Höchste Zeit, besser zu kommunizieren: Grüne und SPD beantragen Kommunikationskonzept für den Auwald

Für alle LeserWas im Leipziger Auenwald passiert, ist komplex, fast nicht überschaubar, weil sich die Probleme des Auenwaldes sämtlich überlagern – zu wenig Wasser an der einen Stelle, zu viel Wasser an anderer, Eschentriebsterben, forstwirtschaftliche Fehler aus der Vergangenheit ... Wie erklärt man das alles Bürgern und Stadträten, fragen jetzt die Grünen und die SPD. Denn auf fünf Tafeln im Wald passt das einfach nicht drauf, damit es die Waldspaziergänger auch verstehen können.

Das war ja schon 2016 Thema, als die massiven Baumfällungen – damals an der Hans-Driesch-Straße – für ratlose Diskussionen sorgten, die einfach nicht einzufangen waren. Damals schlug die Grünen-Fraktion vor, im Auenwald Informationstafeln aufzustellen, die das den Waldbesuchern erklären sollten. Dem folgte ein Antrag, den die Verwaltung auch gut fand. Die Tafeln wurden dann im Sommer 2018 auch aufgestellt – fünf Stück davon in der Nonne.

Aber sie ließen die Spaziergänger eher ratlos zurück. Was die Tafeln zeigten und was die beiden großen neuen Femellöcher in der Nonne darboten, passte irgendwie nicht zueinander. Das alte Problem war also nicht gelöst. Das zuständige Amt für Stadtgrün und Gewässer muss lernen, anders und besser zu kommunizieren, stellt jetzt die Grünen-Fraktion fest.

Denn seit die Diskussion um den neuen Forstwirtschaftsplan 2019/2020 öffentlich entbrannt ist, wird auch in den Ausschüssen des Stadtrats intensiver diskutiert. Der Verweis auf eine gute forstwirtschaftliche Praxis reicht nicht. Stadträte wie Bürger wollen wirklich wissen, wie die geplanten forstlichen Eingriffe begründet werden, welche Schäden sie beheben sollen und wie die nahe Zukunft des Auenwaldes tatsächlich aussieht.

Informationstafel in der Nonne. Foto: Ralf Julke

Informationstafel in der Nonne. Foto: Ralf Julke

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat deshalb einen Antrag zur Entwicklung eines Kommunikationskonzeptes für den Leipziger Auwald auf den Weg gebracht. Unter anderem wird darin gefordert, dass die Stadt jährlich zur Begleitung der Maßnahmen im Wald mindestens zwei Bürger/-innenversammlungen durchführen soll, in denen die Maßnahmen vorgestellt und Hinweise von Bürger/-innen aufgenommen und in die laufenden Planungen integriert werden.

„Die Diskussionen rund um den aktuellen Forstwirtschaftsplan zeigen, dass sehr viele Menschen Anteil an der Entwicklung des Waldes nehmen und ein berechtigtes Interesse auf Mitsprache und Information äußern. Deswegen ist eine umfassende und transparente Aufklärung über die Maßnahmen, deren Bedeutung und deren Grundlage grundsätzlich vonnöten“, erklärt dazu Jürgen Kasek, Stadtrat und umweltpolitischer Sprecher der Fraktion.

Mehr als 300 Anschreiben zum Forstwirtschaftsplan sind alleine bei der Grünen-Fraktion eingegangen.

„Das große Interesse der Bürger/-innen an der Entwicklung des Waldes und der Natur ist vor allen Dingen auch eine Chance für die Stadt und für den Schutz der Natur“, betont Jürgen Kasek.

„Gerade anhand der aktuellen Diskussion, in der auch Falschmeldungen verbreitet werden, ist deutlich geworden, dass die Informationen zum Wald umfassend aufbereitet und transparent zur Verfügung gestellt werden müssen, damit Bürger/-innen sich eine Meinung bilden können. Es ist daher nicht nachzuvollziehen, dass aktuelle Pläne wie die Forsteinrichtung oder die Darstellung der Pläne auf den offiziellen Internetseiten der Stadt nicht zu finden sind oder dass der aktuelle Plan erst der Presse vorgestellt wird und die Stadträt/-innen erst Tage später selbigen im Ratsinformationssystem zur Verfügung gestellt bekommen.“

Was ja im Klartext heißt: Das Amt für Stadtgrün und Gewässer muss auch im Themengebiet Auenwald kommunizieren lernen.

Ein ähnlicher Punkt taucht übrigens auch im SPD-Änderungsantrag zum Forstwirtschaftsplan auf: „Der Oberbürgermeister wirkt darauf hin, dass durch das Dezernat Umwelt,Ordnung und Sport künftig eine vorausschauenden Öffentlichkeitsarbeit bzgl. der Thematik des Waldumbaus durchgeführt wird.“

Und das Anliegen des Ökolöwen zur naturschutzfachlichen Begleitung hat die SPD-Fraktion ebenfalls übernommen: „Dem Forstwirtschaftsplan 2019 wird die Maßnahmenliste zur Herstellung der Schutzgebietsverträglichkeit angefügt, die bereits 2018 in Zusammenarbeit zwischen der Abteilung Stadtforsten und dem Umweltverband ,Ökolöwe‘ erarbeitet worden ist.“

Denn die Diskussionen entbrennen ja auch deshalb, weil viele der forstwirtschaftlichen Maßnahmen im FFH-Gebiet „Leipziger Auensystem“ geplant sind – so im Waldgebiet Die Nonne und in der Burgaue –, ohne dass erklärt wird, inwieweit damit die strengen Schutzauflagen des Gebiets eingehalten werden oder warum hier überhaupt forstliche Eingriffe passieren müssen.

Denn Eingriffe wie 2017 in der Nonne werden von sehr vielen Leipzigern gesehen, die natürlich wissen wollen, was da passiert und warum das so aussieht. Gerade vor dem Hintergrund, dass auch in der Nonne mehrere der streng geschützten Arten aus der FFH-Schutzgebietsverordnung nachgewiesen sind.

Femelschlag im Waldgebiet Die Nonne. Foto: Ralf Julke

Femelschlag im Waldgebiet Die Nonne. Foto: Ralf Julke

Aus Sicht der Grünen können in Bürgerversammlungen Hinweise der Bürger/-innen zudem gezielt berücksichtigt werden und so dem Auftrag der Natur dienen.

„Am Ende können von einem Kommunikationskonzept alle Seiten profitieren“, sagt Jürgen Kasek. „Vor allen Dingen, das vorrangige Ziel – der Schutz der Umwelt und natürlichen Lebensgrundlagen – bekommt damit auch in der öffentlichen Kommunikation einen angemessenen Stellenwert. Missverständnisse können vermieden, Hinweise gezielter berücksichtigt werden.“

Eine wichtige Scharnierfunktion bekommt dabei auch die inzwischen eingerichtete Stelle eines Auenwaldmanagers, die freilich auch eine Plattform braucht, um öffentlich alle relevanten Themen zum Auenwald kommunizieren zu können.

Der Forstwirtschaftsplan geht jetzt in den Stadtrat

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