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Linke beantragt: Leipzig soll sich jetzt als richtige „Wasserstoffstadt“ profilieren

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    So kommen die Zukunftsthemen langsam aber sicher in den politischen Gremien an. Am 3. September erst hatte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Christopher Zenker dazu geäußert, dass Leipzig zur Wasserstoff-Stadt werden muss. Am Montag, 7. September, meldete sich auch die Linksfraktion zu Wort. Sie hat auch gleich einen entsprechenden Stadtratsantrag gestellt: „Die Stadt Leipzig profiliert sich mithilfe von technologischen Schaufenstern und neuen Klimaschutztechnologien in den nächsten Jahren als ,Wasserstoffstadt‘.“

    Damit schwebt Leipzig ja nicht im luftleeren Raum. Im Rahmen des Kohleausstiegs wird der mitteldeutsche Raum zur Wasserstoff-Schwerpunktregion, weil hier schon viele Akteure und Strukturen existieren, die sich mit (grünem) Wasserstoff als Treibstoff und Energiespeicher beschäftigen.

    Die meisten Akteure sind inzwischen im HYPOS-Netzwerk zusammengeschlossen. Dort sind seit Kurzem ja auch die Stadtwerke Leipzig aktiv, die nach 2030 ihr neues Gaskraftwerk in der Bornaischen Straße gern mit Grünem Wasserstoff befeuern wollen.

    Denn der Klimawandel schreitet voran. Die Stadt Leipzig rief vor fast einem Jahr den Klimanotstand aus. Viele Dinge müssen sich auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und ökologischem Handeln ändern, nicht zuletzt durch die Energiewende, stellt die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat fest.

    „Wir setzen uns mit unserem Antrag dafür ein, dass Leipzig und sein Umland zum Leuchtturm für Klimaschutz und entsprechende Innovationen wird – als ,Wasserstoffstadt‘. Hier ist eine Vielzahl relevanter Unternehmen ansässig, deren Zusammenarbeit im Rahmen der Vernetzung von Energiewirtschaft und Industrie verbessert werden kann und muss“, betont Olga Naumov, Sprecherin für Wissenschaft und Digitales der Linksfraktion im Leipziger Stadtrat.

    „Die Bundesregierung hat im Juni 2020 mit der Nationalen Wasserstoffstrategie nun endlich den notwendigen Handlungsrahmen für eine Wasserstoffzukunft geschaffen.“

    Aber was kann die Stadt Leipzig da tun? Ist das nicht Sache der Unternehmen, die sich mit der Energiewende direkt beschäftigen?

    Für Olga Naumov ist das ein Thema, das sehr wohl die Stadt angeht: „Wir fordern, dass die Stadt Leipzig als Moderator eines Runden Tisches die Initiative ergreift und analog zum Nationalen Wasserstoffrat und der Leipziger Expertenkommission Digitale Stadt, lokale Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenführt. So sollen Leitprojekte zur Erzeugung und Verwendung von Grünem Wasserstoff in Industrie, Verkehr oder Gebäuden erarbeitet und Fördermittel akquiriert werden.“

    Denn die Anwendung von Wasserstoff – etwa zur Wärmegewinnung – ist noch nicht Bestandteil städtischen Handelns. Da ging es bislang eher um (Bürger-)Solaranlagen, Wärmedämmung und den energetischen Wandel bei den Stadtwerken.

    Aber wie bekommt man auch die großen Unternehmen im Stadtgebiet dazu, ihre Energiebasis komplett umweltfreundlich umzustellen? Die Stadt, so Olga Naumov, könnte hier so eine Art Moderator werden: „Den Runden Tisch Wasserstoffstadt verstehen wir dabei als Initialzündung für die Entwicklung, Konzeption und Umsetzung von Wasserstofflösungen im industriellen Maßstab. Leipzig hat die Chance, gerade in diesem Bereich zur Modellregion für den Strukturwandel im Mitteldeutschen Braunkohlerevier zu werden.

    Technologien zur Erzeugung, Nutzung und Speicherung von Wasserstoff ermöglichen die Entwicklung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen hier vor Ort. Ebenso spielt Digitalisierung bei der intelligenten Vernetzung der Energieinfrastrukturen eine Schlüsselrolle, hier sind insbesondere die regionalen Unternehmen aus dem IT-Sektor gefragt.“

    Was dann auch wieder Baustein eines neuen Images für die Zukunft werden könne, so Naumov: „Die Stadt Leipzig kann sich bei voller Nutzung ihrer Potenziale in Wirtschaft und Wissenschaft zu einem nachhaltigen und grünen Wirtschaftsstandort entwickeln.“

    Was übrigens auch die CO2-Emissionen deutlich senken würde, die bislang auch in Wirtschaft und Wärmeversorgung der Haushalte anfallen. Womit wir beim Thema Klimaschutzkommune sind, ein Titel, den Leipzig auch nach eigener Einschätzung nicht wirklich ausfüllt. Die selbst gesteckten Klimaschutzziele für 2020 werden meilenweit verfehlt, weil bislang wirklich wichtige Weichenstellungen ausgeblieben sind – im Verkehr genauso wie in der Wärmeversorgung.

    Erst ab 2023 wird sich der Kohleausstieg Leipzigs bemerkbar machen in der Bilanz, während im Verkehr einfach noch kein wesentlicher Rückgang der Emissionen ablesbar ist. Aber nur große Veränderungen in der Nutzung Erneuerbarer Energien werden die Bilanz tatsächlich zukunftsfähig machen. Und in einigen Bereichen wird Wasserstoff dabei eine zentrale Rolle spielen müssen.

    Am Dienstag treten die Leipziger Stadtwerke dem HYPOS-Netzwerk bei

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    1 KOMMENTAR

    1. Der vor dem Leipziger Boom begründete Ruf einer lebenswerten und vielfältigen Stadt wurde längst schon durch die einseitige wirtschaftliche Ausrichtung beschädigt. Leipzig läuft Gefahr, in einer Zeit, in der sich weltweit Städte um mehr Lebensqualität bemühen, zu einer dieser austauschbaren, von Verkehr und Wohnungsnot gequälten Wirtschaftsmetropolen zu entwickeln. Davon gibt es im Westen schon genug und Berlin, das lange den Arm-und-Sexy-Sonderweg zu gehen schien, geht Leipzig mit schlechtem Beispiel voran. Leipzig täte gut daran, sich dieser Entwicklung zu widersetzen. Allgemein wird Mittelstädten wie Leipzig eine gute Perspektive vorausgesagt. Das gilt aber nur, wenn die Vorteile einer eher kleinen Großstadt erhalten bleiben. Da heißt es – neben den technologischen Schaufenstern – vor allem an Lebensqualität zu denken. Die erhofften hochqualifizierten Arbeitskräfte werden diese erwarten…

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