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SPD wählt Bundestagskandidaten im Medienschatten

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    Bundestagswahl in pandemischen Zeiten ist nicht leicht. Das weiß nun auch die Leipziger SPD, während die Grünen noch immer durch den Reifen der Kandidatenkür springen müssen. Was tun bei (wieder) steigenden Inzidenzzahlen, ob überhaupt versammeln und wenn nicht, wie dann wählen, beschäftigte die Sozialdemokraten bis 20. März 2021. Dann war es die kalte Tribüne der Pferderennbahn, maskierte Debatten untereinander, aber auch endlich geschafft. Nadja Sthamer (74,9 Prozent) tritt in Leipzig Süd und Holger Mann (66,4 Prozent) im Norden der Stadt als Direktkandidat/-in an. Und ein bekanntes Parteimitglied warb für sich als „Nachtreter des Monats“.

    War bei der Leipziger Linken noch am 13. März 2021 trotz fünf verschiedener Locations, Hybridwahl mit dem entsprechenden Nervfaktor und nicht so rosiger Umfragewerte erstaunliche Harmonie und Kampfwille bei der Wahl von Nina Treu (Nord) und Sören Pellmann (Süd) aufgekommen, sah alles nach der Wahl der Leipziger SPD ähnlich klar aus. Oder wie Sören Pellmann (Linke) bei 80,6 Prozent am 13. März für seine Partei postulierte: Man freut sich bei Kandidaturen in demokratischen Parteien immer auch über eine sechs am Anfang der Prozente.Dass man bei der SPD um Aufmerksamkeit wird kämpfen müssen und sich dafür auch glaubhaft von der bald merkellosen CDU absetzen muss, weht längst durch die Partei. Und alle drei Leipziger SPD-Kandidat/-innen warben engagiert bis überehrgeizig für sich und die magische Mindest-Fünfzig bei den parteiinternen Prozenten.

    So erging es Bildungspolitiker Holger Mann mit 66,4 Prozent, dass er sich nach einem auf Bildung, Forschung und Digitalisierung abgestellten Auftritt am Ende über die sechs am Beginn der Zahl freuen konnte. Zumal er zuvor aufgrund der Kandidatur von Andreas Geisler (31,6 Prozent) mehr vorbereitete Fragen aus dem Lager des Gegenkandidaten beantworten durfte als Nadja Sthamer bei ihrer Kandidatur ohne Widerpart.

    Darunter die von Jens Katzek, ob Mann als „Frischling“ gut genug für die Spitzen-Kandidatur zur Bundestagswahl sei. Was der seit 12 Jahren im Landtag Sachsen für die SPD agierende Abgeordnete und Vorsitzende der Leipziger SPD schon fast amüsiert bejahen konnte (die Bewerbungsreden aller drei Kandidat/-innen, siehe Video am Ende).

    Der „Frischling“ und eine klare Ansage zum Wahlkampf. Video: LZ, Sabine Eicker

    Wie auch bei allen anderen Parteien außerhalb der jahrzehntelangen Direktmandats-Abonnenten Sachsen-CDU (bislang) gilt auch bei der SPD eine Direktkandidatur im eigenen Wahlkreis als klarer Fingerzeig auf einen vorderen Platz auf der absichernden Landesliste zur Bundestagswahl. Kann dann ein(e) Kandidat/-in den Wahlkreis nicht direkt gewinnen, bleibt die Hoffnung, dass der Einsatz über einen Landeslistenplatz dennoch mit einem Einzug in den Bundestag belohnt wird.

    Ein Umstand, der in der vergangenen Woche bei den Grünen zu einer merkwürdigen Umkehrung der Reihenfolge geführt hatte.

    Weiter ohne CDU und ein bekannter Medienschatten

    Doch letztlich blieben solche verbalen Tiefschläge Mangelware im Wahlprozedere der SPD Leipzig, nach den Wahlergebnissen gab es Jubel unter den anwesenden Sozialdemokraten auf der zugigen Tribüne und eine frühe Enttäuschung mit heftigen Nachwirkungen bei Andreas Geisler. Dieser war bereits nach der Bekanntgabe der ersten Wahlergebnisse zur Landesdelegiertenkonferenz der SPD Sachsen (welche dann die Landesliste wählen wird) verschwunden.

