Noch hat der Ukraine-Krieg keinen Einfluss auf den sächsischen Arbeitsmarkt, auch wenn die üblichen Institute schon wieder Panikstimmung verbreiten, was die Zukunftssicht der deutschen Wirtschaft betrifft. Aber wie steigende Energiepreise und Kriegsauswirkungen tatsächlich die Wirtschaftslage in Deutschland verändern, sehen wir erst in den nächsten Monaten. In Leipzig ging im März die Arbeitslosenzahl jedenfalls weiter zurück.

In Sachsen insgesamt übrigens auch: „In Sachsen waren im März 115.675 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 2.799 weniger (minus 2,4 Prozent) als noch vor einem Monat und 21.650 weniger (minus 15,8 Prozent) als vor einem Jahr. So weist die Statistik die geringste Arbeitslosigkeit in einem März seit der Wiedervereinigung aus“, meldete die Arbeitsagentur Sachsen am Donnerstag, 31. März. Und gleichzeitig waren 45.249 freie Stellen gemeldet, über 9.000 mehr als vor einem Jahr.

Die Entwicklung in Leipzig

Die registrierte Arbeitslosigkeit in Leipzig hat sich im März um 269 auf 20.262 Personen verringert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es damit 5.529 Arbeitslose weniger. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im März 6,3 Prozent; vor einem Jahr hatte sie sich auf 8,1 Prozent belaufen.

„Die Lage am lokalen Arbeitsmarkt hat sich leicht verbessert. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte wieder zu. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit setzt sich im März fort, wenn auch langsamer als bisher. Der Bestand an gemeldeten Stellen steigt weiterhin und befindet sich auf einem neuen Höchstwert. Die Arbeitsagentur Leipzig ist geöffnet und wir gehen bezüglich des Zugangs zum Normalbetrieb über. Übergangsweise setzen wir zum Schutz aller noch die 3G-Regel um“, sagte Steffen Leonhardi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig, am Donnerstag, 31. März, zur jüngsten Entwicklung auf dem lokalen Arbeitsmarkt.

Beschäftigungsentwicklung in Leipzig. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
Beschäftigungsentwicklung in Leipzig. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

Im März meldeten sich 1.722 zuvor erwerbstätige Personen arbeitslos, 14 weniger als vor einem Jahr. Durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit konnten in diesem Monat 1.810 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 127 weniger als vor einem Jahr.

Leipzigs Arbeitsmarkt wuchs auch 2021

Das klingt nach Stagnation. Aber auch im zweiten Corona-Jahr ist die Beschäftigung in Leipzig weiter gewachsen. Erstmals liegen auch Zahlen bis September 2021 vor. In Leipzig gab es Ende September 2021 einen Anstieg auf 283.704 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Das waren im Vergleich zum Vorjahr 4.374 Personen bzw. 1,6 Prozent mehr. Gegenüber September 2020 wuchs die Zahl um 4.760. Das heißt: Der Leipziger Arbeitsmarkt wächst stabil. Die Unternehmen der Stadt suchen weiterhin Arbeitskräfte. Und der Bedarf lässt sich aus dem Pool der Arbeitslosen nicht wirklich decken.

Was zum Ergebnis hat, dass die Arbeitsagentur im März erstmals mehr als 10.000 freie Stellen zur Besetzung meldet, genauer: 10.143. Die meisten davon im Bereich „Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit“, gefolgt von „Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung“.

Der Nachwuchs fehlt immer spürbarer

Hier macht sich neben dem Wachstum in einigen Branchen immer stärker das Fehlen von qualifiziertem Nachwuchs bemerkbar. Und es dürfte keine Überraschung sein, wenn die Wirtschaftskammern mit ihrer nächsten Konjunkturerhebung auch wieder dem sächsischen Kultusminister eine Rote Karte zeigen, weil noch immer fast jeder zehnte Schulabgänger kein qualifiziertes Abschlusszeugnis hat.

Sachsens Schulen behandeln die Schüler noch immer wie Produktionsteile, die möglichst nach Schablone durchgeschleust werden müssen, statt wenigstens die Grundbedingung zu erfüllen, den jungen Menschen ein gutes Rüstzeug für den Start ins Berufsleben mitzugeben. Das funktioniert mit dem alten Schubkastendenken nun einmal nicht.

Gemeldete freie Stellen in der Arbeitsagentur Leipzig. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
Gemeldete freie Stellen in der Arbeitsagentur Leipzig. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

Und die Zahlen deuten darauf hin, dass sich das Problem in den nächsten Jahren immer weiter verschärft.

„Während die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen deutlich steigt, sinkt die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber. Ich appelliere an alle jungen Menschen: Meldet euch in der Berufsberatung. Es gibt hervorragende Chancen am Ausbildungsmarkt“, mahnt deshalb auch Leonhardi.

