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MIDEM-Studie zu COVID-19 in Sachsen: Ein Völkchen zwischen Corona-Verschwörung und hoher Impfbereitschaft

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    Am Mittwoch, 16. Juni, stellte das Mercator Forum für Migration und Demokratie (MIDEM) seine aktuelle Studie „COVID-19 in Sachsen. Sozialräumliche und politisch-kulturelle Rahmenbedingungen des Pandemiegeschehens“ vor. Für die wurden im Zeitraum vom 10. bis 15. Mai 2021 insgesamt 1.008 Personen über 18 Jahre befragt. Es ging auch um Impfbereitschaft und Verschwörungsdenken.

    Obwohl man durchaus skeptisch sein darf. Denn je differenzierter die Fragen sind, umso differenzierter fallen auch die Antworten aus. Und es wird auch deutlich, dass die Corona-Skepsis sehr viel mit Entwicklungen zu tun hat, die schon lange vor Corona begonnen haben.Schon mit Pegida und dem Erstarken der AfD wurde etwas sichtbar, was zumindest Kopfzerbrechen bereiten sollte: Es sind eben nicht – wie Marco Wanderwitz, der Ostbeauftragte der Bundesregierung, vermutet hatte – die in der DDR („Diktatur“-)Sozialisierten, die Regierung, Medien und Wissenschaft besonders skeptisch begegnen, sondern die jüngeren Jahrgänge.

    Mit den Worten der Studienautoren: „Was die Rolle von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Expertinnen und Experten in der Pandemie betrifft, ergibt sich in Sachsen ein eindeutigeres Meinungsbild. Dass die Politik in der Krise vorrangig dem Rat dieser Expertinnen und Experten folgt, findet eine überwältigende Mehrheit von 74 Prozent der Sächsinnen und Sachsen gut. Die Skepsis gegenüber der Wissenschaft kann damit insgesamt als nur schwach ausgeprägt gelten, auch wenn immerhin 20 Prozent eine gegenläufige Auffassung äußerten. (…)

    So sind eher Männer als Frauen, eher Arbeiter als Selbstständige für coronabezogenes Verschwörungsdenken anfällig. Erneut zeigen sich insbesondere Personen der Altersgruppe zwischen 31 und 40 Jahren sowie mit Realschulabschluss exponiert. Hinsichtlich der Bewertung einzelner Parteien sind es ebenfalls erneut die Sympathisanten der AfD, die den entsprechenden Aussagen überdurchschnittlich häufig zustimmen.“

    Wobei auch FDP-Anhänger und Anhänger der Freien Wähler mit höheren Werten auffallen.

    „Fragt man nach der Verbreitung innerhalb Sachsens, so lieferte die Untersuchung das in Abb. 20 dargestellte Bild. Demnach stimmten die befragten Sächsinnen und Sachsen allen Aussagen eines coronabezogenem Verschwörungsdenken am häufigsten in den Landkreisen Bautzen, Zwickau und Mittelsachsen zu. Verworfen wurden dieselben Aussagen hingegen häufig im Landkreis Leipzig und Vogtland, sowie der Stadt Leipzig.“

    Verschwörungsdenken nach Kreisen ud Großstädten. Grafik: MIDEM
    Verschwörungsdenken nach Kreisen und Großstädten. Grafik: MIDEM

    Aber wenn dann genauer nach Verschwörungsvermutungen gefragt wird, ergibt sich selbst bei den Skeptikern ein sehr gemischtes Bild. Nicht alle stimmen der Aussage zu, dass die Pharmalobby dahintersteckt oder die Regierung damit ihre Überwachungsbefugnisse ausweitet oder die Medien die Gefahr übertreiben. Es gibt also selbst unter den Skeptikern einen harten Kern, der gleich allen drei Vermutungen zustimmt. Und es gibt einen Teil, der nur teilweise das Misstrauen teilt.

