Nicht nur durch das Verschwinden von Brachen und Grünflächen verliert Leipzigs Vogelwelt immer mehr Rückzugsräume und Nistmöglichkeiten. Viele Vogelnester werden durch Sanierungen und Modernisierungen zerstört. Ein Thema, das den NABU Leipzig seit Jahren beschäftigt. Doch er sucht dabei nicht den Streit mit den Hausbesitzern, sondern versucht sie beim Vogelschutz zu Partnern zu machen. Das gelingt immer öfter.

In Leipzig wird gebaut – oft ohne Rücksicht auf die heimische Tierwelt. Viele Sanierungsmaßnahmen werden den Behörden nicht bekannt, weshalb der gesetzliche Schutz für die betroffenen Lebensstätten oft nicht durchgesetzt wird. Um dem wenigstens ein Stück weit vorzubeugen, erfasst der NABU Leipzig jedes Jahr Vogel-Nistplätze an Gebäuden.

Die Daten werden regelmäßig an die Naturschutzbehörde und das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege geschickt. Bei Baumaßnahmen sollen die zuständigen Behörden ein dann Artenschutzgutachten beauftragen und bei Verlust der Nistplätze den Anbau von Ersatznistkästen fordern.

Zum Ende des Jahres 2021 hat sich die Zahl der ehrenamtlich erfassten Beobachtungsorte auf 965 erhöht. Das ist ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz in der Stadt; beispielsweise konnte Leipzigs größte Mauerseglerkolonie aufgrund der NABU-Initiative gerettet werden.

In einigen Stadtteilen gibt es vergleichsweise wenige nachgewiesene Nistplätze. Daher startet der NABU Leipzig einen Aufruf: Von Ende März bis Ende Juni sollen Vogelfreunde die Gebäude im eigenen Stadtteil beobachten, ob Vögel in Nischen an der Fassade, unter Fensterbrettern, hinter Dachrinnen oder irgendwo am Dach einfliegen und vielleicht auch Nistmaterial eintragen.

Die Beobachtungen kann man dann per E-Mail an den NABU melden: [email protected]

Nach Hinweisen des NABU wurde Leipzigs größte Mauerseglerkoloniegerettet. Am Gebäudekomplex wurden als Ersatz für die bei der Dachsanierung verloren gegangenen Nistplätze künstliche Nistplätze für Mauersegler und Haussperlinge geschaffen. Foto: NABU Leipzig
Nach Hinweisen des NABU wurde Leipzigs größte Mauerseglerkolonie gerettet. Am Gebäudekomplex wurden als Ersatz für die bei der Dachsanierung verloren gegangenen Nistplätze künstliche Nistplätze für Mauersegler und Haussperlinge geschaffen. Foto: NABU Leipzig

Vogelbeobachtung im eigenen Stadtteil

Sie wohnen mit uns unter einem Dach – unsere gefiederten Mitbewohner wie Haussperling, Mauersegler, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Dohle und Turmfalke. Damit sie durch den häufig rücksichtslosen Bauboom aus unserer Stadt nicht verschwinden, hat der NABU Leipzig im Jahr 2012 ein Gebäudebrüterprojekt gestartet.

Jedes Jahr erfassen ehrenamtlich aktive Vogelfreunde Nistplätze an Gebäuden. Die Daten werden seitdem in einer Tabelle gesammelt, die regelmäßig an die Naturschutzbehörde und das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege geschickt wird. Bei Baumaßnahmen sollen die zuständigen Behörden ein Artenschutzgutachten beauftragen und bei Verlust der Nistplätze den Anbau von Ersatznistkästen fordern.

Zum Ende des Jahres 2021 wurden noch einmal aktuelle Daten an die Behörde übermittelt:

• 345 Lebensstätten von Haussperlingen
• 393 Gebäude mit Nistplätzen von Mauerseglern
• 133 Gebäude mit Nistplätzen von Mehlschwalben und Rauchschwalben
• 27 Gebäude mit Brutplätzen von Dohlen
• 52 Gebäude mit Brutplätzen von Turmfalken

Leider werden viele Sanierungsmaßnahmen den Behörden nicht bekannt, bedauert der NABU Leipzig, sodass Nistplätze vielfach rechtswidrig wegsaniert werden. Immer wieder kommt es zu Rettungsaktionen in letzter Minute.

