Während die Jugend der Welt um ihre Zukunft kämpft, führen alte, verbohrte Männer Krieg. Selten war so deutlich wie in diesen Tagen zu sehen, wie das alte, männliche Machtdenken die Welt zerstört. Und Menschen teilt, aufteilt wie Hühnereier, Erbsen oder Äpfel. Das thematisierte nämlich am Samstag, 7. Mai, ein Aktionsbündnis aus Ende Gelände Leipzig, Seebrücke Leipzig und einer Leipziger Performancegruppe auf der Grimmaischen Straße.

Dort bauten die jungen Leute eine Grenzmauer aus Pappkartons auf. Mit der Kunstaktion sollte auf die Abschottungsmaßnahmen an der polnisch-belarussischen Grenze aufmerksam gemacht werden. Ein fast schon vergessener Vorgang, der vor dem Ukraine-Krieg die Gemüter beschäftigte.

Denn während Ukraine-Flüchtlinge mit offenen Armen in Deutschland empfangen werden, schottete Polen seine Grenze zu Belarus ab, um dort gestrandete Flüchtlinge aus dem Nahen Osten abzuwehren.

Das war dann sozusagen die Landvariante der ebenso drastischen Maßnahmen, mit denen Frontex am Mittelmeer teilweise operierte, um die Flüchtlinge am Anlanden zu hindern.

Fotoausstellung zur Aktion auf der Grimmaischen Straße am 7. Mai. Foto: Jascha Schwarz
Fotoausstellung zur Aktion auf der Grimmaischen Straße am 7. Mai. Foto: Jascha Schwarz

Redebeiträge des Bündnisses sowie eine Fotoausstellung von ?WHY|BORDERS machten zusätzlich zur Grenzmauer aus Pappkartons auf die Abschottungsmaßnahmen an den europäischen Außengrenzen aufmerksam.

„Die Freiheit, Grenzen zu übertreten, ist nur wenigen Privilegierten vorbehalten. Die Notwendigkeit, Grenzen zu übertreten, trifft Menschen jedoch willkürlich, je nach Herkunftsort. Aus einem durch Angst, Flucht und Krieg belasteten Leben zu entkommen, wird von der EU zu oft verhindert“, erklärt dazu Christina Pennshorn von Ende Gelände Leipzig.

Mit der Aktion wurde auf die Situation an der polnisch-belarussischen Grenze aufmerksam gemacht. Laut dem Aktionsbündnis werden schutzsuchende Menschen dort als Druckmittel für die Durchsetzung der politischen Interessen von Belarus verwendet.

Mit dem Mauerbau auf der polnischen Grenzseite zeige sich das Versagen der EU, eine menschenwürdige Antwort auf den allgemeinen Umgang mit Schutzsuchenden zu finden. Verstärkt durch die Errichtung einer Sperrzone entlang der Grenze, mangele es an journalistischer Aufklärung und politischer Aufmerksamkeit.

Christina Pennshorn weiter: „Wir begrüßen sehr die Aufnahme Schutzsuchender aus der Ukraine. In dem Umgang mit Schutzsuchenden anderer Herkunft zeigt sich aber der Rassismus in der Aufnahmepolitik. Wir fordern, dass alle Schutzsuchenden an den europäischen Außengrenzen bedingungslos aufgenommen und versorgt werden. Und dies unabhängig von ihrer Nationalität, Herkunft und Hautfarbe.“

Das Aktionsbündnis aus Ende Gelände Leipzig, Seebrücke Leipzig und einer Leipziger Performancegruppe fordert daher den Stopp des Mauerbaus an den europäischen Außengrenzen und die Abschaffung der Institution Frontex. Die Aktivist/-innen kündigten an, ihren Protest in weiteren Aktionen fortzusetzen.

- Anzeige -

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Es gibt 3 Kommentare

Das ist überspitzt.
Kann man schon verstehen, wenn man möchte. 😉
“Alt” sind sowieso nur die anderen.

Dass das Pendel der Wokeness auf mal überschwingt, so wie gelegentlich bei Herrn Julke, wird in der Zukunft wahrscheinlich als ganz normaler Effekt einer Bewegung erscheinen…
Helmut Schmidt hat wahrscheinlich nicht “männlich” gedacht, Willy Brand auch nicht. Die beiden und viele andere erfolgreiche Politiker dieser Zeit waren wahrscheinlich in Wirklichkeit ein Vorbote dessen, was heute “feministische” Politik genannt wird. Wir wussten es nur noch nicht!

Es hat für mich einen faden Beigeschmack, wenn es zu Beginn des Textes heißt: “Während die Jugend der Welt um ihre Zukunft kämpft, führen alte, verbohrte Männer Krieg. Selten war so deutlich wie in diesen Tagen zu sehen, wie das alte, männliche Machtdenken die Welt zerstört. Und Menschen teilt, aufteilt wie Hühnereier, Erbsen oder Äpfel.”
Einerseits also der Vorwurf, die Welt aufzuteilen, andererseits passiert durch das eigene Schreiben genau das: Jugend, Zukunft, Frieden und Klimaschutz = gut (auf der einen Seite) und alt, männlich, Machtdenken und Krieg = schlecht (auf der anderen Seite).
So einfach funktioniert die Realität aber nicht.

Schreiben Sie einen Kommentar