bislang Komplettausfall

Auf den aktuellen sächsischen Forstminister Thomas Schmidt (CDU) rechnet Stoiber da nicht mehr. Er hat gleich an die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) geschrieben. Vielleicht versteht sie ja noch, worum es geht. Auch wenn der Artikel aus der FAZ („Sachsen sucht den Superbaum: ,Wenn wir jetzt nichts tun, erleben wir die Entwaldung des Landes‘“) eher nichts mit Julia Klöckner zu tun hat.

Dafür jede Menge mit der Denkweise von Sachsens Landesforstpräsident Utz Hempfling, der lieber mit importierten Bäumen aus dem Mittelmeerraum experimentiert, als den Wäldern in Sachsen das zuzugestehen, was Peter Wohlleben für selbstverständlich hält: Dass Wälder sich regenerieren können und ohne menschliche Eingriffe ihr natürliches Gleichgewicht finden können. Nur können das monotone Plantagenwälder nun einmal nicht. Ihnen fehlt schlicht der an den Standort angepasste Artenreichtum.

Aber ein parallel im „Spiegel“ erschienener Artikel zum Waldsterben 2.0 wies zumindest darauf hin, dass Sachsens Oberförster sich mit seinen Aufforstungsplänen direkt auf die Bundeslandwirtschaftsministerin berufen kann: „Anfang Juli forderte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) das ,Mehrere-Millionen-Bäume-Programm‘, mit dem die Wälder aufgeforstet werden sollen, was geschätzt mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten würde. Geld, das aus dem Energie- und Klimafonds fließen soll.“

Wer aber „mehrere Millionen Bäume“ pflanzt, muss doch etwas Gutes tun für die Wälder, oder nicht?

Peter Wohllebens Antwort lässt alle Zweifel daran offen. Er sieht in diesem Aufforstungsprogramm ein Fortleben des alten Baum-Plantagen-Denkens, das sich jetzt so verhängnisvoll auswirkt. Und das wohl auch mit Millionen neuer Plantagenbäume nichts zum Besseren wendet.

Wolfgang Stoibers Brief an die Bundesministerin:

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Julia Klöckner!

Dieser Artikel sowie die gestrigen Themen in den großen Nachrichtensendungen um die kranken Wälder haben uns bewogen, Ihnen zu schreiben.

Sachsen sucht den Superbaum. ,Wenn wir jetzt nichts tun, erleben wir die Entwaldung des Landes‘“.

Als Leipziger Naturschutzverein, der sich explizit für den Schutz und den Erhalt des Leipziger Auwaldes einsetzt, seit 2018 via Einstweiliger Anordnung, inzwischen mit einem Hauptsacheverfahren gegen die flächendeckende Vernichtung von alten Stark- und Biotopbäumen auf EU-geschützten Waldflächen in der Zuständigkeit von Stadtforsten Leipzig im Rahmen der sog. „ordnungsgemäßen Forstwirtschaft“ und mit einer Strafanzeige gegen Sachsenforst bezogen auf Verstoß gegen Bundesnaturschutzgesetz in besonders schweren Fällen (Tötungsverbot) können wir uns über Ihren Artikel nur wundern.

Wie auch anderenorts in Deutschland kämpfen die Bürger für den Erhalt der gewachsenen Waldstrukturen in z.T. sogar geschützten Wäldern, in denen – bis auf einige rühmliche Ausnahmen wie im Lübecker oder Göttinger Stadtforst – die ökologisch und für die Artenvielfalt besonders wertvollen und wirtschaftlich nicht nutzbaren Biotopbäume flächendeckend mit großem Gerät niedergemacht werden (allein in Leipzig ein Zuschussgeschäft von jährlich um die 1,5 Mill. Euro!).

Statt diese alten Bäume, die, man kann es nicht oft genug wiederholen, aufgrund ihres Zustandes kein Wertholz mehr sind, in den mehrheitlich naturnah durchmischten Waldgebieten stehen und dort ihre „Arbeit“ verrichten zu lassen (Wasserspeicherung, CO2-Bindung, O2-Produktion), hausen dort Förster ohne Sinn und Verstand und mit hohen Kosten – aus welchen Gründen auch immer.

Peter Wohlleben zu Baumplantagen.

Geeignete Baumarten im Klimawandel

Gepostet von Peter Wohlleben am Mittwoch, 31. Juli 2019

Das Anliegen sollte nicht sein, neue, künstliche Plantagenwälder in Monokultur und mit Bäumen, die ihrer natürlichen Wurzeln wegen der Anzucht und damit ihrer natürlichen Standfestigkeit beraubt wurden, mit vielen Millionen Euro zu fördern, sondern als allererste Aufgabe sollten die für uns und den Erhalt der Artenvielfalt unverzichtbar wertvollen, sich natürlich verjüngenden Wälder komplett geschützt und in Ruhe gelassen werden!

Ein naturnaher Wald braucht keinen Förster! Nur Ruhe und Zeit und Verbot flächendeckender, die Waldstruktur und den Boden zerstörender systematischer forstlicher Eingriffe.

Lesen Sie dazu auch gern diese vier Artikel der Leipziger Internetzeitung „Eichen wachsen genau da, wo sie der Förster nicht sehen will“ und auf unserer Homepage „Waldsterben 2.0 – oder nur das Ende der Holzplantagen?“, welche unsere wissenschaftlichen Mitarbeiter des NuKLA Aueninstituts dieser Tage fertiggestellt haben.

Für weitere Informationen laden wir Sie sehr gern zu unserem 3. Internationalen Leipziger Auenökolgiesymposium mit dem Thema „Wirklich alte Bäume und bewegtes Wasser“ ein.

Außerdem stehen wir Ihnen sehr gern für Rückfragen zur Verfügung!

Herzliche Grüße , W. Stoiber

Wird jetzt nachhaltige Waldbewirtschaftung in Sachsen wirklich zum Leitbild?

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