    Aber andererseits müssen sich die Anordnungen der Regierungen immer daran messen lassen, wie logisch sie den Betroffenen erscheinen. Und während das Tragen von Masken sogar bis weit in die Region der Skeptiker hinein befürwortet und für sinnvoll erachtet wird, steht der Schließung von Schulen und Kitas oder nächtlichen Ausgangssperren eine Mehrheit der Befragten skeptisch gegenüber.

    Was dann aber oft sehr viel mit Betroffenheit zu tun hat, denn während die Einschränkungen eher weniger Belastung im Arbeitsleben oder in der finanziellen Situation bedeuteten, war das beim sozialen Leben, in Bezug auf Familie oder seelisches Wohlbefinden schon ganz anders. Das heißt: Die Maßnahmen griffen tief in Bereiche ein, die für gewöhnlich wichtig sind für die mentale Stabilität der Menschen.

    Wie belastend finden die Befragten die einzelnen Maßnahmen? Grafik: MIDEM
    Wie belastend finden die Befragten die einzelnen Maßnahmen? Grafik: MIDEM

    Was eben auch bedeutet, dass die Umfrage in Teilen sehr gut sichtbar macht, wer durch die Einschränkungen besonders belastet wurde:

    „Zunächst zeigen sich im Hinblick auf beide Formen empfundener Belastungen klare Zusammenhänge mit Alter, Einkommen und beruflicher Situation: Jüngere Sächsinnen und Sachsen fühlen sich stärker, Ältere und Menschen mit überdurchschnittlichen Einkommen hingegen eher weniger belastet als andere. Menschen der untersten Einkommensstufe, mit einem Einkommen von unter 1.500 Euro im Monat, aber auch Angestellte und vor allem Selbstständige spüren vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht überdurchschnittlich starke Belastungen.

    Bei Beamtinnen und Beamten sowie Rentnerinnen und Rentnern fällt diese Einschätzung genau umgekehrt aus. Arbeitslose klagen häufiger als andere über die wirtschaftlichen, seltener über die sozialen und psychologischen Folgen der Corona-Maßnahmen. Frauen wiederum beschreiben im Hinblick auf das psychologische und soziale Wohlbefinden deutlich stärkere Belastungen als Männer.“

    Das heißt: Einiger Unmut kommt auch aus einer unterschiedlich starken Betroffenheit. Wobei die Umfrage auch zeigt, dass auch die Begegnung mit Corona-Erkrankungen durchaus unterschiedlich ist. Denn 63 Prozent der Befragten hatten bislang noch gar keine Begegnung mit Corona – weder als eigene Erkrankung oder als Erkrankung bei näheren Angehörigen. Das verändert natürlich die Sicht auf die mögliche Gefährdung durch das Virus. Einen schweren Erkrankungsverlauf durch Corona bei sich oder im nächsten Umkreis haben aber zumindest 11 Prozent erlebt.

    Betroffenheit durch Corona-Erkrankungen. Grafik: MIDEM
    Betroffenheit durch Corona-Erkrankungen. Grafik: MIDEM

    Aber die regionale Verteilung der Verschwörungsgläubigkeit lässt zumindest auch vermuten, dass auch das Umfeld die eigene Haltung beeinflusst – wo mehr Skeptiker unterwegs sind, wird man leichter zum Skeptiker.

    Aber interessant ist bei all dem trotzdem die hohe Impfbereitschaft: 39 Prozent der Befragten haben schon mindestens eine Impfung, weitere 31 Prozent möchten sich impfen lassen, nur 21 Prozent wollen sich nicht impfen lassen. Die Impfskepsis ist ausgerechnet im Raum Görlitz und Bautzen mit über 30 Prozent besonders hoch. Auch das Osterzgebirge kommt auf 28 Prozent, während der Anteil der  Impfskeptiker in Leipzig nur bei 15 Prozent liegt. Was ja zumindest darauf hindeutet, dass das soziale und mediale Umfeld dabei eine erhebliche Rolle spielt.

    Die gesamte Studie findet man auf der MIDEM-Homepage.

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