Ob nun Sicherheitsinteressen oder Sicherheitsbedenken – man kennt diesen Ausdruck durch die inflationäre Verwendung durch Russlandfreunde, in Bezug auf den Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Ja, es ist ein Vernichtungskrieg, gerade im Moment versucht Russland nicht mehr, die Ukraine zu „übernehmen“, sie wird in Schutt und Asche geschossen. Das aber nur am Rande, hier geht es um die USA und Grönland.

Die gute Nachricht ist, dass die USA und Dänemark beschlossen haben, eine „hochrangige Arbeitsgruppe“ zu bilden. Es droht scheinbar nicht sofort eine Invasion. Wenn aber der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen sagt: „Dabei müssen nach unserer Auffassung die amerikanischen Sicherheitsbedenken genauso berücksichtigt wie die roten Linien des Königreichs Dänemark respektiert werden“, dann stimmt das nachdenklich.

Dänemark und auch Grönland sind Mitglieder der NATO. Was hindert also die USA, im Rahmen der NATO‑Verträge dort erneut Truppen und Gerät zu stationieren? Das würde die „Sicherheitsbedenken“ wohl auch ausräumen.

Das ist aber nicht der Plan von Donald Trump, Marco Rubio & Co., ihnen geht es um die Erweiterung des US-Territoriums und die Durchsetzung der sogenannte Donroe-Doktrin. Dieses Konzept, beruhend auf der Monroe-Doctrine von 1823, besagt sehr vereinfacht, dass die USA sich nur um ihre eigene territoriale Einflusssphäre kümmern und im Rest der Welt nicht eingreifen. Der Begriff Donroe-Doktrin ist eine Wortschöpfung der New-York-Post von 2025, wird aber inzwischen selbst von Trump verwendet.

Somit ist die „Übernahme“ Grönlands eine logische Konsequenz für Trump & Co.: Verteidigt wird nur, was uns gehört! Seine „Sicherheitsinteressen“ begründet Trump mit einer angeblich bevorstehenden Übernahme Grönlands durch Russen oder Chinesen. Er sagt, laut POLITICO:

„Es gibt nichts, was Dänemark dagegen tun kann, wenn Russland oder China Grönland besetzen wollen. Aber es gibt alles, was wir tun können, das haben wir letzte Woche mit Venezuela herausgefunden. Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass Dänemark sich wehren kann.“

Es ist keine Rede mehr von einem Verteidigungsbündnis namens NATO. Man könnte schon fast sagen, dass die USA dieses verlassen wollen, wie zuvor so viele internationale Abkommen.

Wie oben geschrieben verhandeln jetzt die Regierungen, es werden diplomatische Lösungen angestrebt. Wen interessiert es eigentlich, ob die Bürgerinnen und Bürger Grönlands US-Staatsangehörige werden wollen? Wollen sie wirklich auf diesen ganzen „kommunistischen Unsinn“, wie Krankenversicherung, ein Bildungssystem nach dänischem Modell und anderes mehr, verzichten?

Fazit: Der US-amerikanische Anspruch auf Grönland lässt sich mit „Sicherheitsinteressen“ nicht rechtfertigen. Eine „Übernahme“ Grönlands durch die USA, besonders eine mit Gewalt, wäre ein Schlag gegen das Verteidigungsbündnis NATO. Die NATO-Staaten, insbesondere die EU, sollten den imperialen Bestrebungen Trumps energisch entgegentreten.

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