18.4 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Kundgebung auf Augustusplatz: Antirassitische Initiativen erinnern an verschollene Flüchtlinge im Mittelmeer + Video

Anzeige
Werbung

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Werbung

    Etwa 80 Menschen machten am Nachmittag des heutigen 9. Februar 2021 auf das Schicksal von 91 Flüchtlingen aufmerksam, die auf dem Tag genau vor einem Jahr im Mittelmeer in Seenot gerieten und seither verschollen sind. Bei einer Kundgebung auf dem Augustusplatz wiesen die Veranstalter, ein Bündnis aus dem Aktionsnetzwerk „Alarm Phone“ und der Bewegung „Seebrücke“, auf die Schicksale der Vermissten und ihrer Angehörigen hin. Beide Initiativen fordern ein Ende der tödlichen EU-Grenzpolitik.

    Es waren überwiegend junge Männer aus dem Sudan, die am 9. Februar 2020 in Libyen mit einem schwarzen Schlauchboot in See stachen. Ihr Ziel: Malta oder das europäische Festland. Dort kamen sie nie an.

    Als die Flüchtlinge das „Alarm Phone“, eine Telefonkontaktstelle für Menschen in Seenot, anriefen, trieben sie hilflos vor Garabulli (Libyen). Das Boot soll bereits unter Wasser gestanden haben und die ersten Menschen über Bord gegangen sein. Dennoch gelang es ihnen, ihre GPS-Koordinaten klar zu kommunizieren.

    Kundgebung der Initiativen "Alarm Phone" und "Seebrücke" am 9. Februar 2021 auf dem Leipziger Augustusplatz. Foto: Martin Schöler
    Kundgebung der Initiativen „Alarm Phone“ und „Seebrücke“ am 9. Februar 2021 auf dem Leipziger Augustusplatz. Foto: Martin Schöler

    Die Aktivisten des „Alarm Phone“ informierten umgehend die italienischen und maltesischen Behörden sowie libysche Küstenwache. Eine Stunde später riefen die Hilfesuchenden erneut das „Alarm Phone“ an. Seitdem gelten sie als verschollen.

    Die libyschen Küstenwache unternahm laut den Aktivisten keinen Rettungsversuch, da ihre Gefängnisse überbelegt gewesen seien. Es ist ein Schicksal unter vielen, das sinnbildlich für die brutale Abschottungspolitik an den EU-Außengrenzen steht.

    ZDF-Satiriker Jan Böhmermann hatte erst am vergangenen Freitag das zweifelhafte Grenzregime der Europäischen Union im Mittelmeer thematisiert.

    Um die brisante humanitäre Lage in der Mittelmeer-Region nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hatten das Alarm Phone und die Leipziger Ortsgruppe der Bewegung „Seebrücke“ ab 16 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Augustusplatz aufzurufen, um in Solidarität mit den Angehörigen gegen das „unsichtbare und strukturelle Verschwindenlassen“ der 91 Migranten durch die regionalen Sicherheitsbehörden zu protestieren.

    An einer Wäscheleine hatten die Veranstalter Fotos und Namen von 62 der Verschollenen aufgehangen, um ihnen ein Gesicht zu geben. Ihre Hinterbliebenen versammelten sich heute in Al Fasher (Sudan), um ihrer zu gedenken.

    Eine Aktivistin verlas Auszüge aus Gesprächen mit den Angehörigen, die für ein Filmprojekt aufgezeichnet worden waren. „Ich vermisse meinen Sohn seit Februar 2020“, berichtet beispielsweise ein Vater aus Nord-Dafur. Er sei über das Meer nach Tripolis gereist. „Seither haben wir nichts mehr von ihm über ihn gehört.“

    Aufgrund von Kriegen und unsicherer politischer Lage hätten sich die Jugendlichen auf den Weg nach Europa gemacht. Eine Schwester erzählt, ihr Bruder Mohammed sei am 8. Februar zusammen mit einer Gruppe nach Libyen gereist und seitdem verschwunden.

    „Ich möchte, dass die Behörden, internationale Organisationen und Flüchtlingsorganisationen so schnell wie möglich mit der Suche nach ihm beginnen.“

    Impressionen und Redebeiträge vom 9. Februar 2021 auf dem Augustusplatz

    Video: LZ

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige