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Diskussion um taktische Wahl im Leipziger Süden

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    Im Leipziger Süden werben Unbekannte zur Bundestagswahl mit Flugblättern für den Linken-Kandidaten Sören Pellmann – vorgeblich, um damit einen Sieg der CDU-Bewerberin Jessica Heller zu verhindern. Die Linkspartei spricht von „einleuchtenden Argumentationen“. Die Bewerberinnen von Grünen und SPD weisen die Behauptungen auf den Flyern zurück.

    Die kleinen Zettel, die vergangene Woche in Briefkästen im Leipziger Süden geworfen wurden, tragen eine harmlose Überschrift: „Informationen zur Bundestagswahl am 26.09.21“. Doch der Inhalt bietet Diskussionsstoff. Die unbekannten Urheber oder Urheberinnen rufen zu einer taktischen Wahl im südlichen Bundestagswahlkreis Leipzig II auf. Die Wählerinnen und Wähler sollen erneut Linken-Politiker Sören Pellmann wählen, um „die CDU abermals zu verhindern“.Pellmann, Inhaber des Bundestagsmandats im Wahlkreis 153, läge angeblich in allen Umfragen vorn. „Verschenken Sie Ihre Stimme daher nicht, indem Sie chancenlose Kandidierende wählen“, heißt es auf den Flugblättern.

    Piechotta: „Leute für dumm verkaufen“

    Angesprochen sind damit insbesondere die beiden Kandidatinnen von Grünen und SPD, Paula Piechotta und Nadja Sthamer. Dass ihre Wählerinnen und Wähler derart abspenstig gemacht werden sollen, verärgert die beiden Frauen erwartungsgemäß.

    Grünen-Kandidatin Piechotta schrieb bei Twitter zu den Flyern: „Wer den Leuten weismachen will, dass sich seit 2017 im Leipziger Südwahlkreis nix geändert hätte und die CDU hier angesichts ihres katastrophalen Bundestrends irgendeine Chance hätte, der will die Leute für dumm verkaufen.“

    SPD-Bewerberin Nadja Sthamer geht auf LZ-Anfrage zum Gegenangriff über: „Wir sind jetzt in der heißen Wahlkampfphase, offenbar liegen bei einigen die Nerven ob des starken SPD-Programms, des Spitzenkandidaten sowie den Umfragewerten etwas blank.“

    Den angeblichen Vorsprung Pellmanns in den Umfragen bezweifelt Sthamer. Ihr seien keine seriösen Umfragen oder Institute bekannt, welche eine solche Behauptung untermauern würden. Es sei „noch alles offen in dieser Wahl“.

    Keine Umfragen auf Wahlkreisebene

    Tatsächlich existieren auf Wahlkreisebene keine Umfragewerte zur Bundestagswahl. Der Anbieter Wahlkreisprognose gibt zwar an, die Ergebnisse in Wahlkreisen vorhersagen zu können. Diese beruhen aber zum Großteil nicht auf Umfragen vor Ort, sondern auf einem Algorithmus, wie erst vergangene Woche „Die Zeit“ berichtete.

    Öffentlich zugänglich sind die genauen Prognosen überdies nicht, sondern nur gegen Geld verfügbar.  Momentan weist Wahlkreisprognose Leipzig II als „too close to call“ aus mit leichter Tendenz zu Pellmann.

    Linke: „Zugespitzte Lage“

    Den Mangel an belastbaren Zahlen räumt auch die Linke auf Anfrage ein. Es lägen „keine Umfragen für die genannten Aussagen vor“. Ansonsten aber findet die Partei die Flyer „weder falsch noch ungerechtfertigt“, auch wenn man selbst nicht Urheber sei, wie Sprecher Kay Kamieth erklärt.

    Inhaltlich enthalte der fragliche Flyer „einleuchtende Argumentationen“. Der Linken-Sprecher sieht darin eine Reaktion auf den Wahlkampf, der sich auf „Koalitionsspielchen“ verlagert habe. „Wir sehen darin eine Spontanreaktion in einer zunehmend zugespitzten Lage.“

    Als zugespitzt könnte man auch das Ergebnis bezeichnen, das sich bei der vergangenen Bundestagswahl bei den Erststimmen im Wahlkreis ergab. Pellmann gewann den Wahlkreis nur mit hauchdünnem Vorsprung von 0,7 Prozentpunkten gegen CDU-Kandidat Thomas Feist. 25,3 zu 24,6 Prozent hieß es am Ende.

    Weitere vier Jahre zuvor ging der Wahlkreis noch mit mehr als zehn Prozentpunkten Vorsprung an die CDU, weil SPD und Linke fast gleichauf waren.

    Lässt sich daraus etwas für die Wahl am 26. September ableiten? Sollte eine Wahl von solchen taktischen Erwägungen bestimmt werden? Kommentatoren bei Twitter sahen in dem Aufruf eine „Schwarze-Socken-Kampagne“ und „schmutzigen Wahlkampf“.

    Am 26. September müssen die Wählerinnen und Wähler für sich selbst entscheiden.

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