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Protest gegen ungenügende Klimapolitik: Auch zwei mutige Ein-Personen-Straßenblockaden am 12. Juni in Leipzig

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    Es gab nicht nur zwei Demonstrationen am Samstag in Leipzig. Aber die dritte war halt eher eine Einzelpersonen-Demo. Eine sehr mutige, die aber das Thema unserer Zeit berührt und das wichtigste Thema im Bundeswahlkampf: Bekommt dieses Land es hin, die Kurve zur Klimaneutralität zu schaffen? Darum sieht es derzeit ja gar nicht gut aus. Deswegen steckt auch ein gutes Stück Verzweiflung in den Ein-Personen-Straßenblockaden von Extinction Rebellion.

    Am Samstag, 12. Juni, um 12 Uhr haben Menschen in sechs Ländern – neben Deutschland in Tschechien, Italien, Belgien, den Niederlanden und Frankreich – alleine den Straßenverkehr blockiert, um ihre verzweifelte Angst vor den Folgen der Erderhitzung und des ökologischen Kollapses zu formulieren. Auch zwei Leipziger Aktivistinnen setzten sich alleine mit einem Pappschild an verschiedene Stellen auf den Ring in der Nähe des Neuen Rathauses.

    Die Protestaktion mit dem Namen „Rebellion of One“, Rebellion der Einzelnen, fand zeitgleich zum Treffen der G7 in Großbritannien statt. So sollte auf die Verantwortung der dort beteiligten Staaten hingewiesen werden, die Zerstörung von Natur und Klima so schnell wie möglich einzustellen.

    „Ich fühle mich so verzweifelt und hilflos, dass ich mich ungeschützt auf die Straße setzte. Wir haben jetzt noch die Chance, gemeinsam für eine Welt zu sorgen, in der wir wieder die Schönheit der Natur genießen können. Also lasst uns die Zukunft selber in die Hand nehmen bevor sie uns zerdrückt“, erklärt Lena von Extinction Rebellion Leipzig.

    Besonders an der Protestaktion war, so erläutert die Leipziger Ortsgruppe von Extinction Rebellion,  dass die Blockierenden auf ihrem Protestschild neben ihrer eigenen Angst auch die einer Person aus dem Globalen Süden trugen. So stand auf den Schildern der Leipziger Aktivistinnen auf der einen Seite „Ich habe Angst vor Ressourcenkrieg“ und „Ich bin verzweifelt, weil unsere Wälder sterben, wegen der Klimakrise“.

    Auf der anderen Seite stand „Eine 2 Grad wärmere Welt bedeutet die Todesstrafe für Länder wie meins (Vanessa Nakate – Uganda)“. Denn die Menschen im Globalen Süden sind jetzt schon am stärksten von der Klimakrise betroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben.

    Vanessa Nakate ist eine Klimagerechtigkeitsaktivistin aus Uganda. Gegenüber dem Independent äußerte sie sich zum Pariser Klimaabkommen: „Das ist meine Welt bei einer Erwärmung von 1,2 °C. Das ist kein Fortschritt. Vage, weit entfernte Ziele für 2030 oder 2050 werden die Welt nicht ,deutlich unter 2 °C‘ Erwärmung halten, wie es das Pariser Abkommen verspricht. Ich kann Ihnen sagen, eine 2 °C heißere Welt ist ein Todesurteil für Länder wie meines. (…) Das Pariser Abkommen war ein Moment, in dem die Industrieländer in unserer Welt endlich unsere Hilferufe hörten. Für einen Moment blickten sie auf und sahen pazifische Inselnationen ertrinken und wie afrikanische Nationen von Dürre und Hungersnot heimgesucht werden. Orte wie diese haben am wenigsten zur Klimakrise beigetragen, leiden aber am meisten. Seitdem scheint es, dass viele dieser Länder mit Macht und Einfluss trotz netter Worte wieder weggeschaut haben.“

    Zu Extinction Rebellion: Extinction Rebellion setzt sich mit friedlichem, zivilen Ungehorsam für einen repräsentativen Bürger/-innenrat ein, der Maßnahmen gegen den voranschreitenden ökologischen und zivilisatorischen Kollaps beschließen soll. Die Bewegung fordert die Politik auf, den Klimanotfall anzuerkennen und Null-Emissionen bis 2025 sicherzustellen. Sie wurde 2018 in Großbritannien gegründet und ist mittlerweile in über 70 Ländern auf sechs Kontinenten vertreten. In Deutschland gibt es ca. 130 aktive Ortsgruppen.

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      4 KOMMENTARE

      1. Auf den für verschiedene Verkehrsarten (Kraftfahrzeuge, Radwege, Fußgänger) zugewiesenen Flächen hat nur der was zu suchen, der dort hingehört bzw. gerade grün hat. Sich auf einer Kraftfahrstrasse mit einem Plakat sitzend niederzulassen ist einfach wegen der eigenen Gefährdung und der Gefährdung anderer logischerweise verboten. Aber ohne die gefährliche Provokation funktioniert so eine polit. Bewegung eben einfach nicht, deshalb macht man ja auch so ein theatralisches Gewese um das Kind.

      2. Interessant wäre ja, ob es noch ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr wäre, wenn man sich und/oder sein Plakat von einer Ampel runterhängen liese, so dass die Durchfahrtshöhe noch gegeben ist?

      3. Danke für die Richtigstellung (kursiv). Der journalistische Qualitätsterminus der Leugnung oder Verleugnung ist glücklicherweise im Netz erklärt mit „die ausdrückliche oder unausgesprochene Nicht-Anerkennung einer Annahme, Unterstellung oder als Tatsache gekennzeichneten Behauptung.“

        Diese haben Sie mit „virtuell und unbewiesen“ getätigt. Die Moderation.

      4. Das Anliegen der kleinen Lena mag sehr ehrenwert sein aber die Art der Ausführung war nach § 315b Strafgesetzbuch eine gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Sie hat sich und andere gefährdet. Eine andere Ausführung wie zum Beispiel ein größeres Plakat auf dem Gehweg hätte auch Aufmerksamkeit bekommen. Die von ihr verursachte Gefahr war im Gegensatz zu ihrem Thema unmittelbar und offensichtlich und nicht virtuell und unbewiesen.

        Ihrer expliziten Leugnung des menschlichen Anteils am Klimawandel müssen wir leider widersprechen. Dieser ist wissenschaftlich valide belegt und demnach von ähnlicher Unmittelbarkeit und Realität wie der Protest gegen mangelnde Gegenmaßnahmen. Die Moderation

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