Unser Müll. Unser aller Müll: Er wird immer mehr zum Problem. Dazu gehören auch die Alttextilien, die wir zu den Kleidercontainern schaffen. Manche mehr, manche weniger. Aber was wir da so an Kleidungsstücken hinschaffen, ist oft nicht einmal mehr wiederverwertbar. Stichwort: Fast Fashion. Von Billigheimer-Konzernen hergestellte Textilien, die nur eine Saison halten und dann die Kleiderberge in und an den Containern ins Gigantische wachsen lassen. In den letzten Jahren wurde das in Leipzig zu einem riesigen Problem.

Und dementsprechend kam es auch immer wieder zum Aufruf in der Ratsversammlung. So auch diesmal am 25. März. Da war es die CDU-Fraktion, die einen dicken Antrag geschrieben hatte, der die Stadt dazu animieren sollte, das Vermüllungsproblem rund um die Kleidercontainer in den Griff zu bekommen. Und vor allem – so CDU-Stadtrat Falk Dossin – die Betreiber der Container dazu zu bringen, den rund um die Container abgelegten Müll schneller zu beräumen.

Denn längst gibt es das Problem im ganzen Stadtgebiet. Nicht nur die Kleidersäcke, die nicht mehr in den Container passen, landen daneben. Einige unverfrorene Zeitgenossen nehmen die Ablegung auch zum Anlass, um so auch gleich ihren Sperrmüll und Hausrat zu entsorgen.

Und das ist nicht nur ein punktueller Eindruck. Auch das Mobilitäts- und Tiefbauamt bestätigt das Problem in seiner Stellungnahme zum CDU-Antrag.

Thomas Dienberg (Bündnis 90/Die Grünen), Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bau, im Leipziger Stadtrat am 25.03.2026. Foto: Jan Kaefer
Thomas Dienberg (Bündnis 90/Die Grünen), Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bau, im Leipziger Stadtrat am 25.03.2026. Foto: Jan Kaefer

„Der Alttextilmarkt befindet sich im Moment in einer kritischen Lage. Es gibt immer weniger Verwerter und Sammler. Die Erlöse für Alttextilien sinken, da die Textilqualität (z.B. durch Fast Fashion) sinkt. Immer weniger Betreiber sind bereit, in den Städten zu sammeln und zusätzliche Kosten für die Beseitigung artfremden Mülls auf sich zu nehmen. Betreiber, die bisher auf privaten Flächen gesammelt haben, haben sich in Leipzig zurückgezogen, was die Menge der an Standorten im öffentlichen Raum anfallenden Textilien erhöht.

Die Zahl der Bewerber für die Aufstellung von Alttextilcontainern ist von 24 Betreibern (ohne die Stadtreinigung Leipzig) in 2024 auf 5 Betreiber (ohne Stadtreinigung Leipzig) in 2025 gesunken“, stellt das Mobilitäts- und Tiefbauamt fest.

Fast Fashion hat eine ganze Branche zerstört

Eine klare Entwicklung. Vor wenigen Jahren noch kämpften die Betreiber um die Containerstandorte in den großen Städten. Aber mit dem Aufkommen von Fast Fashion ist aus dem lukrativen Geschäft ein Vorgang geworden, der kaum noch Rendite verspricht, aber viel Ärger. Denn die Betreiber sind per Vertrag auch verpflichtet, alle Ablagerungen rund um die Container binnen 48 Stunden zu entfernen.

„Das Problem der zunehmenden illegalen Ablagerungen an Alttextilcontainern wird gesehen und im Gespräch mit den Betreibern und der Stadtreinigung wird nach nachhaltigen Lösungsmöglichkeiten gesucht. Die Betreiber optimieren bereits ihre Arbeitsabläufe, haben aber wirtschaftliche und strukturelle Grenzen. Sie haben mit den Auflagen der Sondernutzungserlaubnis die Verpflichtung, Nebenablagerungen auch fremder Abfallfraktionen zu beseitigen.

Die Menge dieser Müllablagerungen (Sperrmüll, Restabfall, Elektrogeräte) hat sich nach Angabe der Betreiber im Laufe des Jahres verdreifacht. Zusätzlich erschwert Vandalismus (Aufbrechen und Anzünden der Container) die Sammeltätigkeit“, schreibt das Mobilitäts- und Tiefbauamt.

