SPD-Fraktion beantragt Digitalisierungsprogramm für Leipzigs Museumsschätze

Am Ende geht es immer darum, zu wissen, wo alles steht und wo man es finden kann. Wissenschaftler wissen das – und sind glücklich, wenn sie heute auf digitale Datenbanken zugreifen können, die ihnen verraten, wo welches Buch, welches Bild, welches Objekt zu finden ist. Aber das digitale Zeitalter hat noch immer riesige Löcher. Auch was die Leipziger Museumssammlungen betrifft. Ein Thema, das die SPD-Stadträtin Katharina Schenk aufregt.

Sie verantwortet den SPD-Haushaltsantrag „Digitale Inventarisierung der Sammlungen der Leipziger Museen für eine Digitale Stadt“. Sie kennt das Problem aus der Praxis. Sie hat Philosophie studiert und schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit zum Thema „Glück – Philosophische Beiträge zur Glücksforschung“, auf die man gespannt sein kann und die hoffentlich auch jemand verlegt, wenn sie fertig und verteidigt ist. Wo findet sie das Glück in ihrem ganz persönlichen Spannungsbogen zwischen Kafka und Aristoteles?

Ist es ordentlich einsortiert? Oder einfach nicht zu finden, weil die Datenbank leer ist?

„In Bibliotheken online nach Büchern zu suchen, ist seit Jahren Normalität“, stellt Katharina Schenk, für die SPD auch im Kulturausschuss und auch Juso-Landesvorsitzende, fest.

Aber dann schaut sie nach Leipzig, dieser Stadt der vielen Museen. Uns sie sieht ein Dilemma: „Die Leipziger Museen sind aufgrund fehlender finanzieller Mittel noch nicht in dieser digitalen Normalität angekommen. Nur das Stadtgeschichtliche Museum hat bereits eine Datenbank inklusive Bildmaterial und ist somit international für Forscherinnen und Forscher und Besucherinnen und Besucher greifbar. Meine Fraktion will, dass auch die Bestände des GRASSI-Museums für angewandte Kunst, des Museums für bildende Kunst und des Naturkundemuseums den Sprung ins digitale Zeitalter schaffen. Die Bestände sind es wert, gefunden zu werden, gerade auch, weil nur ein Bruchteil der Museumsschätze durch Ausstellungen zugänglich gemacht werden kann.“

Das kostet natürlich. Auch das Stadtgeschichtliche Museum hat seine Objektdatenbank vor allem mit Fördermitteln und zeitlich befristeten Betreuungsstellen aufbauen können. Man braucht einfach ein paar qualifizierte Leute, die über einen gewissen Zeitraum alle vorhandenen Objekte digital erfassen und einsortieren. Dabei steht bei ihr vor allem das GRASSI Museum für Angewandte Kunst ganz oben auf der Liste dessen, was zuerst abgearbeitet werden sollte.

„Unser Haushaltsantrag ‚Digitale Inventarisierung der Sammlungen der Leipziger Museen für eine Digitale Stadt‘ soll hier mit 100.000 Euro zusätzlich pro Haushaltsjahr eine erste Grundlage schaffen“, benennt Schenk die Dimension. „Mit der wachsenden Anzahl an digitalisierten Objekten eröffnen sich den Museen neue Möglichkeiten, etwa wenn es um die Leihgabe von Objekten oder die Attraktivität für den Forschungsbetrieb geht. Im digitalen Zeitalter gilt: Nur was gefunden werden kann, ist auch wirklich da. Bestände zu öffnen, sichtbar zu machen und mit möglichst vielen Menschen zu teilen, ist eine Kernaufgabe von Museen. Diese Aufgabe gilt es auch digital anzupacken.“

Der Haushaltsantrag der SPD

Beschlussvorschlag:

Für die weitere systematische und einheitliche digitale Inventarisierung der umfassenden und vielfältigen Sammlungsbestände der Leipziger städtischen Museen werden jeweils zusätzlich 100.000 Euro für die Jahre 2017 und 2018 in den Haushalt eingestellt. Die digitale Erfassung soll eine professionelle Erfassung der Grundangaben am Originalobjekt, im Abgleich mit den analogen historischen Inventarverzeichnissen (Künstler, Material, Maße, Signaturen, Zustand, Provenienz, Standort usw.), eine Verschlagwortung sowie die Anfertigung von Fotos/Scans umfassen. Die Angaben einschließlich der Abbildungen sind in die Online-Museumsdatenbanken einzupflegen.

Die Stadtverwaltung erarbeitet gemeinsam mit den Leitern der städtischen Museen ein Konzept für die Umsetzung der strategischen digitalen Inventarisierung und der digitalen Präsentation der Sammlungsbestände der städtischen Museen. Dieses soll dem Stadtrat bis zum II. Quartal 2018 vorgelegt werden. Darin soll auch der weitere Finanzierungsbedarf und Zeitplan der digitalen Inventarisierung und Präsentation möglichst aller Sammlungsbestände der Leipziger städtischen Museen dargestellt werden.

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, für die digitale Inventarisierung und Präsentation der Sammlungsbestände Fördermittel einzuwerben. Es soll geprüft werden, ob für die Digitalisierungsarbeiten Werkstätten für behinderte Menschen oder andere Maßnahmen welchen den (Wieder)Einstieg in den Arbeitsmarkt fördern, beauftragt werden können.

Begründung:

Die Digitalisierung von Museumsbeständen ist vor allem im Stadtgeschichtlichen Museum weit fortgeschritten. Die anderen Leipziger Museen verfügen noch nicht über eine digitale Objektdatenbank. Ziel unseres Antrages ist es, möglichst alle Sammlungsbestände in einer Datenbank zu erfassen, mit einer digitalen Abbildung zu versehen und schrittweise für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Verbreitung der Daten in verschiedenen Portalen ermöglicht die europaweite Vernetzung.

Allen Bürgerinnen und Bürgern soll der Zugang zu kulturellen Objekten ermöglicht werden. Kulturelle Werte sollen für die nachfolgenden Generationen sichergestellt werden. Städtische Institutionen, die Kulturgüter verwalten und künstlerische Prozesse initiieren, sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Inhalte und Werte digital zu erschließen und zu sichern. Archiv- und Museumsbestände sollen digitalisiert werden, um sie online zu präsentieren.

Mit der wachsenden Sammlung von Digitalisaten eröffnen sich den Museen neue Nutzungsmöglichkeiten. Denn Bestände zu öffnen, sichtbar zu machen und mit vielen Menschen zu teilen, ist ebenso Aufgabe von Museen wie die wissenschaftliche Forschung. Aber viele Sammlungsobjekte finden keinen realen Platz in Ausstellungen und sind für die Öffentlichkeit kaum zugänglich. Hier können Digitalisierung und Online-Präsentation sowohl der Forschung und dem wissenschaftlichen Austausch als auch der Teilhabe der Öffentlichkeit neue Wege öffnen.

Stand Digitalisierung am Beispiel des Museum für angewandte Kunst

Die Sammlungen des MfAK umfassen derzeit ca.

Kunsthandwerk/Design 50.000 Inventarnummern
(mit 100.000 Einzelobjekten)

Sondersammlungen der Bibliothek
Bestand Grafik, Foto, hist. Buch 110.000 Einzelobjekte

Die digitale Erfassung der Objekte in der Sammlungsdatenbank des Museums umfasst derzeit nur unter 40 % des Sammlungsbestandes.

Diese Erfassung gründet sich auf der Abschrift der historischen, handschriftlichen Inventare. Sie beinhaltet zum überwiegenden Teil nur wenige und teilweise fehlerhafte Grundangaben zu den Kunstwerken. Diese Angaben sind vor einer Online-Stellung zwingend professionell redaktionell zu überarbeiten und zu ergänzen.

Der Bestand der Sondersammlungen der Bibliothek, der Grafik, Fotografie, historische wertvolle Buchbestände, Mustersammlungen u. a. in zahlreichen Konvoluten enthält, ist bislang kaum digitalisiert und muss komplett neu erfasst werden.

Der Bestand an Abbildungen/Scans der Objekte des gesamten Sammlungsbestandes beträgt derzeit ca. 20 000 Fotos/Scans. Damit sind bislang nur etwa 12 % des Bestandes mit einer Abbildung versehen.

Die digitale Erfassung sollte eine professionelle Erfassung der Grundangaben am Originalobjekt im Abgleich mit den historisch analogen Inventarverzeichnisse (Künstler, Material, Maße, Signaturen, Zustand, Provenienz, Standort usw.), eine Verschlagwortung sowie die Anfertigung von Fotos/Scans umfassen. Die Angaben einschließlich der Abbildungen sind in die Museumsdatenbanken einzupflegen.

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