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SPD-Bundestagskandidat Holger Mann im Interview (1): „Wir sind durch eine schwere Zeit gegangen“

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    Die kommende Bundestagswahl dürfte spannend werden – auch in den beiden Leipziger Wahlkreisen. Etwas mehr als zwei Monate vor der Wahl hat sich die Leipziger Zeitung (LZ) mit Kandidat/-innen aus dem nördlichen Wahlkreis 152 zum Gespräch getroffen. Im ersten Teil des Interviews mit Holger Mann spricht der SPD-Kandidat über Kritik aus den eigenen Reihen, Olaf Scholz und einen schwierigen Wahlkampf für seine Partei.

    Herr Mann, sind Sie – politisch betrachtet – ein Leichtmatrose?

    Ich glaube nicht. Ich glaube auch, dass die Bezeichnung aus Ärger über eine Niederlage entstanden ist. Parteiinterne Diskussionen kommentiere ich in der Regel nicht nach außen.

    [Anm. d. Red.: SPD-Stadtrat Andreas Geisler bezeichnete Holger Mann als „Leichtmatrose“, nachdem dieser sich bei der Wahl um die Direktkandidatur in Wahlkreis 152 durchgesetzt hatte]

    Andreas Geisler kritisierte damals konkret, dass es in der SPD zu wenig Personen mit Berufserfahrung außerhalb des engeren politischen Betriebs gebe. Ist diese Kritik für Sie grundsätzlich nachvollziehbar?

    Ich kann das grundsätzlich nachvollziehen, aber ich glaube, es trifft auf mich nicht zu. Ich habe bislang in mindestens drei Jobs mehr gearbeitet als er und Erfahrungen in verschiedenen Bereichen gesammelt. Ich war Geschäftsführer einer kleinen Entwicklungsgesellschaft, Referent im Bundestag, habe Jugendmedienprojekte betreut und auch während meines Studiums schon gearbeitet.

    Unterm Strich würde ich sagen, dass ich vom Leben schon einiges gesehen habe – auch in Bereichen, die ein Bäckermeister wohl noch nicht gesehen hat.

    Und wenn man es nicht nur auf Sie, sondern auf die gesamte Partei bezieht – ist es dann ein Problem?

    Das wird immer unterstellt. Unterschiedliche Generationen haben einen unterschiedlichen Blick. Es gibt ja auch die alte Klage, dass die SPD keine Arbeiterpartei mehr sei. Aber dazu gehört die Frage: Wer zählt sich denn heute noch ganz klassisch zur Arbeiterschaft?

    Das hat sich massiv gewandelt. Viele, die früher Arbeiter waren, sind heute Selbständige.

    Andreas Geisler sagte auch, dass Olaf Scholz ein „toller Kapitän“ sei. Sehen Sie das auch so?

    Ja. Wer so lange in einer Spitzenposition in der Politik ist, kann seinen Job und hat die Fähigkeit, Menschen für seine Projekte zu begeistern. Was andere vielleicht nicht von außen sehen: Auf Parteitagen ist er häufig die Person, die das Thema Antragskommission beherrscht.

    Da geht es um tausend Seiten, die man sortieren muss, und zahlreiche Interessen, die man miteinander abwägen muss – das ist schon eine Fähigkeit. Ich weiß auch, dass er ein sehr sympathischer Typ ist. Er ist bei allem Selbstbewusstsein, das man in solchen Positionen nach außen tragen muss, bodenständig geblieben.

    Sie argumentieren vor allem mit seinen Erfolgen und seiner Erfahrung, weniger mit seinen Inhalten. Als bekannt wurde, dass Scholz Kanzlerkandidat werden soll, kommentierten Sie auf Facebook: „Er mag nicht jedermanns Herz erwärmen.“

    Wenn man weiß, dass Ihr Bürgerbüro „Jedermanns“ heißt, könnte man zwischen den Zeilen lesen, dass das auch für Sie gilt.

    Da interpretieren Sie zu viel hinein. Das war eher auf sein Naturell bezogen. Er ist halt ein Norddeutscher und mit ihm wird man wohl keinen Karneval feiern. Viele sagen, er sei gefühlskalt, aber ich habe ihn anders erlebt.

    Wir hatten auch schon Parteivorsitzende, die extrovertierter waren – auch das hat nicht alle glücklich gemacht.

    Vor allem die Jusos haben Olaf Scholz kritisiert. Stellen wir uns vor, einer von den Jusos sagt mir beim Straßenwahlkampf, dass Scholz der perfekte Kandidat sei. Wie soll ich ihm das abkaufen?

    Ich habe ja manchmal Diskussionen mit den Jusos. Da habe ich mal darauf hingewiesen, wer jahrelang stellvertretender Juso-Bundesvorsitzender war. Olaf Scholz hat in seiner Jugend mehr Ideologie gelesen und vertreten als so mancher Juso heute. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, in jedem Wahlkreis zu sein, um sich der Diskussion zu stellen – das an sich ist ja schon mal eine Ansage. Das ist sehr nah an den Bürger/-innen und an der Parteibasis.Bei einer Bundestagswahl geht es auch nicht darum, dass das Personal an der Spitze jedem in der Partei gefällt. Es muss die Wählerinnen und Wähler begeistern und auch jene ansprechen, die das Parteiprogramm der SPD nicht auswendig gelernt haben. Olaf Scholz ist definitiv einer, den auch ich in die engere Wahl gezogen hätte.

    Als Sie sich für die Direktkandidatur in Ihrem Wahlkreis beworben haben, schrieben Sie, dass es kein einfacher Wahlkampf werde. Umfragen würden das nahelegen. Was genau meinten Sie damit?

    Ganz einfach: Im vergangenen Oktober waren wir in einigen Umfragen bei zwölf Prozent. Und wir sind durch eine schwere Zeit gegangen, die eine Partei nicht nur bei der Moral, sondern auch finanziell belastet. Die Grünen haben in den letzten Jahren zehn Millionen Euro Überschuss gemacht und wir waren froh, dass wir ungefähr bei Null lagen. Diese zehn Millionen werden wir im Wahlkampf im Straßenbild sehen. Und dann gibt es noch Parteien, deren Bundesminister bei Arbeitsessen Spendengelder einsammeln.

    Als Regierungspartei muss man sich außerdem dafür rechtfertigen, warum manche Dinge nicht umgesetzt wurden, zum Beispiel beim Transsexuellengesetz. Da kann man dann dreimal sagen, dass wir in einer Koalition sind und nicht die absolute Mehrheit haben – die Kritik kommt trotzdem.

    Der zweite Teil des Interviews erscheint am 30. Juli.

    Auf dieser Seite sammeln wir alle Interviews mit den Kandidat/-innen.

    In der kommenden Print-Ausgabe der Leipziger Zeitung (LZ) (erhältlich ab Freitag, dem 30. Juli) finden Sie einen Schwerpunkt zur Bundestagswahl.

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