Es sind nicht viele Bilder, die von den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2021 im Kopf bleiben, aber die Szene, in der die Fünfkämpferin Annika Schleu verzweifelt und unter Tränen auf das ihr zugeloste Pferd einschlug, das das Hindernis verweigerte, wird Folgen haben. Auch in Leipzig. Auch wenn der Stadtrat eine Vorlage zur Unterstützung der „Partner Pferd“ nicht ablehnte.

Aber Grünen-Stadtrat Norman Volger machte in seiner Rede zur Vorlage „Kooperationsvereinbarung zur Partner Pferd 2022 – Bestätigung der überplanmäßigen Aufwendung gem. § 79(1) SächsGemO“ deutlich, dass der Glanz des deutschen Springreitens nach diesen Bildern aus Tokio extrem gelitten hat und auch der Blick der Ratsversammlung auf das im Rahmen der Partner Pferd 2022 eingeworbene Weltcup-Finale aller vier Disziplinen (Springreiten, Fahren, Dressur, Voltigieren) der Fédération Equéstre Internationale (FEI) ist ein anderer als noch 2019, als sich Leipzig um dieses Weltcup-Finale bewarb.

„Die Veranstaltung soll im Zeitraum vom 6. April bis zum 10. April 2022 stattfinden. Der Veranstalter benötigt Planungssicherheit für die umfangreichen Vorbereitungen. Deshalb ist eine Beschlussfassung in der Ratsversammlung im März 2022 zwingend erforderlich“, hatte die Stadt ihre Vorlage begründet.

Was Volger überraschte, denn eigentlich sollten die beantragten 200.000 Euro ja schon vorhanden sein, da sie mit dem Doppelhaushalt 2021/2022 beschlossen wurden und mit der Gästetaxe auch eine entsprechende Deckungsquelle benannt war.

Warum jetzt trotzdem noch einmal 200.000 Euro beantragt wurden, erschließt sich aus der Vorlage nicht. Von Intransparenz sprach Volger in einer Rede, in der er insbesondere OBM Burkhard Jung daraufhin ansprach.

Etwas klarer wurde die Sache natürlich, als Sportbürgermeister Heiko Rosenthal darauf hinwies, dass die Gästetaxe zur Deckung ja gar nicht zur Verfügung steht. 2019, als die Messe sich um die 2,8 Millionen Euro teure Veranstaltung bewarb, war nicht absehbar, dass Leipzig aufgrund der Corona-Pandemie auch die Erhebung der Gästetaxe aussetzen würde.

Ganz zu schweigen davon, dass das OVG in Bautzen die Leipziger Gästetaxe inzwischen für nicht rechtskonform erklärt hat, weil ihre Berechnungsgrundlage nicht überzeugend ist.

Das ist auch so eine Sache der Transparenz, die in diesem Fall durchaus auch die Hoteliers und Touristen einfordern dürfen: Gehört die Förderung eines Weltcup-Springreitens eigentlich zur touristischen Grundversorgung? Wahrscheinlich eher nicht.

Aber schon die Tatsache, dass die Verwaltung das scheinbar so mühelos eingesammelte Geld aus der Gästetaxe auch zur Finanzierung eines Weltcup-Springreitens einsetzen möchte, erzählt eben auch davon, dass die Grundlage der Leipziger Gästetaxe nicht wirklich geklärt ist.

OBM Burkhard Jung betonte dann noch, dass ein Ausfall des Weltcups die Stadt noch viel teurer kommen würde, als wenn sie die insgesamt 400.000 Euro beisteuern würde, um das Ereignis im April abzusichern.

Aber Stadtrat Thomas Kumbernuß (Die PARTEI) brachte es dann in einem etwas satirischen Auftritt doch noch mal auf den Punkt, dass Ereignisse wie so ein Weltcup künftig auch unter dem Aspekt Tierwohl betrachtet werden müssen.

Sportbürgermeister Heiko Rosenthal gelobte Besserung, was die Transparenz der Finanzierung solcher Ereignisse durch die Stadt betrifft.

Und am Ende war es vor allem die Grünen-Fraktion, die – wie von Volger angekündigt – gegen die Vorlage stimmte. Die bekam mit 32:16 Stimmen bei einer Enthaltung trotzdem eine deutliche Mehrheit. Der Weltcup ist erst einmal gesichert, wenn auch der Freistaat bei seiner Förderzusage bleibt. Aber absehbar ist jetzt schon, dass solche Sportereignisse, in denen Tiere die „Stars“ sind, es künftig schwerer haben werden, in Leipzig wohlwollend betrachtet zu werden.

Die Debatte vom 15. März

Video: Livestream der Stadt Leipzig

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