Grüner Aktionsplan zur Rettung der Wälder

Bis 2050 sollen alle Wälder in Deutschland ökologisch bewirtschaftet werden

Für alle LeserBeim Thema Klimawandel wird nun schon seit über 30 Jahren über die Abholzung der tropischen Wälder diskutiert. Die EU will jetzt – so berichtet jedenfalls die F.A.Z. – mit einem Maßnahmepaket der Urwaldvernichtung gegensteuern. Aber das Paket scheint wieder mal an den zerstrittenen Regierungen zu scheitern. Und in Deutschland? Auch hier steht ein kompletter Paradigmenwechsel an. So sehen es jedenfalls die Grünen im Bundestag. Und das sollte man zumindest ernst nehmen.

Denn es sieht nicht nur so aus, als würden die Grünen in der nächsten Bundesregierung ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben. Sie beschäftigen sich auch inhaltlich mit dem Thema. Eigentlich schon seit Jahren. Aber wenn man den Wald als sensibles Ökosystem begreift und als einen unersetzbaren Schutzraum für Artenvielfalt, dann verabschiedet man sich irgendwann von den alten, sogenannten forstwirtschaftlichen Waldnutzungen, deren negative Folgen längst in ganzer Breite belegt sind.

Und deshalb war es schon ein deutliches Zeichen, dass die Grünen-Fraktion zu ihrer Konferenz „Die Lunge des Planeten retten. Waldschutz zwischen Berlin und Brasilien“ am Freitag, 14. Juni, als Vertreter eines anderen Umgangs mit unserem Wald den bekannten Förster Peter Wohlleben eingeladen haben – nebst weiteren „internationalen Fachleuten aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik“, mit denen die über 400 Teilnehmer des Kongresses in Berlin darüber diskutierten, „welche Lösungsansätze und Maßnahmen nötig sind, um die Lunge unseres Planeten dauerhaft zu erhalten“.

Denn Wälder sind nun einmal auch das bislang wirksamste Instrument gegen die Klimaerwärmung – sie binden Millionen Tonnen CO2, produzieren Sauerstoff und werden, wenn sie gepflegt und erweitert werden, wichtige CO2-Senken.

Aber wir können nicht immer nur mit dem Finger auf Länder wie Brasilien schauen, wo Millionen Hektar tropischer Wald gefällt werden, um unter anderem auch den europäischen Markt mit riesigen Mengen von Produkten zu beliefern, die auf den abgeholzten Flächen angebaut werden – allen voran Soja, Palmöl, Kakao, Mais, Holz und Kautschuk. Aber auch die enorme Produktion von Fleisch auf den zu Weideland verwandelten Flächen darf man nicht außen vor lassen.

Und es ist überhaupt keine falsche Idee der EU, wenn sie solche Produkte beim Import nach Europa deutlich verteuern will. Augenscheinlich funktioniert ein ökologisch kluges Handeln bei den meisten Verbrauchern nur so. Wenn sie es über den Preis nicht erfahren, wie klimaschädlich ein Produkt ist, denken die meisten nicht mal drüber nach.

Und was ist mit unseren heimischem Wäldern, von denen die meisten noch immer bewirtschaftet werden wie Holzplantagen? Auch der eigentlich geschützte Leipziger Auenwald?

Dazu schält sich die Position der Grünen im „Aktionsplan für einen gesunden Wald“ schon deutlich heraus. Denn das, was Peter Wohlleben auch so gern im Fernsehen erzählt, beruht auf vielen modernen Forschungen zur Biodiversität der Wälder.

Die Grünen formulieren dazu in ihrem Aktionsplan:

„Nicht nur auf dem Acker, auch im Wald wollen wir eine ökologische Nutzung der Ressource Holz, die Boden, Umwelt und Artenvielfalt schützt. Die Bundeswaldinventur III hat festgestellt, dass 64 Prozent der Wälder nicht naturnah bewirtschaftet werden. Das muss sich ändern!

Wir fordern, dass alle Wälder bis 2050 nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden.

Dazu gehört, dass aus dem Wald die Stämme einzeln geerntet werden, anstatt ganze Flächen auf einmal kahlzuschlagen. Der Kahlschlag stört massiv die Funktion des Bodens. Wir wollen Wälder mit viel Struktur, mit Bäumen unterschiedlichen Alters und mit nur so viel Wild, dass neue Bäume ohne Schutzmaßnahmen vor Verbiss nachwachsen können.

Wir wollen die Ernte im Wald so gestalten, dass der Boden nicht geschädigt wird und dass der zulässige Holzeinschlag anhand von ökologischen Kriterien festgelegt wird. Statt mit schwerem Gerät tiefe Furchen und festgedrückten Boden zu hinterlassen, setzen wir auf bodenschonende Verfahren. Wir wollen Baumarten, die an dem Standort auch natürlich vorkommen würden sowie ein Verbot von gentechnisch veränderten Bäumen. Invasive Arten, die die natürliche Waldentwicklung durch unkontrollierte Verbreitung stören, wie die Robinie oder die Spätblühende Traubenkirsche, müssen bekämpft werden. Alle Fördermaßnahmen und weitere Rahmenbedingungen müssen konsequent auf diese Kriterien ausgerichtet werden.“

Der Leipziger Auenwald könnte ein Vorbild für diese ökologische Waldbewirtschaftung sein – wäre da nicht die dem 19. Jahrhundert verhaftete Einstellung der zuständigen Leipziger Ämter, die Waldbewirtschaftung noch immer in den Formen der künstlichen Waldherstellung begreift, dem Biosystem Wald keine Eigendynamik zutraut und alljährlich forstliche Einschläge von tausenden Festmetern mit schwerem Gerät beschließen möchte.

