März-Arbeitslosenzahlen sind eine Momentaufnahme genau zum Beginn der Corona-Ausgangsbeschränkungen

Für alle LeserSeit zwei Wochen steckt zwar auch Sachsen im Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie. Aber das bildet sich noch nicht in den Arbeitsmarktzahlen für Ende März ab. Der Grund ist simpel: Der Stichtag der Statistik liegt in der Monatsmitte, in diesem Fall also am 12. März. Deshalb werden die Auswirkungen der Corona-Krise in den Märzzahlen noch nicht sichtbar, teilt die Arbeitsagentur Leipzig mit.
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Erst mit den Arbeitsmarktzahlen im April werden die Folgen der Pandemie auf dem Arbeitsmarkt sichtbar.

„Die derzeitige Situation ist für uns alle vollkommen neu. Die Corona-Krise hat auch unseren Arbeitsalltag in der Arbeitsagentur radikal verändert. Uns erreichen täglich sehr viele Anfragen zu Kurzarbeit. Wir tun alles dafür, alle Anträge schnell und unbürokratisch aufzunehmen und abzuarbeiten. Die Menschen können sich auf uns verlassen. Innerhalb weniger Tage haben wir uns intern neu aufgestellt und Mitarbeiter umgeschult“, betont der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig Steffen Leonhardi.

Was wir jetzt an Zahlen bekommen, bildet also Leipzig genau in dem Moment ab, als es gerade in den Modus der eingestellten Produktion und der umfassenden Kontaktsperren überging.

Für die nächste Zeit erwartet auch Leonhardi ganz andere Zahlen.

„Es ist, in Anbetracht der in weiten Teilen ruhenden Wirtschaft, nicht davon auszugehen, dass sich die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt fortsetzt. Aktuell machen sehr viele Betriebe von Kurzarbeit Gebrauch, um die Beschäftigten im Unternehmen zu halten. Das ist gut und richtig. Da dies nicht in jedem Fall gelingen wird und mit weniger Neueinstellungen in den nächsten Monaten zu rechnen ist, ist mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Anders als in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 ist in der jetzigen Krise nicht nur die Industrie von der krisenhaften Entwicklung betroffen, sondern aufgrund des Shutdowns weite Teile unserer Wirtschaft, vom Café bis zum Frisörsalon“, sagt Steffen Leonhardi und hat auch noch zwei Bitten an die Arbeitgeber.

„Auch die Auszubildenden sind mitunter von der Schließung oder vom erheblichen Arbeitsausfall analog zu den Arbeitnehmern betroffen. Ich bitte eindringlich darum, die Auszubildenden im Unternehmen, wenn irgendwie möglich, zu behalten. Diese jungen Menschen sind die perspektivisch dringend benötigten Fachkräfte von morgen“, betont Steffen Leonhardi.

Außerdem richtet er eine Bitte an die Unternehmen, die infolge der Krise eine deutlich höhere Arbeitsbelastung verspüren. Denn die wirklich systemrelevanten Betriebe arbeiten ja weiter – oft mit zusätzlicher Belastung für die Beschäftigten.

„Melden Sie unserem Arbeitgeberservice auch weiterhin Ihre freien Stellen. Die Kolleginnen und Kollegen in unserem gemeinsamen Arbeitsgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter Leipzig beraten Sie gerne und unterstützen Sie bei der schnellen Besetzung Ihrer Vakanzen“, versichert Steffen Leonhardi.

Die gemeldeten freien Stellen im März 2020. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

Die gemeldeten freien Stellen im März 2020. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

Die Zahlen im Überblick:

Insgesamt waren 19.767 (Vormonat 19.913) Männer und Frauen in der Stadt Leipzig arbeitslos. Der Rückgang im Vergleich zum Januar betrug 146 Personen. Im Vergleich zum März des Vorjahres ist die Zahl der Arbeitslosen hingegen um 60 Personen gestiegen.

Bei den jungen Menschen bis 25 Jahren stieg die Zahl der Arbeitslosen nur leicht um 9 auf 1.748 (Vorjahr: 1.805).

Bei den Lebensälteren in der Altersgruppe ab 50 Jahren sank die Arbeitslosigkeit um 34 auf 5.673 Personen (Vorjahr: 5.631).

Die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen stagnierte im März. Gegenüber dem Vormonat stieg sie um 4 Personen an auf 4.550. Im Vergleich zum März 2019 gab es 94 Langzeitarbeitslose weniger.

Beim Zugang an offenen Arbeitsstellen verzeichnete die Arbeitsagentur Leipzig im März einen leichten Rückgang gegenüber dem Vormonat. Die Wirtschaft und die Verwaltungen haben in den letzten vier Wochen 1.882 freie Stellen, das waren 76 weniger als im Februar und 26 weniger als im März 2019 zur Besetzung gemeldet.

Zum statistischen Zähltag im März betrug die Arbeitslosenquote in der Stadt Leipzig 6,3 Prozent (Februar: 6,3 Prozent). Im März 2019 lag sie noch bei 6,4 Prozent.

Im Februar waren 7.008 Menschen in der Arbeitsagentur, im Rechtskreis SGB III, arbeitslos gemeldet. Das waren 233 weniger als im Vormonat, aber 439 mehr als im März 2019.

Im Jobcenter Leipzig, im Rechtskreis SGB II, waren 12.759 Menschen arbeitslos registriert. Das waren 87 mehr als im Februar und 379 weniger als vor einem Jahr.

In Leipzig gab es im März 31.163 Bedarfsgemeinschaften. Das waren 35 mehr als im Vormonat und 3.181 weniger als im März des Vorjahres.

Das Jobcenter Leipzig betreute 39.203 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vormonat gab es einen Rückgang um 106. Im Vergleich zum März des Vorjahres sank die Zahl um 4.131 Personen.

Aktuell waren im März 2.058 freie Ausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur Leipzig gemeldet. Das waren 302 mehr als vor einem Jahr um diese Zeit. Gegenwärtig sind davon noch 1.460 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Dem stehen 2.205, 16 mehr als im März 2019, Bewerberinnen und Bewerber um einen Ausbildungsplatz gegenüber. Von diesen suchen aktuell 1.402 noch nach einer Ausbildungsstelle.

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Foto: Ralf Julke

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