Schlechte Beispiele werden von einigen Leuten also einfach zum Anlass genommen, ihren Müll genauso rücksichtslos an den Containern abzuwerfen.

25 bis 30 Tonnen Müll jeden Monat

Und nicht alle Betreiber schaffen es, diese Müllberge schnellstmöglich wieder zu beseitigen. Und die es schaffen, werden geradezu zur Müllabfuhr gemacht, wie das MTA feststellte: „Nach den aktuell gemeldeten Zahlen von 3 Betreibern, die derzeit 8 Stadtbezirke bewirtschaften, beseitigen diese monatlich ca. 25–30 Tonnen Fremdstoffe (Sperrmüll, Restmüll, Elektrogeräte, Verpackung, Pappe usw.) an den Alttextilcontainerstandorten und entsorgen diese auf ihre Kosten. Nach Information der Betreiber fallen hier je nach Abfallfraktion ca. 235 Euro je Tonne an.“

Susanne Scheidereiter (Die Linke) im Leipziger Stadtrat am 25.03.2026. Foto: Jan Kaefer
Susanne Scheidereiter (Die Linke) im Leipziger Stadtrat am 25.03.2026. Foto: Jan Kaefer

Zwei Betreiber haben ganz offensichtlich Schwierigkeiten, dem Aufkommen an illegal entsorgtem Müll Herr zu werden. Ob man dem mit Sanktionen beikommt, wie sie die Sondergenehmigungssatzung für die Kleidercontainer hergibt, wollte SPD-Stadtrat Andreas Geisler wissen. Aber das gibt sie tatsächlich her, bestätigte Baubürgermeister Thomas Dienberg. Und auch was CDU-Stadtrat Falk Dossin in seiner Rede zum CDU-Antrag gefordert hatte, sei machbar und vertraglich gedeckt – also Verstöße gegen die Sondernutzung engmaschig zu prüfen und auch zu sanktionieren.

Nur das Grundproblem werde man nicht aus der Welt schaffen, so Dienberg: die unheimlichen Mengen an minderwertigen Textilien, die mittlerweile die Container verstopfen. Dieses Problem sprach Susanne Scheidereiter für die Linksfraktion an und verwies darauf, dass in Deutschland jährlich 1 Million Tonnen Altkleider anfielen, eine riesige Menge, die zu einem großen Teil in die Länder des globalen Südens verschifft wird und dort einerseits sofort auf riesigen Mülldeponien landet. Und wenn die Kleider dennoch weiterverwertet werden, zerstören sie dort die Existenzgrundlage von Näherinnen und Schneiderinnen.

Kleider wieder bewusster einkaufen

Die Linksfraktion thematisierte in ihrem Antrag (der dann im CDU-Antrag aufging) also den ressourcenschonenden Konsum und wünschte sich vom OBM, dass er mit dem Thema im Deutschen Städtetag aktiv werde. Denn unter den überquellenden Kleidercontainern leiden längst alle deutschen Städte.

Und in den Griff bekommt man das Ganze tatsächlich erst, wenn Fast Fashion wieder von unser aller Einkaufszettel verschwindet. Oder es einfach unattraktiv gemacht wird, jede Saison diese Billigware mit schlechter Qualität zu kaufen.

Die Grünen hatten ebenfalls noch einen Änderungsantrag eingebracht, in dem sie eine bessere Information der Öffentlichkeit zur Entsorgung des Sperrmülls forderten. Aber das alles hat die Stadt schon. Es ist nicht die Unkenntnis, die einige Zeitgenossen dazu bringt, ihren Müll einfach neben die Textilcontainer zu schmeißen. Da helfe wirklich nur zeitnahe Ahndung, sagte Dienberg.

Der Antrag der Grünen-Fraktion bekam dann mit 20:27 Stimmen bei 15 Enthaltungen auch nicht die nötige Mehrheit.

Während der CDU-Antrag im Grunde bestätigte, was die Stadt seit Februar schon intensiv praktiziert, sodass sich die Zahl der vermüllten Standorte von Kleidercontainern bereits spürbar verringert hat. Der CDU-Antrag konnte dann auch mit 33:0 Stimmen bei 39 Enthaltungen die erforderliche Mehrheit auf sich ziehen.

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