„Die Erholung am Arbeitsmarkt setzt sich im Frühjahr regelmäßig fort. Die Beschäftigung steigt, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Zahl der gemeldeten Stellen ist sehr hoch. Ungewiss ist derzeit, welche Auswirkungen der Krieg in der Ukraine zu welchem Zeitpunkt auf den Arbeitsmarkt hat.“

Das „Gesundsparen“ wird zum Personalproblem

So fasst es die Arbeitsagentur zusammen: „Im Bezirk der Agentur für Arbeit Leipzig waren im März 10.143 Arbeitsstellen gemeldet, gegenüber Februar ist das ein Plus von 252 oder 2,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 1.812 Stellen mehr (+21,8 Prozent). Arbeitgeber meldeten im März 1.608 neue Arbeitsstellen, das waren 235 oder 17,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Seit Jahresbeginn sind damit 4.941 Stellen eingegangen, das ist ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 832 oder 20,2 Prozent.“

Dass ein von Effizienz und Privatisierung berauschter Staat nicht ganz unschuldig ist an der Misere, zeigt die Zahl von 1.475 unbesetzten Stellen im Bereich „Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung“. Da stecken nicht nur fehlende Lehrer/-innen drin, sondern immer mehr unbesetzte Stellen im Gesundheitswesen und in der Pflege, wo tausende Mitarbeiter/-innen in den vergangenen zwei Jahren wegen Überlastung gekündigt haben.

Freie Stellen nach Wirtschaftsbereichen. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
Freie Stellen nach Wirtschaftsbereichen. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

Wenn Lobbyisten und Politiker von „Effizienz“ reden, geht das immer auf die Knochen der Beschäftigten, die dann in Arbeitsplänen ohne jeglichen Puffer versuchen sollen, den Laden am Laufen zu halten. Krisenzeiten wie die Corona-Pandemie haben die Schwäche dieses „gesundgeschrumpften“ Gesundheitssystems unbarmherzig offengelegt. Änderungen aber sind nicht in Sicht.

So gesehen ist auch diese Zahl aus der Arbeitsagentur eine Alarmmeldung.

Der Leipziger Arbeitsmarkt in Zahlen

Die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen ist im zurückliegenden Monat in Leipzig zurückgegangen. Im März 2022 waren 7.083 Menschen langzeitarbeitslos, 144 weniger im Vergleich zu Februar. Im Vergleich zum März 2021 gab es 1.593 Langzeitarbeitslose weniger, ein Rückgang um 18,4 Prozent.

Im Rechtskreis SGB III waren im März 6.355 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 264 weniger als im Vormonat und 2.817 weniger als im Vorjahr. Die anteilige SGB III-Arbeitslosenquote betrug 2,0 Prozent.

Im Rechtskreis SGB II gab es 13.907 Arbeitslose, das ist ein Minus von 5 gegenüber dem Februar; im Vergleich zum März 2021 waren es 2.712 Arbeitslose weniger. Die anteilige SGB II-Arbeitslosenquote betrug 4,3 Prozent.

In Leipzig gab es im März 28.966 Bedarfsgemeinschaften. Das waren 222 weniger als im Vormonat und 4.541 weniger als im März des Vorjahres.

Das Jobcenter Leipzig betreut aktuell 37.393 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vormonat sind dies 225 Personen weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl um 5.000 Personen.

Aktuell waren im März 2.305 freie Ausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur Leipzig gemeldet. Das sind 395 Stellen (+20,7 Prozent) mehr als vor einem Jahr um diese Zeit. Gegenwärtig sind davon noch 1.591 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Dem stehen derzeit 1.931 Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz gegenüber. Dies entspricht einem Rückgang von 166 Personen bzw. -7,9 Prozent im Vergleich zum März 2021.

Gemeldete Kurzarbeit

Im Februar 2022, aktuellster statistisch ausweisbarer Monat, haben 75 Leipziger Unternehmen Kurzarbeit angezeigt. Diese Anzeigen umfassten 1.281 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das sind 204 Anzeigen weniger und 3.450 Personen in Anzeigen weniger im Vergleich zum Vormonat.

Besonders betroffen waren dabei die Unternehmen aus der Gastronomie (19 Unternehmen), dem Einzelhandel (10 Unternehmen) und den sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen (5 Unternehmen).

Der Höchststand an abgegebenen Anzeigen seit Februar 2009 war mit 5.412 Anzeigen für 70.427 Beschäftigte im Monat April 2020.

Kurzarbeit abgerechnet und bezogen

Nach der bisherigen Abrechnung der Kurzarbeit durch die Betriebe in der Corona-Pandemie haben 2021 im November 1.184, im Oktober 917, im September 1.014 Unternehmen Kurzarbeit abgerechnet (aktuellster statistischer Datenstand).

Kurzarbeitergeld wurde durch die Betriebe im November 6.844, im Oktober 6.664, im September für 8.024 Beschäftigte bezogen. Der Höchststand an Kurzarbeitern seit Februar 2009 war mit 4.759 Betrieben und
50.956 Personen im April 2020.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür. 

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar