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In Lindenthal ist lärmmäßig alles bestens und in der Fluglärmkommission bemüht man sich ja

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    Für FreikäuferOb sich Leipzigs Verwaltung mit der Antwort auf die Einwohneranfrage von Lars Kirchhoff besonders beliebt macht, ist wohl zu bezweifeln. Der hatte sich mit der Frage an die Stadt gewandt, ob man dort um die extremen Lärmbelastungen im Leipziger Nordwesten überhaupt wüsste und was man zu tun gedenke, das zu ändern.

    Er hatte dabei auch auf den jüngsten Ortsteilkatalog der Stadt verwiesen, der auch das Lärmempfinden der jeweiligen Einwohner der Stadt- und Ortsteile zeigt. Im Nordwesten sah es danach so aus: „Laut aktuellem Ortsteilkatalog (Quelle: Kommunale Bürgerumfrage 2015), Rubrik ‚Gefühlte Lärmbelastung in der Wohnumgebung‘, fühlen sich 43 % der Einwohner von Lützschena-Stahmeln sehr stark und 18 % stark vom Fluglärm belastet.“

    Gerade hier stellt man die Bemühungen des Flughafens infrage, eine Minderung der Lärmbelastung für die Anwohner ernsthaft zu versuchen. Der Ortsteilkatalog 2016 hat die ungleiche Verteilung der Lärmbelastung übrigens zum ersten Mal so detailliert sichtbar gemacht.

    „Das ist im Vergleich zur durchschnittlichen Lärmbelastung der Leipziger ein extremer Wert. So fühlen sich die Leipziger vom KFZ- Lärm 9 % sehr stark und 14 % stark belastet. Bei der Lärmbelastung durch die Straßenbahn sind dies 6 % sehr stark und 8 % stark“, so Kirchhoff.

    Aber wie steht die Stadt dazu?

    „Nicht nur die Ergebnisse der Kommunalen Bürgerumfrage 2015 sondern auch die Stadtratsanfragen zu Fluglärmthemen sowie die zahlreichen Beiträge im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Lärmaktionsplan zeigen der Stadtverwaltung auf, dass die Bürgerinnen und Bürger im Norden und Nordwesten von Leipzig sich durch Fluglärm belästigt fühlen“, heißt es nun als Antwort. Eine Antwort, die eindeutig jemand formuliert hat, der nicht im betroffenen Gebiet wohnt, sonst hätte er das verharmlosende Wort „belästigt“ nicht verwendet.

    Aber dass man das Problem gern ganz amtlich aus der Welt geschafft hätte, wird in der Folge noch deutlicher. Denn: „Allerdings besitzt die Stadt Leipzig auf dem Gebiet des Luftverkehrsrechtes keine Zuständigkeiten. Folglich kann die Stadt Leipzig direkt keine Entscheidungen bezüglich des boden- und luftseitigen Betriebs des Flughafens Leipzig/Halle treffen und somit auch nur Maßnahmenvorschläge zur Lärmreduzierung an die zuständigen Stellen weitergeben. Über die Mitarbeit in der Fluglärmkommission für den Flughafen Leipzig/Halle bringt die Stadt Leipzig regelmäßig ihre Maßnahmenvorschläge zur Fluglärmreduzierung ein und beantragt Überprüfungsmessungen in besonders betroffenen Gebieten.“

    Nur werden die meisten Anträge dort abgebügelt. Immer wieder erlebt mit der „kurzen Südabkurvung“ und der „Gleichverteilung der Starts und Landungen auf beide Startbahnen.“

    Die Messungen gibt es nach Auskunft der Stadt freilich.

    „So wird seit dem Jahr 2016 auf Initiative der Stadt Leipzig etappenweise in verschiedenen Leipziger Ortsteilen die tatsächliche aktuelle Fluglärmbelastung gemessen und die Einhaltung des Schutzniveaus nach Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der südlichen Start- und Landebahn überprüft. Die Messungen erfolgen mit einer mobilen Messstation der Flughafen Leipzig/Halle GmbH. Von August 2016 bis Dezember 2016 befand sich eine Messstation im Leipziger Ortsteil Lindenthal. Die Auswertung der Messungen hat ergeben, dass das erforderliche Schutzniveau nach Planfeststellungsbeschluss in diesem Ortsteil gegeben ist. Die Ergebnisse der Überprüfungsmessung im Herbst/Winter 2016/2017 in Lützschena-Stahmeln stehen aktuell noch aus. Gegen Ende des Jahres 2017 ist eine Fluglärmmessung im Ortsteil Böhlitz-Ehrenberg vorgesehen.“

    Die Lindenthaler freilich hatten in der „Bürgerumfrage 2015“ eine ähnlich hohe Fluglärmbelastung gemeldet wie die Bewohner von Lützschena Stahmeln. Sie wurden auch nicht nach Lärmbelästigung gefragt, sondern nach Lärmbelastung. Und 29 Prozent der Befragten fühlten sich sehr stark belastet, weitere 28 Prozent stark. Eine mittlere Belastung meldeten übrigens weitere 23 Prozent. So dass eigentlich nur 20 Prozent übrig bleiben, die so günstig wohnen, dass sie durch die (meist nächtlichen) Flugbewegungen nur schwach belastet waren.

    Aber ihre Zweifel an den Fluglärmmessungen des Flughafens haben ja die Lärmbetroffenen auch schon mehrfach geäußert. Unabhängige Messungen ergaben gerade in den Flugschneisen Lärmspitzen in kurzen Intervallen, die gerade nachts immer wieder den Wert von 75 oder 80 Dezibel überschritten. Es sind diese Lärmspitzen, die die Menschen aus dem Schlaf reißen. Und gerade in den frühen Morgenstunden, wenn die beladenen Frachtflieger in Serie starten, bedeutet das eine Zerschneidung der Nachtruhe, die nicht mehr zu kompensieren ist.

    Logisch, dass Kirchhoff noch etwas konkreter wissen wollte: „Mit welchen Maßnahmen will die Stadtverwaltung diese extreme Lärmbelastung verringern?“

    „Um die Fluglärmbelastung im Ortsteil Lützschena-Stahmeln zu reduzieren, wird sich die Stadt Leipzig in der Fluglärmkommission für den Flughafen Leipzig/Halle weiterhin für folgende Maßnahmen einsetzen“, verspricht nun Leipzigs Verwaltung.

    Und das ist jetzt die Liste der Wünsche, die man gern erfüllt haben möchte:

    – Luftfahrzeuge mit geplantem Abflug nach Norden sollen bei Ostbetrieb von der nördlichen Startbahn starten
    – Verlegung von Starts der Flugzeugtypen AN-22 und AN-124 in den Tagzeitraum
    – keine Triebwerksprobeläufe außerhalb der Halle im Nachtzeitraum
    – Austausch von besonders lauten Flugzeugtypen gegen leisere Flugzeugtypen

    Die Antwort der Verwaltung.

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