Wenn Wasservögel sich in Haken und Angelschnüren verfangen

Für alle LeserEigentlich denkt man sich ja, wenn man so vorbeiradelt an den Anglern an Fluss und See, dass sie wissen, was sie tun und dass sie ihr Besteck nach dem Angeln wieder einräumen und mitnehmen. Aber das ist bei einigen Zeitgenossen wohl nicht der Fall, wie der NABU Leipzig jetzt feststellen muss. Denn er findet immer wieder Angelhaken und Angelschnüre – und immer wieder verletzen sich auch die Wasservögel daran. Der Naturschutzbund appelliert an die Angler.

Angelschnüre, Haken und Köder sind für Wasservögel eine lebensbedrohliche Gefahr. Wer im Stadtgebiet angelt, wo die Wasservögel wenig scheu sind, muss damit rechnen, dass früher oder später neugierige Schwäne oder Enten vorbeischwimmen. Für Wasservögel wirken Köder häufig wie ein Stück Brot und sie schnappen danach. Von Anglern achtlos liegen gelassene oder ins Wasser geworfene Angelschnüre sind eine ernste Gefahr.

Wenn sich Haken und Schnur am Körper verfangen, endet der Überlebenskampf mit Verletzungen, manchmal auch tödlich. Leider werden dem Naturschutzbund NABU Leipzig immer wieder solche Fälle gemeldet, nicht immer kann die Wildvogelhilfe den Tieren noch helfen. Tiere, die nicht rechtzeitig gefangen werden, können sich tödlich verletzen.

Am 3. April wurde die Wildvogelhilfe des NABU Leipzig zu einem Schwan in Delitzsch gerufen. Bei ihm steckte der Angelhaken tief im Schnabelrand und die Schnur war um die Zunge gewickelt. Der Rest der Schnur hing aus dem Schnabel, es bestand die Gefahr, dass sich das Tier beim Gründeln unter Wasser verfängt. Die Wildvogelhilfe Leipzig konnte den Haken erfolgreich entfernen.

Bereits 2018 musste die Wildvogelhilfe zu einem weiblichen Schwan am Wallgraben in Delitzsch ausrücken, weil ein Haken im Hals feststeckte. Dieses Mal erwischte es – wieder am Wallgraben – das Männchen. Wenige Tage zuvor wurde dem NABU ein Graureiher gemeldet, der sich am Leipziger Elsterbecken in einer Angelschnur verfangen hatte. Er konnte leider nur noch tot geborgen werden.

Bei diesem Höckerschwan hatte sich ein Angelhaken mit Sehne am Schnabel verfangen, die Schnur war um die Zunge gewickelt. NABU Leipzig

Bei diesem Höckerschwan hatte sich ein Angelhaken mit Sehne am Schnabel verfangen, die Schnur war um die Zunge gewickelt. NABU Leipzig

„Viele weitere ähnliche Fälle gibt es“, betont René Sievert vom NABU Leipzig. „Im Moment werden sogar besonders viele gemeldet, der NABU vermutet, dass die Menschen angesichts der Corona-Krise mehr Zeit zum Beobachten der Natur haben und solche Notfälle melden können. Sonst bleiben sie vielfach unentdeckt. Trotz der Corona-Ausgangsbeschränkungen ist Angeln nach Angaben der Landesregierung erlaubt.“

Und so bittet der NABU Leipzig: Wer Wasservögel in Not beobachtet, rufe bitte die Wildvogelhilfe Leipzig an unter Tel. (0341) 927 62 027. Die rein ehrenamtlich tätigen Tierretter rücken dann aus, um in Not geratenen Vögeln zu helfen.

Für diese Arbeit bittet der NABU Leipzig freilich auch um Spenden (Stichwort „Wildvogelhilfe“). Denn natürlich kostet auch dieser Einsatz Zeit und Material.

Der Graureiher hatte sich am Elsterbecken in einer Angelschnur verfangen und konnte leider nur noch tot geborgen werden.

Der Graureiher hatte sich am Elsterbecken in einer Angelschnur verfangen und konnte leider nur noch tot geborgen werden. Foto: NABU Leipzig

Und die Angler?

Der NABU appelliert an die Angler in der Region, sämtlichen Unrat von Gewässern wieder mitzunehmen und insbesondere keine Haken und Schnüre zurückzulassen.

„Die meisten Angler achten die Natur und nehmen ihre Abfälle mit nach Hause, aber zu viele Menschen tun es leider nicht“, stellt René Sievert fest. „Ein Angler, der mit seinen Fanggeräten ein Tier verletzt, sollte sich auch selbst melden, damit dem Tier geholfen werden kann!“

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NABU Leipzig
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Foto: Tom Schulze © Panometer

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