Für die Hälfte der Leipziger Haushalte wären Mieterhöhungen ein richtiges Existenzproblem

Heftig wurde im vergangenen Jahr auch in Leipzig über die Mietpreisbremse diskutiert, denn erstmals zeigte auch die Bürgerumfrage einen deutlichen Anstieg in den Durchschnittsmieten - von 5,08 Euro im Jahr 2013 auf 5,38 Euro. Irgendwas war da also im Gang. Und Leipzigs Statistiker wollten es schon gern genauer wissen. Das war dann auch Teil der "Bürgerumfrage 2014" gewesen. Die speziellen Fragen dazu hat Andrea Schultz im neuen Quartalsbericht der Stadt ausgewertet.

Und das Ergebnis ist: Auch Leipzigs Vermieter erhöhen da und dort recht eifrig die Mieten. Nicht alle und nicht überall, dazu kennen sie das Einkommensniveau ihrer Mieter zu gut. Aber immerhin: 25 Prozent aller Mieter bekamen in den vergangenen vier Jahren eine Mieterhöhung. Wenn man die Plattenbauten ausnimmt, waren es eher 10 bis 20 Prozent. Denn die Wohnungen im Plattenbau fallen auf. Hier bekamen über 50 Prozent der Mieter eine Mieterhöhung. Leipzigs Statistiker interpretierten es teilweise als Anpassung ans Leipziger Mietniveau, auch wenn im Plattenbau die Durchschnittsmieten noch unter 5 Euro je Quadratmeter liegen.

Andererseits eignen sich gerade die DDR-Plattenbauten gut für eine energetische Sanierung. Und die Leipziger Wohnungsgesellschaften haben sich in den vergangenen Jahren auch stark auf dieses Sanierungsprogramm im Plattenbau konzentriert.

Deutlich macht die Auswertung von Andrea Schultz aber auch, wie sich mit dem Erhöhen des Mietniveaus vor allem die innerstädtischen Wohngebiete so langsam herausheben. Gerade die zentrumsnahen Ortsteile haben mit Mieten um 6,23 Euro je Quadratmeter mittlerweile ein spürbar höheres Mietniveau als die nicht so zentrumsnahen Wohnlagen. Dort liegt der Mietdurchschnitt eher auf dem Leipziger Level von 5,39 Euro je Quadratmeter.

Anders ist das Bild am Stadtrand: Während Großwohnsiedlungen wie Grünau eher Mietniveaus um die 4,66 Euro je Quadratmeter haben, können einige der Wohnlagen im Grünen auch schon mal 6 Euro je Quadratmeter kosten. Es ist also eine doppelte Ausdifferenzierung im Gange: eine nach Wohnanspruch und eine nach Wohnlage. Wobei sich so langsam abzeichnet, dass innerstädtisches Wohnen künftig nur noch für Gutverdiener bezahlbar sein wird. Und da sich hier die Vermieter nach den örtlichen Vergleichsmieten richten und nach der direkten Nachfrage von Mietern, die sich so ein Mietniveau auch leisten können, sind viele Mieterhöhungen – immerhin 72 Prozent – auch nicht mit einer Modernisierung der Wohnung begründet.

Am teuersten sind übrigens nach wie vor Neubauwohnungen aus der Zeit nach 1990, wo der Median bei 6,04 Euro liegt. Median heißt: Die Hälfte der erfassten Wohnungen liegt drüber, die Hälfte drunter.

Andrea Schulz splittet die Befragungsergebnisse auch noch nach Einkommen, Familienstand, Erwerbstatus auf – aber das macht die Sache nicht wirklich übersichtlicher, denn augenscheinlich spielt das bei Mieterhöhungen alles keine Rolle: Wer im betroffenen Haus lebt, bekommt die Erhöhung serviert, egal, wie viel er verdient oder wie knapp er bei Kasse ist, ob er Single ist oder auch noch Kinder im Haushalt hat.

Das Ergebnis war schon in den vergangenen Jahren, dass immerhin 5 Prozent der Leipziger Haushalte schon einmal Mietzahlungsrückstände hatten, besonders häufig natürlich Arbeitslose und Haushalte mit einem Nettoäquvalenzeinkommen unter 700 Euro. Von denen mussten immerhin 16 Prozent schon mal Mietzahlungsrückstände ausgleichen.

Und von denen werden auch die meisten ängstlich in die Zukunft schauen. Immerhin rechnen mittlerweile 12 Prozent der Leipziger Haushalte fest mit Mieterhöhungen in den nächsten Jahren, weitere 46 Prozent halten sie für möglich. Und selbst 8 Prozent der Haushalte, die in den vergangenen vier Jahren schon Mieterhöhungen verkraften mussten, rechnen fest mit weiteren Aufschlägen.

Aber immer wieder geht es um die Einkommen. Die sind in Leipzig nach wie vor nicht komfortabel. So betrachtet, war eine Frage der Leipziger Statistiker schon recht drastisch: Was würde es bedeuten, wenn der Vermieter die Miete um 20 Prozent erhöht? Bei einer 5-Euro-Miete wäre das eine Erhöhung auf 6 Euro je Quadratmeter, also für Leipziger Verhältnisse quasi eine Beförderung in die Superklasse.

Zwischen 55 und 67 Prozent der Befragten gaben dann auch folgerichtig an, dass sie diese Miete dann nicht mehr problemlos zahlen könnten. Am häufigsten alleinstehende Rentner.

Aber das hat mit dem Einkommen zu tun und immer wieder nur damit. Das wird deutlich, wenn Andrea Schultz das Ganze nach Haushaltseinkommen staffelt. Und da geben natürlich 88 Prozent der Haushalte mit weniger als 700 Euro Einkommen an, dass es nicht mehr geht, 77 Prozent der Haushalte, die mit 700 bis 1.000 Euro auskommen müssen, 68 Prozent der Haushalte, die 1.000 bis 1.300 Euro zur Verfügung haben. Aber selbst für die Haushalte mit 1.300 bis 1.600 Euro wird es in 49 Prozent der Fälle knapp.

Das geht dann ans Eingemachte – wenn das bei solchen Einkommen überhaupt noch zu finden ist. 23 Prozent derer, die Probleme bekämen, würden versuchen, umzuziehen – wobei die Frage tatsächlich lautet: Wohin eigentlich noch?

16 Prozent würden Mietzuschuss beantragen, 13 Prozent ihre restlichen Ausgaben weiter einschränken (und auch den Urlaub streichen), 21 Prozent aber wären schlichtweg ratlos. Und haben wohl recht mit dem Ratlossein, denn so richtig auf oberster Ebene ist das Dilemma auch in Leipzig noch nicht angekommen, in Sachsen erst recht nicht. Das Wohnungspolitische Konzept wird zwar jetzt diskutiert. Aber gleichzeitig geht das Bevölkerungswachstum unvermindert weiter. Wann geht also der Pool an freien Wohnungen zur Neige?

Das fragen wir uns im nächsten Beitrag zum Quartalsbericht.

MietpreiseQuartalsberichtMieterhöhungen
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