Besonders häufig gehen Lebensräume im Zusammenhang mit Baumaßnahmen ersatzlos verloren. Die Folge sind unter anderem Bestandseinbrüche bei Vogelarten, obwohl alle europäischen Vogelarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders oder streng geschützt sind. Auch bei einstmals oder gegenwärtig noch häufigen Arten ist der Lebensraumverlust dramatisch, sodass sie schon bald im Bestand gefährdet sein werden.

Um diesen bedenklichen Entwicklungen entgegenzutreten, hat der NABU Leipzig ein Positionspapier verfasst, in dem am Beispiel der geschützten Lebensstätten des Haussperlings die Rechtslage und die ökologischen Zusammenhänge erläutert werden.

Haussperling in einer Nisthilfe am Brockhausgymnasium. Alle vom NABU beobachteten 28 Haussperlingnistplätze wurden ersetzt. Die Nistkästen wurden in die Fassadendämmung integriert. Foto: NABU Leipzig
Haussperling in einer Nisthilfe am Brockhausgymnasium. Alle vom NABU beobachteten 28 Haussperlingnistplätze wurden ersetzt. Die Nistkästen wurden in die Fassadendämmung integriert. Foto: NABU Leipzig

Wie der NABU hilft

Mitglieder des NABU Leipzig beobachten, sammeln Daten und informieren Behörden und Eigentümer über Vorkommen von Gebäudebrütern. Daneben berät der NABU Leipzig alle Interessierten vor Ort zum Erhalt der Nistplätze oder zu Ersatzniststätten und hält verschiedene Nistkastentypen zur Anschauung bereit.

Mit dem Projekt „mein-Biotop“ zeigt der NABU Leipzig, wie man Lebensräume schaffen kann, denn der beste Artenschutz besteht im Erhalt der Biotope. Die Internetseite mein-Biotop.de beleuchtet die engen Verzahnungen zwischen Tier- und Pflanzenwelt, und es werden konkret und verständlich Möglichkeiten einer artspezifischen Förderung benannt.

Jeder kann mitmachen

Auf den Stadtkarten von Leipzig ist im jeweiligen Postleitzahlenbereich notiert, wie viele Gebäude mit Nistplätzen dem NABU dort bekannt sind. Es wird deutlich, dass sich diese Zahlen teils deutlich unterscheiden. Liegt dies daran, dass es dort tatsächlich weniger Nistplätze gibt, sind die Vögel hier bereits vertrieben, oder wurden hier einfach nur weniger Nistplätze gemeldet? Um die Datenlage weiter zu verbessern, ruft der NABU Leipzig auf, Nistplätze von Gebäudebrütern zu melden – jeder kann mitmachen!

Dafür kann man einfach von Ende März bis Ende Juni die Gebäude im eigenen Stadtteil
beobachten, ob Vögel in Nischen an der Fassade, unter Fensterbrettern, hinter
Dachrinnen oder irgendwo am Dach einfliegen und vielleicht auch Nistmaterial, zum
Beispiel trockene Grashalme eintragen. Die Beobachtungen kann man dann per E-
Mail an den NABU melden: [email protected]

Vogelfreunde sind aufgerufen, im eigenen Postleitzahlbereich nach Gebäuden mit
Brutplätzen zu suchen.

Sind im Postleitzahlenbereich weniger als 10 Gebäude gemeldet? Es wäre schön, wenn hier Naturfreunde auf Vogelpirsch gehen, um die Anzahl auf wenigstens 10 Gebäude zu erhöhen.

Sind im Postleitzahlenbereich weniger als 20 Gebäude gemeldet? Es wäre schön, die Anzahl auf 20 Gebäude zu erhöhen, wünscht sich der Naturschutzbund.

Wenn es im eigenen Stadtteil bereits mehr Beobachtungen gibt, ist das gut, doch
jedes weitere erfasste Gebäude rettet auch mehr Brutplätze für Gebäudebrüter und
damit mehr Vogelleben.

Diese Ziele sollen Ansporn sein, um die Datengrundlage zu verbessern und damit
auch eine Mindestanzahl an Brutplätzen in jedem Stadtteil zu retten, betont der NABU Leipzig.

Der NABU bekommt Hinweise darauf, wo Handlungsbedarf besteht, wo das Nistplatzangebot verbessert werden muss und wo der Biotopverbund verbessert werden muss. Das sind wichtige Grundlagen für einen effektiven Naturschutz in der Stadt. Der NABU Leipzig engagiert sich auf vielfältige Weise für einen besseren Biotopverbund und verstärkt diese Bemühungen weiter.

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