Fast zwei Jahre nach einer Auseinandersetzung auf der Leipziger Eisenbahnstraße verurteilte das Landgericht einen heute 61 Jahre alten Mann am Mittwoch zu fünf Jahren hinter Gittern: Die Kammer sah es nach mehr als einjähriger Verhandlung als erwiesen an, dass sich Fikret A. des versuchten Mordes sowie unerlaubten Schusswaffenbesitzes schuldig gemacht hat.

Begonnen hatte die Verhandlung Anfang März 2025. Laut damaliger Anklage soll Fikret A. am frühen Morgen des 4. Juli 2024, etwa 05:15 Uhr, einem damals 36-Jährigen im Bereich der Eisenbahnstraße 102–104 eine Schusswaffe vorgehalten haben: „Er betätigte den Abzug, um den Geschädigten zu töten“, so die Anklage von Staatsanwalt Torsten Naumann.

Der Mann sei arg- und wehrlos gewesen, da das Ziehen der Pistole und das anschließende Abdrücken so blitzschnell vor sich gegangen sein sollen, dass das Opfer mit keinem Angriff auf Leib und Leben rechnen konnte.

Blockierte Waffe soll Schuss verhindert haben

Allerdings löste sich im entscheidenden Moment kein Schuss, weil die Pistole der Marke Taurus offenbar noch gesichert war. Der 36-Jährige konnte fliehen und bat die Polizei um Hilfe. Fikret A. zog sich zunächst zurück und wurde drei Stunden später durch Spezialkräfte gefasst.

Im Ergebnis der umfassenden Beweisaufnahme ging auch die Kammer von einem heimtückischen Mordversuch aus. Doch dessen Hintergrund konnte nicht eindeutig geklärt werden: „Die Vorgeschichte und das Motiv der Tat sind unklar“, zitiert die Leipziger Volkszeitung die Vorsitzende Richterin Antje Schiller.

Polizeieinsatz, Blaulicht.
Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften in der Nacht zum 29. Juni 2024 in der Eisenbahnstraße. © Tom Richter

Spekuliert wurde über einen Zusammenhang zu dem, was wenige Tage zuvor auf der Eisenbahnstraße passiert war: In der Nacht auf den 29. Juni 2024 war ein 48 Jahre alter Mann bei einer Auseinandersetzung schwer verletzt und zunächst durch eine Not-OP stabilisiert worden. Jedoch starb er im Dezember 2024 dann doch an den Verletzungsfolgen. Der mutmaßliche Täter (41) hatte sich der Polizei gestellt, der Prozess gegen ihn ist noch nicht beendet. Bei ihm handelt es sich um einen Verwandten des jetzt Verurteilten Fikret A.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Das Gericht sah die von ihm und seiner Verteidigung vertretene Notwehrvariante als nicht glaubhaft an. Im Ergebnis der langen Hauptverhandlung erhielt der frühere Fahrer und Bauarbeiter fünf Jahre Haft wegen versuchten Mordes sowie illegalen Schusswaffenbesitzes – sechs Monate weniger als von der Anklage gefordert. A.s Rechtsanwalt Curt-Matthias Engel wollte nach Angaben des Landgerichts auf eine Geldstrafe wegen des Waffenbesitzes hinaus, im Übrigen auf Freispruch.

Das Urteil vom Mittwoch ist noch nicht rechtskräftig.

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