Manchmal geht es schneller als erwartet. Wir haben gerade noch bei der Vorstellung der Kandidaturen von Lars Kulesch und Alexander Türpe für die Oberbürgermeisterwahl über das Nachdenken von Dirk Thärichen über eine Kandidatur gelästert. Heute waren wir bei der Pressekonferenz zur offiziellen Ankündigung seiner Kandidatur.
Etwas Besonderes gibt es aber, beim Termin am 22. April hat sich zuerst der neu gegründete Verein „LEIPZIG JETZT e. V.“ vorgestellt. Der Verein wurde mit dem Ziel gegründet, die Zukunft Leipzigs aktiv mitzugestalten. Vereinsvorsitzender ist Peter Escher, ein umtriebiger Medienprofi im Unruhestand – ich hoffe er verzeiht mir die Bezeichnung. Prominente Mitglieder sind unter anderem Anja Herzog, zweite Vorsitzende und Gründerin Frauen Netzwerk Deutschland, Tobias Künzel von den Prinzen, Catherine Bader, die Paralympics Siegerin von 2000 und Trainerin im Behindertensport und Rico Reichel, ein Polizist der sich in der Gewalt-Prävention engagiert.
Selbstverständlich ist auch Dirk Thärichen Vereinsmitglied und der Verein unterstützt seine OBM-Kandidatur.
Was will der Verein?
Zu dem Thema äußerte sich Peter Escher, der ja Erfahrung aus seiner TV-Zeit über den Umgang mit den Beschwerden der Menschen mitbringt. Er will aber nicht die „Kummerkasten-Tante“ sein, sondern offen für die Vorschläge der Leipzigerinnen und Leipziger.

O-Ton aus der Vorstellung: „Und dann bin ich mir ganz sicher, es kann von den Menschen, die ja hier leben in dieser Stadt, so viel Input kommen, so viele Ideen, was noch zu machen wäre, dass wir also die Menschen hier unbedingt mit einbeziehen müssen. Für mich persönlich, ich würde in dem Verein „LEIPZIG JETZT“ mich um zwei Themen kümmern. Zum einen, wie gelingt ein gesundes, erfülltes, möglichst langes Leben für alle. Da würde ich gern mit der AOK oder Barmer gemeinsam die Leipzigerinnen und Leipziger ein bisschen rütteln, nach dem Motto: Der gute Hausarzt alleine oder die gute Krankenkasse alleine sind nicht schlecht, aber du hast für dich selber eine Eigenverantwortung. Damit du nicht vielleicht 90 wirst, aber ab dem 78. Lebensjahr irgendwo im Heim für teures Geld abgelegt an die Decke schaust.“
Die Vereinsmitglieder sollen ihre Kräfte bündeln, jede und jeder auf seinem Gebiet über Parteigrenzen hinweg.
„Die Aufgabe von „LEIPZIG JETZT“ ist es zu gucken, was gibt es an Vorschlägen und wie geht es mit Jung und Alt gemeinsam. Leipzig ist toll und es kann auch viel mehr, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt.“
So schloss er die Vorstellung des Vereins.
Dirk Thärichen hat den Verein auf jeden Fall auf seiner Seite.
Anja Herzog will ihre Erfahrungen aus dem Netzwerk einbringen und Catherine Bader will die Leipzigerinnen und Leipziger wieder so für ihre Stadt motivieren, wie 2003/2004 bei der Olympiabewerbung. Die beiden sagten noch mehr, in der Kürze der Zeit belassen wir es dabei. Rico Reichel und Tobias Künzel waren aus Termingründen nicht anwesend, Peter Escher verlas aber ein Statement des Prinzen.
Wir hatten da eine Frage
Diese Frage zum Verein „LEIPZIG JETZT“ haben wir am Ende Peter Escher gestellt. Ein neu gegründeter Verein, der gleich einen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl aufstellt, das klingt irgendwie danach, dass der Verein in Wirklichkeit nur diesen einen Zweck hat.
Herr Escher, jetzt hat der Verein sich gegründet. Der Verein unterstützt Dirk Thärichen bei seiner Oberbürgermeisterkandidatur, was natürlich die Frage zulässt: Sollte Herr Thärichen nicht Oberbürgermeister werden, gibt es den Verein dann weiter, macht der weiter oder hört er dann auf zu existieren?
„LEIPZIG JETZT“ ist gegründet worden, gerade jetzt erst und wenn sich im Februar 2027 herausstellt, es ist ein anderer Oberbürgermeister geworden, dann gibt es den Verein weiter. Es gibt noch so viel Wichtiges zu tun in dieser Stadt. Das wäre ja eine ganz schlechte Botschaft, wenn der den wir unterstützen, es nicht schafft, dann schmeißen wir die Brocken hin. Nein, so ist es nicht, wir wollen existieren und wir wollen für die Stadt was bewegen. Wir wollen die Stadtoberhäupter einfach auch motivieren, und zwar mit dem, was die Leipziger sich wünschen und was die Leipziger vorschlagen, dass nicht alles nur aus dem Rathaus kommt, sondern auch die Bürger, die Jungen, die Alten, wie auch immer, die Unternehmer und die Normalen, dass die sich einbringen, das ist unser Anliegen. Und das auch über die Oberbürgermeisterwahl am nächsten Jahr hinaus.
Ich bedanke mich.
Der Verein soll also nicht nur ein Kandidatenverein sein, er soll egal wie die Wahl ausgeht weiter arbeiten. Das klingt schon mal gut.
Was sagt Dirk Thärichen?
Bei seiner Vorstellung bestätigte er selbstverständlich zuerst seinen Willen zur Kandidatur. Er sagte zur Kandidatur: „Ich bin parteilos und trete auch ganz bewusst als überparteilicher Kandidat an, weil meines Erachtens Leipzig keine parteipolitischen Grenzen braucht, sondern eine Führung, die sich ausschließlich der Stadt verpflichtet fühlt.“

Sein Wahlprogramm will er im Herbst vorstellen und hofft bis dahin auf rege Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Leipzigs. „Natürlich gibt es gewisse Zielstellungen, die ich habe. Und ich möchte aber extra alle Leipzigerinnen und Leipziger einladen, an diesem Diskurs, an dieser Findung der Prioritäten für mein Wahlprogramm und natürlich auch für die Entwicklung der Stadt teilzuhaben.“
Konkrete Pläne stellt Dirk Thärichen nicht vor, betont aber die Wichtigkeit der Wirtschaft. „Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Wirtschaft wieder wachsen muss. Und das ist kein Selbstzweck, weil nur eine stabile Wirtschaft sichert Arbeitsplätze, schafft Handlungsspielräume und ist die Grundlage für einen soliden städtischen Haushalt, den wir im Moment nicht haben.“
Es ist hier nur eine kurze Zusammenfassung möglich, der Verein und Dirk Thärichen werden sich in den nächsten Monaten gewiss noch mehrfach öffentlich äußern. Die Webseite, die heute früh noch ein Standbild zeigte, ist zumindest schon zugänglich.
Wir haben im Anschluss an die Veranstaltung noch ein Interview mit Dirk Thärichen geführt, mehr dazu in Kürze.
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