Zu Zeiten des berĂŒhmten Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach reiste man umweltfreundlich. Meistens zu FuĂ, wenn man es sich leisten konnte auch mit der Kutsche. Doch wenn heutzutage in Leipzig ein Bachfest stattfindet, kommen die GĂ€ste aus aller Welt. Und gerade die aus Ăbersee kommen mit dem Flugzeug. Laut einer Besucherumfrage reisten 2019 knapp 40 Prozent der Bachfest-GĂ€ste aus dem Ausland an, 51 Prozent davon mit dem Flugzeug.
Ăndern kann man das so einfach nicht. Aber man kann es wenigstens zum Teil kompensieren, dachte sich der Intendant des Festivals, Dr. Michael Maul. Er möchte so die CO2-Bilanz des Bachfestes Leipzig verbessern. Weshalb das Bachfest Leipzig jetzt mit der Stiftung âWald fĂŒr Sachsenâ kooperiert und weltweit um Baum-Paten fĂŒr die Aufforstung eines âJohann-Sebastian-Bach-Waldesâ am historischen Bach-Ort Störmthal im Leipziger SĂŒden wirbt.
Ziel ist, am Westufer des Störmthaler Sees einen Wald auf einer FlĂ€che von rund 29 Hektar anzupflanzen, der fĂŒr Klimaschutz, Bodenschutz, Wasserschutz und die Aufwertung des Naherholungsgebietes sorgt. Insgesamt sind 126.000 BĂ€ume und ĂŒber 3.600 StrĂ€ucher vorgesehen, sodass der Wald bis zu 290 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr binden kann. In den Jahren 2013 bis 2018 wurden bereits ĂŒber 9 Hektar realisiert.
Dr. Michael Maul, Intendant des Bachfestes Leipzig, sagt zu dem Projekt: âSo international und hochemotional unser Festival gerade im kommenden Jahr sein wird, so problematisch ist die CO2-Bilanz. Denn zur gröĂten Zusammenkunft der internationalen Bach-Familie aller Zeiten fliegen wir gewissermaĂen Interpreten und GĂ€ste in Leipzig ein â ein kaum auflösbares Problem vieler groĂer Festivals.
Dem wir uns mit der effektivsten Form, dem Klimawandel entgegenzutreten, stellen: der Neuanpflanzung eines groĂen Waldes. Der Standort ist ideal. Denn wenige Monate nach seinem Amtsantritt als Thomaskantor prĂŒfte Johann Sebastian Bach in der Kirche des Dorfes Störmthal die neue Hildebrandt-Orgel â und weihte sie mit der hierfĂŒr komponierten Kantate ,HöchsterwĂŒnschtes Freudenfestâ BWV 194 ein. Da die Störmthaler Orgel zu den wenigen weitgehend im Originalzustand erhaltenen Bach-Orgeln zĂ€hlt, binden wir sie regelmĂ€Ăig in das Bachfest ein.â
Die Landschaft um Störmthal verĂ€nderte sich im 20. Jahrhundert durch die NĂ€he zum ehemaligen Braunkohle-Tagebau âEspenhainâ stark. WĂ€hrend der 1980er Jahre stand sogar die Devastierung des gesamten Dorfes im Raum. Heute ist an die Stelle des Tagebaus der Störmthaler See getreten, der Teil des âLeipziger Neuseenlandesâ ist. Im Zusammenhang mit der Renaturierung und Rekultivierung der Bergbaufolgelandschaft ist der Stiftung âWald fĂŒr Sachsenâ die Schaffung neuer Waldgebiete fĂŒr Mensch und Tier ein besonderes Anliegen.
Dabei hat sich Walter Christian Steinbach schon in DDR-Zeiten fĂŒr die Umwelt engagiert. Eng mit seinem Namen verbunden ist die legendĂ€re Aktion âEine Mark fĂŒr Espenhainâ.
