Die kleine Beltjungfrau: Ein Zeichentrickfilm zeigt Zerstörung durch den drohenden Ostsee-Tunnel

Für alle LeserDas Urteil ist hart, aber deutlich: „Unsere Meere werden geplündert, zerstört und verschmutzt, nur für den kurzfristigen Profit – mit drastischen Folgen für die Artenvielfalt und letztlich für uns alle“, sagte Thilo Maack, Greenpeace-Meeresbiologe, anlässlich der jüngsten Studie von Greenpeace zu Ostsee und Nordsee. Beiden Meeren geht es dreckig, ihren Fischbeständen sowieso. Und eigentlich müssten die Anrainer die Finger von jedem Bauprojekt lassen, das die sensiblen Gebiete zu stören droht. Hilft jetzt wenigstens die kleine Beltjungfrau?

„Die Wassertemperaturen von Nord- und Ostsee stiegen in den vergangenen Jahren kräftig an: in der Nordsee um 1,3 Grad seit 1969, in der Ostsee sogar um mindestens 1,8 Grad. Die Klimakrise bedroht das ökologische Gleichgewicht in Nord- und Ostsee und setzt alle Meereslebewesen unter enormen Stress“, hatte Greenpeace zu seiner Studie festgestellt.

„Hinzu kommen weitere massive Belastungen: die industrielle Fischerei, intensiv befahrene Schifffahrtsrouten, Sand- und Kiesabbau sowie die beständigen Verschmutzungen durch Landwirtschaft, Plastikmüll und Unterwasserlärm. Zusätzliche Verschmutzungen kommen durch die Ölförderung in der Nordsee. Echte Schutzgebiete brauchen Nord- und Ostsee drängender denn je, um diese nie dagewesene Krise bewältigen zu können und zu überleben.“

Doch das mit der gemeinsamen Meerespolitik und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) seit 2008 gesetzte Ziel, beide Meere bis 2020 in einen „guten Zustand“ zu versetzen, wird Deutschland krachend verfehlen, denn es lässt massive Eingriffe selbst in den streng geschützten Gebieten immer noch zu. Der Wille deutscher Behörden, die Zerstörung der Meere zu beenden, ist quasi nicht existent.

Sie arbeiten im alten Trott und spiegeln nicht einmal den Willen der Bevölkerung in den Anrainerstaaten.

Im Mai hatte der Beltretter e. V. dazu eine Meldung von YouGov aufgegriffen: „Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage vertritt jeder zweite Deutsche die Meinung, dass der Umweltschutz auch trotz drohender Corona-Wirtschaftskrise nicht in Vergessenheit geraten sollte. Dennoch werden milliardenteure Großbauprojekte weiter geplant, obwohl sie empfindlichen Ökosystemen großen Schaden zufügen würden. So auch der längste Absenktunnel der Welt, der durch die Ostsee hindurch zwischen Fehmarn und Dänemark gebaut werden soll. Dafür müsste der Meeresboden auf einer Länge von 18 Kilometern bis zu 200 Meter breit und 16 Meter tief ausgehoben werden. Anschließend würden riesige Betontunnelelemente in diesen unfassbar großen Graben abgesenkt werden.“

Das Projekt würde auf deutscher und dänischer Seite nicht nur insgesamt mindestens 16 Milliarden Euro verschlingen, sondern auch die bedrohten Schweinswale aus dem Fehmarnbelt vertreiben und das ökologische Gleichgewicht der Ostsee durch die mindestens acht Jahre andauernden Bauarbeiten weiter aus den Fugen geraten lassen.

Die Beltretter – eine Sammelbewegung gegen den drohenden Ostsee-Tunnel beziehungsweise die feste Fehmarnbeltquerung – präsentieren jetzt den Zeichentrickfilm „Die kleine Beltjungfrau“. Der Film ist unter beltretter.de/beltjungfrau und auf Facebook zu sehen.

„Die kleine Beltjungfrau“ soll auf emotionale Weise für die dramatischen Folgen sensibilisieren, die der Bau des 18 Kilometer langen Ostsee-Tunnels für seltene Riffe und die Ostsee insgesamt hätte. Dass es die mehreren Quadratkilometer großen und besonders schützenswerten Riffe in dem geplanten Baugebiet überhaupt gibt, hatte der Nabu vergangenes Jahr entdeckt. Das Kieler Umweltministerium hat ihre Existenz gerade bestätigt. In den Unterlagen der Tunnelplaner waren sie nicht erwähnt oder eingezeichnet worden.

„Dieses riesige Projekt ist unfassbar abstrakt. Kaum einer kann sich vorstellen, was die Realisierung dieses gigantischen Bauvorhabens an Schäden verursachen würde. Daher die Idee zu diesem Film“, erklärt Karin Neumann, Sprecherin der Beltretter.

Die dramatischen Folgen des Baus des dann längsten Absenktunnels der Welt werden im Film aus der Perspektive der kleinen Beltjungfrau vermittelt. In dem 90 Sekunden kurzen Video erlebt die Beltjungfrau die massiven Auswirkungen des Tunnelbaus im Fehmarnbelt. Gemeinsam mit einem kleinen Schweinswal, der durch die Bauarbeiten seine Eltern verloren hat, macht sie sich auf die Suche nach der Ursache von Lärm und Zerstörung ihres Lebensraums und entdeckt eine gigantische Baustelle.

Karin Neumann: „Die Tunnelplaner arbeiten stets mit der Grafik einer sich harmonisch in die Landschaft einfügenden Tunneleinfahrt. Nett anzusehen. Aber die Realität bis dahin sähe anders aus. Und das zeigen wir jetzt.“

Die kleine Beltjungfrau

Die Darstellung im Comic-Stil macht das Thema gleichzeitig sowohl für Kinder als auch für Erwachsene greifbar.

„Wir wollen deutlich machen, dass der Bau eine massive Zerstörung mit sich bringen, und sich unsere Ostsee, wie wir sie heute kennen, stark verändern würde. Auch der gewohnte und geliebte Ostsee-Urlaub, wie ihn viele Menschen besonders in diesem Sommer planen, wird mit Beginn der Bauarbeiten nicht mehr derselbe sein“, ergänzt Florian Bumm, ebenfalls Sprecher der 2015 gegründeten Beltretter.

Der Ostsee-Tunnel ist als Absenktunnel geplant. Für ihn würde der Ostseeboden auf einer Länge von 18 Kilometern erst aufgefräst und dann 16 Meter tief und bis zu 200 Meter breit aufgebaggert werden. In diesen gewaltsam geschaffenen Graben würden die Betonelemente des Tunnels verlegt werden. Seltene Riffe, die gerade erst entdeckt wurden, könnten vollständig zerstört werden – mit fatalen Folgen für die Flora und Fauna.

Unter anderem ist die Heimat des Ostsee-Schweinswals bedroht. Der Baulärm würde ihn vertreiben. Die durch die Baggerarbeiten aufgewirbelten Sedimente könnten außerdem zu einer Trübung der Ostsee auf einer Länge von bis zu 300 Kilometern führen. Kürzlich erst kritisierte auch der EU-Rechnungshof das gigantische Projekt. Der etwaige wirtschaftliche Nutzen würde Aufwand und Schäden nicht rechtfertigen.

Die Ostsee-Tunnel-Bauer geben schon Geld aus, obwohl das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erst im September entscheidet

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