    Bereits hier hatte er gerade einmal 35 Stimmen aus rund 250 erhalten – ein böses Omen für die noch ausstehenden Wahlergebnisse zur Spitzenkandidatur in Leipzig. Was zu einem heftigen Nachtritt am 21. März 2021 via LVZ Online führte. Die Wähler Holger Manns und Nadja Sthamers nannte er „Claquere“, die beiden Kandidat/-innen Sthamer und Mann selbst „Leichtmatrosen“.

    Um sich dann noch über eine objektiv schon fast überkorrekte Versammlung seiner Partei unter den Argus-Augen des Gesundheitsamtes und des SPD-Stadtvorstandes zu beschweren.

    Die gesamte hybride Durchführung der Versammlung mittels Livestream und Open-Air-Location Pferderennbahn sieht Geisler im Nachgang aufgrund vorgeblich so hoher Inzidenzzahlen wie im Januar 2021 als eigentlich nicht durchführbar an. Dass die Inzidenzzahlen im Januar 2021 in Leipzig etwa doppelt so hoch waren, entging dem „Nachtreter des Monats“ wie auch der LVZ-Redaktion.

    Eine Alternative zu einer Open-Air-Variante mit Maskenpflicht auf dem gesamten Gelände ohne Essens- und Getränkeversorgung und Abständen beim Platznehmen – sogar das Betreten der Zwischengänge war untersagt – nannte Geisler nicht.

    Zitate, die dem verhinderten Bundestagskandidaten Geisler noch Debatten bis in die eigene Ratsfraktion einbringen dürften, da davon auszugehen ist, dass auch hier die Mehrheit der SPDler Mann und Sthamer ihr Vertrauen geschenkt haben und nun als „Claquere“ von zwei „Leichtmatrosen“ im Netz bei jener Zeitung stehen, die schon zum OBM-Wahlkampf 2020 einen Wunsch-Kandidaten einer anderen Partei zu haben schien.

    Klar wurde trotz dieser letztlich persönlichen Misstöne, dass sich am 20. März die Leipziger SPD auf die unterkühlten Socken machte, zu beenden, worin man sich schon nach der Bundestagswahl 2017 nur noch widerwillig geschickt hatte, als die FDP lieber nicht falsch regieren wollte. Vorbei die Zeiten der Opposition in der Regierung und den ständigen Erklärungen, woran man nun nicht schuld sei auf Bundesebene, so der Wunsch.

    Man will angreifen und es gern mal mit anderen Bündnissen versuchen. Nadja Sthamer wird mit ihren Themen Familie, Entwicklungspolitik und soziale Gerechtigkeit bei Mieten und weiterem in den kommenden Debattenrunden im Wahlkreis 153 (Süd) auf Sören Pellmann (Linke, MdB), Jessica Heller (CDU), Peter Jess(FDP) und wohl Paula Piechotta (Grüne) treffen, während Holger Mann im Norden (Wahlkreis 152) versuchen wird, ein besseres Ergebnis als Jens Lehmann (MdB, CDU), René Hobusch (FDP) oder Nina Treu (Linke) zu erhalten.

    Die Vereinbarung vor Ort: Keine Rennbahnmetaphern bitte. Foto: LZ
    Die Vereinbarung vor Ort: Keine Rennbahnmetaphern bitte. Foto: LZ

    Das Rennen in Leipzig ist nach CDU, FDP, AfD nun auch für die SPD eröffnet, die Jockeys sitzen im Sattel und der Startschuss ist gefallen. Bis zum 26. September 2021, 18 Uhr darf gewettet werden, danach ist Zieleinlauf ohne Angela Merkel.

    Der Autor zahlt, um im Bild zu bleiben, für die schlechten Rennbahnmetaphern nach Rücksprache mit dem Stadtvorstand der Leipziger SPD fünf Euro ins redaktionsinterne LZ-Phrasenschwein.

    Interview mit Nadja Sthamer nach der Nominierung

    Video: LZ, Michael Freitag

    Interview mit Holger Mann nach der Nominierung

    Video: LZ, Michael Freitag

    Impressionen und Reden vom SPD-Nominierungsparteitag

    Video: LZ, Sabine Eicker

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