Walter Christian Steinbach, heute Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung âWald fĂŒr Sachsenâ, sagt bei der Gelegenheit: âDie ökologische Opposition gegen die katastrophale Umweltverschmutzung in der ehemaligen DDR im SĂŒdraum Leipzig begann 1981 mit den ersten Baumpflanzungen unter dem Motto ,GrĂŒn ist Lebenâ. Dieses Motto gilt heute mehr denn je â deshalb ist die Waldmehrung eine der effektivsten Ansagen gegen den Klimawandel.
Die Stiftung ,Wald fĂŒr Sachsenâ hat in den fast 25 Jahren ihres Bestehens weit ĂŒber 1.000 ha Wald erstaufgeforstet. Dabei vertreten wir zwei wichtige Alleinstellungsmerkmale: Erstens garantieren wir, dass jede Spende 1 zu 1 in die BĂ€ume flieĂt. SĂ€mtliche Verwaltungskosten decken wir aus Stiftungsmitteln.
Zweitens: Wir geben den Spendern eine Anwuchsgarantie, indem wir die aufgeforsteten FlĂ€chen bis zur gesicherten Kultur begleiten. Die Mitarbeiter der Stiftung sorgen mit ihrem Engagement, ihrer Erfahrung und ihrer Kompetenz fĂŒr den Erfolg der Waldmehrungsprojekte und geben den Spendern das sichere GefĂŒhl, einen verantwortungsvollen Beitrag gegen den Klimawandel geleistet zu haben.â
Die Stiftung âWald fĂŒr Sachsenâ entwickelt, koordiniert und realisiert Waldmehrungsprojekte, unterstĂŒtzt MaĂnahmen zur Waldmehrung, berĂ€t Kommunen, Landwirte und GrundeigentĂŒmer zur Erstaufforstung und betreibt Ăffentlichkeitsarbeit fĂŒr mehr Wald. Die durch dieses Engagement entstehenden vielfĂ€ltigen, lebenswerten Landschaften in Sachsen sind ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz durch CO2-Minderung.
Dass jetzt der Wald am Störmthaler See wachsen soll, verbindet sich auf diese Weise gut mit dem Bachfest Leipzig, das jetzt erstmals auch den ökologischen FuĂabdruck eines solch groĂen Festivals benennt und sich derzeit auch noch auf Wachstumskurs befindet.
JĂ€hrlich reisen Musikliebhaber aus ĂŒber 40 Nationen nach Leipzig, um die Konzerte an den historischen Bach-StĂ€tten zu erleben. Zahlreiche Besucher kommen per Flugzeug aus den USA, SĂŒdamerika, Australien oder Japan. In der Saison 2020 erwartet Bachfest-Intendant Dr. Michael Maul â neben zahlreichen internationalen Solisten und Ensembles â zudem ĂŒber 40 Bach-Chöre, -Gesellschaften, -Festivals und -Vereinigungen aus sechs Kontinenten in Leipzig.
In Kooperation mit der Stiftung âWald fĂŒr Sachsenâ wirbt das Musikfest jetzt weltweit fĂŒr die die Anpflanzung eines Waldes am Rande des Tagebausees im Leipziger SĂŒden. Auf der Website des Bachfestes können unter www.bachfestleipzig.de â neben dem Kauf von Festival-Tickets fĂŒr das Bachfest Leipzig 2020 â ab sofort Spenden fĂŒr die Setzlinge getĂ€tigt werden. Eine Baum-Spende kostet 3 Euro, es können beliebig viele BĂ€ume finanziert werden.
Nach Abschluss des Bachfestes 2020 sollen die so gesammelten Mittel an die Stiftung âWald fĂŒr Sachsenâ weitergeleitet und zu 100 Prozent fĂŒr die Anpflanzung der BĂ€ume eingesetzt werden.
Das Bachfest Leipzig 2020 findet vom 11. bis zum 21. Juni 2020 in Verbindung mit dem 95. Bachfest der Neuen Bachgesellschaft statt. Motto diesmal: âBACH â We Are FAMILYâ.
Eine Mark fĂŒr Espenhain und was die Friedliche Revolution mit den ruĂenden Schloten im Leipziger SĂŒdraum zu tun hat
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