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Gegen den Sachsen-Trend: Leipzig wächst auch im Herbst 2021 wieder

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    Leipzig wächst wieder. Oder schon wieder. Es ist derselbe Effekt wie im Corona-Jahr 2020: Bis zum Sommer schien auch Leipzig wie alle anderen sächsischen Landkreise und kreisfreien Städte an Bevölkerung zu verlieren, stand ein für Leipzig zumindest seit zwei Jahrzehnten ungewohntes Minus von 342 Einwohner/-innen unterm Strich. Doch mit dem Beginn des Herbstes steigt auch die Bevölkerungszahl wieder.

    2020 schlug die Pandemie zu Buche

    Für den 30. September meldet das Amt für Statistik und Wahlen für Leipzig 605.832 Einwohner/-innen, über 400 mehr als im Dezember 2020. Da beendete die Stadt das Kalenderjahr mit 605.407 Einwohner/-innen. Und das war auch schon ein überraschender Zuwachs nach den 601.668 im Dezember 2019 gewesen.

    Denn im ersten Corona-Jahr kam das Umzugsgeschehen in Leipzig monatelang fast vollkommen zum Erliegen. Was sofort den erwartbaren Effekt hatte: Da die Zahl der Sterbefälle (auch durch Corona) die Zahl der Geburten überstieg, sank die Einwohnerzahl.

    Bevölkerungsschwund auch ganz ohne Corona

    So darf man wohl auch das Minus im ersten Halbjahr 2021 interpretieren. Womit Leipzig noch relativ gut dastand. Denn in Dresden sank die Einwohnerzahl parallel um 1.427 Personen, in Chemnitz um 1.189.

    Corona kommt ja nur obendrauf, wenn es um den sächsischen Bevölkerungsschwund geht. Schon seit Jahren hat Sachsen einen negativen Saldo, wenn es um Geburten und Sterbefälle geht. Nur eine zeitweilig verstärkte Zuwanderung hat den Trend ab 2015 für eine Weile gestoppt.

    Aber längst ist Sachsen wieder im alten Muster, wie das Statistische Landesamt auch am 9. Juli meldete: „Zum 31. Dezember 2020 lebten 4.056.941 Menschen im Freistaat Sachsen. Gegenüber 2019 ging die Bevölkerung um 15.030 Personen bzw. 0,4 Prozent zurück. Im Vergleich zur Entwicklung in den Jahren 2016 bis 2019 mit einem durchschnittlichen Rückgang von 0,1 Prozent pro Jahr bedeutet dies einen deutlichen Anstieg der Bevölkerungsverluste. Vom Bevölkerungsrückgang war ausschließlich die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 20 bis unter 65 Jahren betroffen, die gegenüber 2019 um rund 20.800 Personen bzw. 0,9 Prozent abnahm.“

    Und die Politik schweigt

    Ein Satz, bei dem eigentlich in der Staatskanzlei alle Alarmglocken schrillen müssten, denn das sind die Arbeitskräfte, die der Freistaat dringend braucht. Das sind die Väter und Mütter, ohne die es keinen Nachwuchs gibt.

    Aber dort schrillen keine Alarmglocken. Die eigentliche Wucht der demografischen Entwicklung wurde dort bis heute nicht erkannt. Auch nicht, warum die jungen Leute weiterhin wegziehen aus den ländlichen Regionen. Denn Leipzig profitiert ja vor allem davon, dass junge Menschen zur Ausbildung und zur Aufnahme einer attraktiven Arbeit in die Großstadt wandern, weil in den ländlichen Regionen entsprechend attraktive Angebote fehlen.

    Speckgürtel als Nutznießer

    Und sie bleiben da, gründen Familien und ziehen dann bestenfalls, wenn sie dann gut verdienen, in den Speckgürtel der Stadt. In den Landkreis Leipzig etwa, der genauso wie Leipzig nur 0,1 Prozent Bevölkerungsrückgang im ersten Halbjahr verzeichnete, oder Nordsachsen, wo es genauso war. Orte wie Markranstädt, Bennewitz und Kitzscher profitierten davon.

    In Nordsachsen sind es Delitzsch, Schkeuditz und Eilenburg, die von diesem Wegzug aus Leipzig profitieren. Aber die Septemberzahlen zeigen eben auch, dass die Rolle Leipzigs sich auch in der Corona-Zeit nicht verändert hat. Hier entstehen weiterhin die neuen Arbeitsplätze auch in Branchen, die eine echte Zukunft haben. Der Zuzug hat sich zwar schon lange vor Corona abgeschwächt – gebremst vor allem durch ein fehlendes Wohnungsangebot gerade im preiswerten Segment.

    Aber die Stadt wird trotzdem weiter wachsen, auch weil in den ländlichen Räumen zum Fehlen attraktiver Arbeitsplätze mittlerweile auch das Fehlen wichtiger Infrastrukturen kommt und ein gewisses Klima des Abgehängt-Seins, das sich ja längst auch schon in Wahlen niederschlägt.

    Großstädte zahlen den Preis unterlassener Demografie-Politik

    Im Grunde ist das die Rechnung für 30 Jahr unterlassene Demografie-Politik. Denn das, was Sachsen dazu betrieben hat, war eher eine Politik mit Fokus auf Hochbetagte und Pflegebedürftige, während man die jüngeren Bevölkerungsgruppen und ihre Bedürfnisse gerade im ländlichen Raum völlig negierte.

    Darum kümmerten sich dann zwangsläufig die Großstädte. Ein Zuwachs, den mehrere sächsische Regierungen immer wieder zu bremsen versuchten. Aber man bremst keine demografischen Entwicklungen, wenn man ihre Ursachen nicht wahrnehmen will. Sodass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann auch das Statistische Landesamt für Leipzig 600.000 Einwohner/-innen ausweist. Wenn die Entwicklung so verläuft wie 2020, könnte das noch vor dem Jahresende 2021 der Fall sein.

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