Die großen Staaten des Westens versinken in Schulden. Die Steuereinnahmen reichen nicht mehr, um die wichtigsten Staatsausgaben zu decken. Doch gleichzeitig wachsen die Vermögen der Milliardäre in einem immer schnelleren Tempo. Im Jahr 2025 ist das Vermögen von Milliardär/-innen dreimal so schnell gewachsen wie in den Jahren davor.
Seit 2020 hat es inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent zugelegt. Das zeigt der Bericht „Resisting the Rule of the Rich”, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht.
Gleichzeitig lebt fast die Hälfte der Menschheit in Armut. Die politische Macht von Superreichen setzt die Demokratie zunehmend unter Druck. Oxfam fordert die Bundesregierung auf, Superreiche angemessen zu besteuern, in soziale Gerechtigkeit zu investieren sowie Mittel für Entwicklungszusammenarbeit wieder zu erhöhen.
Der Bericht zeigt: Das Vermögen von Milliardär/-innen weltweit ist 2025 um 2,5 Billionen US-Dollar gewachsen und hat einen neuen Höchstwert von 18,3 Billionen US-Dollar erreicht. Dieser Anstieg in nur einem Jahr entspricht fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung (4,1 Milliarden Menschen).
Mit einem Wachstum von rund 16 Prozent hat das Vermögen der Milliardär/-innen 2025 dreimal so schnell zugenommen wie in den fünf Jahren davor.
In vier Sekunden verdient Elon Musk, der reichste Mann der Welt, so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr. Seit März 2020 hat das Gesamtvermögen von Milliardär/-innen inflationsbereinigt um 81 Prozent oder 8,2 Billionen US-Dollar zugelegt.
Fast die Hälfte der Weltbevölkerung, rund 3,8 Milliarden Menschen, lebt in Armut, also von weniger als 8,30 US-Dollar pro Tag. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung besitzt nur 0,52 Prozent des weltweiten Vermögens, das reichste Prozent besitzt 43,8 Prozent.
Die Situation in Deutschland
Auch in Deutschland wächst der Superreichtum unaufhaltsam: In Deutschland ist 2025 die Gesamtzahl der Milliardär/-innen um ein Drittel auf 172 gestiegen. Deutschland hat die viertmeisten Milliardär/-innen weltweit, stellt der Oxfam-Bericht fest.
Das Gesamtvermögen aller deutschen Milliardär/-innen stieg 2025 inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig lebt etwa ein Fünftel der Menschen in Deutschland in Armut.
Politische Macht von Superreichen gefährdet die Demokratie
Der neue Oxfam-Ungleichheitsbericht verdeutlicht auch, wie sich Superreiche mit ihren beispiellosen Ressourcen politische Macht sichern und die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen, um die Regeln von Wirtschaft und Gesellschaft zu ihrem eigenen Vorteil zu gestalten.
Superreiche stützen ihre politische Macht durch finanzielle Einflussnahme auf Politik, Eigentum und Kontrolle von Medien und direkten Zugang zu politischen Ämtern. Das gefährdet die Demokratie.
Charlotte Becker, Vorständin von Oxfam Deutschland sagt:
„Wir befinden uns in der Ära der Milliardär/-innen – und das ist keine gute Nachricht für die Welt. Während sich Reichtum an der Spitze in noch nie dagewesenem Tempo konzentriert, kämpft fast die Hälfte der Menschheit ums Überleben.
Allein im letzten Jahr haben Milliardär/-innen 2,5 Billionen US-Dollar hinzugewonnen. Das ist so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt. Was uns besonders besorgt: Die Wirtschaftsmacht der Superreichen schlägt sich immer deutlicher in politischer Macht nieder und höhlt die Demokratie immer weiter aus. Das sehen wir zum Beispiel in den USA, wo der Milliardär Donald Trump mit seiner reichenfreundlichen Agenda die Ungleichheit immer weiter anfacht, mit weltweiten Folgen.“
Bundesregierung muss Gerechtigkeitslücken schließen
Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland, erklärt:
„Immer mehr Milliardär/-innen auf der einen Seite und sich verfestigende Armut auf der anderen Seite sind auch in Deutschland ein idealer Nährboden für antidemokratische Kräfte. Um die Demokratie zu schützen, muss die Bundesregierung endlich entschieden gegensteuern und eklatante Gerechtigkeitslücken schließen: Während Durchschnittsverdienende ordentlich Steuern und Abgaben zahlen, tragen Milliardär/-innen oft zu wenig zum Gemeinwohl bei. Das ist Gift für die Demokratie.“
Oxfam fordert von der Bundesregierung, Superreiche mit einer Milliardärssteuer in die Pflicht zu nehmen. Sie muss in soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Demokratiestärkung hier und weltweit investieren. Dafür muss sie zum Beispiel die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit wieder erhöhen statt zu kürzen.
Ab dem heutigen 19. Januar zeigt der Superreichen-Tracker von Oxfam, wie viel Vermögen Milliardär/-innen im Laufe des Weltwirtschaftsforums anhäufen und was damit finanziert werden könnte.
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