Die kommende Bundestagswahl dürfte spannend werden – auch in den beiden Leipziger Wahlkreisen. Etwas mehr als zwei Monate vor der Wahl hat sich die Leipziger Zeitung mit Kandidat/-innen aus dem nördlichen Wahlkreis 152 zum Gespräch getroffen. Im zweiten Teil des Interviews mit Jens Lehmann spricht der CDU-Kandidat über seine ersten vier Jahre im Bundestag, die Arbeit als Stadtrat und den Umgang mit wütenden Bürger/-innen.

Was waren denn – im Gegensatz zum Einstieg und Abschied – spektakuläre Momente in diesen vier Jahren?

Die ganzen vier Jahre waren ja mehr oder weniger spektakulär. Jens Spahn hat mal zu mir gesagt: Das, was du in einem Jahr alles erlebt hast, habe ich in zehn Jahren nicht erlebt. Gefühlt ist ja kein einziger Tag normal gelaufen. Das begann schon mit den gescheiterten Koalitionsverhandlungen.Für mich war es dann ganz wichtig, in den Verteidigungsausschuss zu kommen. Das Thema ist auch für Sachsen als Standort wichtig. Da geht es nicht nur um die Soldaten, die hier sind, sondern auch um die Industrie. Es war schon wichtig, dass die Cyberagentur nach Leipzig kommt und nicht nach München. Wenn man mit dem Innenminister, dem Verteidigungsminister und den beiden Ministerpräsidenten auf dem Podium steht und das verkünden darf, dann ist das nicht alltäglich.

Auch die Reisen sind mir in Erinnerung geblieben. Ich war in Afghanistan und im Irak. Es ist wichtig, dass man sich da nicht wegduckt. Wenn man dafür stimmt, die Bundeswehr dahinzuschicken, dann sollte man auch mal schauen, was sie dort macht.

Gab es auch Tiefschläge?

Prägend war für mich, als 2018 die Bundestagssitzung unterbrochen wurde, weil sich CDU und CSU in der Asylpolitik gestritten haben, und die Fraktion kurz vor der Auflösung stand. Da stand ich mit Angela Merkel im Fahrstuhl und niemand wusste so richtig, was am Ende rauskommt. Die Fraktionswahl war auch ein Erlebnis.

Volker Kauder war schon so lange Fraktionsvorsitzender, dass man sich kaum erinnern konnte, dass es früher mal einen anderen gab. Ich hatte damals Ralph Brinkhaus angerufen und ihm gesagt, dass ich ihn unterstützten werde. Da meinte er: Wenn dir deine politische Karriere lieb ist, dann lass es lieber. Es war ja nicht abzusehen, dass er gewinnen wird.

Es gab viele Ereignisse, die man in der Kürze der Zeit gar nicht fassen kann. Wenn ich manchmal durch meine Bilder auf dem Handy scrolle, wundere ich mich, was da die ganze Woche so los war. Es ist aber nicht nur Spaß, sondern auch harte Arbeit.

Die Arbeit auf lokaler Ebene kommt noch dazu.

Den Stadtrat gibt es auch noch. Da sind jetzt wieder Präsenzsitzungen, was schön ist, weil man die Leute mal wieder live sehen kann. Hier hat man dann andere Aufgaben, zum Beispiel den Kohlrabizirkus oder die Schwimmhalle auf dem Otto-Runki-Platz. So etwas mache ich tatsächlich auch gerne.

2017 haben die Leute in meinem Wahlkreis gefragt: Was sollen wir mit dir im Bundestag? Engelsdorf braucht eine Sporthalle und eine zweite Grundschule. Davon, was du im Bundestag machst, haben wir dann nichts. Deshalb bin ich gerne Stadtrat. Da spürt man auch die unmittelbaren Auswirkungen.

Welchen Kontakt pflegen Sie denn generell zu den Bürger/-innen und Wähler/-innen?

Ich gehe gerne auf Menschen zu oder telefoniere mit Ihnen. Bei Corona war das nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. Da frage ich manchmal die Leute, die sich da melden, wie sie sich das eigentlich vorstellen: Ob sie denken, dass Merkel im Kanzleramt sitzt und darüber nachdenkt, wie sie die Menschen bestrafen kann?

Manche sind überrascht, dass ich mich überhaupt zurückmelde – ohne eine Standardantwort zu verwenden. Manchmal beschweren sich die Leute über die wildesten Dinge, zum Beispiel, dass der Hund vom Nachbar zu laut bellt. Das haben wir dann auch irgendwie hinbekommen.

Den ersten Teil des Interviews können Sie hier nachlesen.

Auf dieser Seite sammeln wir alle Interviews mit den Kandidat/-innen.

In der kommenden Print-Ausgabe der Leipziger Zeitung (LZ) (erhältlich ab Freitag, dem 30. Juli) finden Sie einen Schwerpunkt zur Bundestagswahl.

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