Von der waldschonenden Einzelstammentnahme ist keine Rede.

Logisch, dass der Leipziger NuKLA e. V. die Einladung zum Kongress der Grünen annahm und dort von den eigenen Bemühungen erzählte, die Verantwortlichen in Stadt und Land endlich dazu zu bringen, mit dem mehrfach geschützten Leipziger Auensystem auch so schonend umzugehen, wie es diese einmalige Auenlandschaft braucht.

Der NuKLA ließ sich im Stadtwald Lübeck erklären, wie naturnahe Forstwirtschaft sehr erfolgreich und effizient gehen kann

AuenwaldWaldbewirtschaftung
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Bis 2021 bekommen die LVB noch 38 neue XL-Straßenbahnen
XL-Straßenbahn auf der Messekehre. Foto. Ralf Julke

Foto. Ralf Julke

Für alle LeserIm Februar bekam der Designer des neuen XL-Fahrzeugs der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), Jochen Dittrich, zusammen mit den LVB den German Design Award. Das extra für Leipzig designte Fahrzeug rollt seit 2017 durch Leipzig und viele LVB-Fahrgäste haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass die Fahrzeuge im Einsatz sind und auch immer neue dazukommen. Oder doch nicht?
Verpasst Leipzig, genug ÖPNV-Projekte für die neue Bundesförderung zu beantragen?
LVB-Baustelle in der KarLi 2014. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich war die Anfrage der SPD-Fraktion ja ganz einfach: Mit ihrem Klimaschutzpaket will die Bundesregierung auch mehr Geld für den Ausbau des kommunalen ÖPNV geben. Was ja wie die Faust aufs Auge für Leipzig passen würde, wo ja mit dem „Nachhaltigkeitsszenario“ ein deutlicher Ausbau des ÖPNV bis 2030 geplant ist. Aber das Problem an den Förderprogrammen, die sich deutsche Regierungen so gern ausdenken, ist: Die Regeln sind oft so, dass das Geld nur schwer abgerufen werden kann.
Reporter auf drei Rädern: Karl Heinz Mai jetzt auch in der Fotoedition des Lehmstedt Verlages
Karl Heinz Mai: Reporter auf drei Rädern. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs gibt Zeiten, da muss man die Fotos einer anderen Zeit immer wieder zeigen. Auch als Warnung an all jene, die schon wieder innerlich von einem unberatenen Nationalismus besoffen sind und völlig ausblenden, dass der immer wieder im Extrem endet: in Kriegen, Katastrophen und einer zerstörten Stadt. Wenn man Karl Heinz Mais Bilder aus dem Leipzig der Nachkriegszeit sieht, ist man verdammt froh, in dieser harten Zeit nicht gelebt haben zu müssen.
Vom 21. – 23. November im Westflügel: Frauen in gehobenen Positionen
Samira Wenzel, Franziska Merkel, Stefan Wenzel. Foto: Stefan Hurtig

Foto: Stefan Hurtig

Diese Show beschäftigt sich mit komplizierten Hebefiguren und erfolgreichen Frauen. Unterhaltsam, emanzipierend und provokativ. Wir wagen den Versuch, bedienen uns bekannter Frauenfiguren und ihren Tieren und fragen uns: Warum ist Erfolg männlich und Emotion weiblich? Und wer steht eigentlich hinter der liebenden Frau, hinter dem starken Mann? Die Familie, die Gewohnheit oder Zeus im Rinderkostüm?
Am 22. November im Gohliser Schlösschen: Komödien Harmonists
Komödien Harmonists. Quelle: Freundeskreis "Gohliser Schlösschen" e.V.

Quelle: Freundeskreis "Gohliser Schlösschen" e.V.

Am Beginn der Komödien Harmonists steht die Erfolgsproduktion „Capriolen - Eine Lindenauer Palastrevue“ an der Musikalischen Komödie Leipzig. Darin verkörpern die fünf Herren des Ensembles seit 2016 die originalen Comedian Harmonists zu Beginn ihrer Karriere. Schon während der Revue-Proben ist man sich einig: „Da geht mehr!“ Also wird langsam und stetig das Repertoire erweitert und ein fester Pianist für das Ensemble gesucht. Dieser „Pianist“ wird dann eine Pianistin: Kyung Hee Kim.
Viola da gamba und Cembalo: Leipziger Originalinstrument der Bach-Zeit erklingt im Sommersaal

Foto: Todo Groth

Am Sonntag, dem 17. November, 15 Uhr, steht die Viola da gamba im Fokus eines Kammerkonzerts im historischen Sommersaal des Bach-Museums Leipzig. Gambist Hartwig Groth und Cembalistin Mimoe Todo musizieren unter anderem Sonaten von Johann Sebastian Bach und dessen Sohn Carl Philipp Emanuel. Tickets sind an der Tageskasse sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.
Grüne starten einen zweiten Anlauf, um die Geheimniskrämerei des Leipziger OBM zu beenden
Neues Rathaus bei Nacht. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserIm Leipziger Verwaltungshandeln ist noch vieles altbacken, beruht auf der Vorstellung einer Lokalpolitik, bei der die Verwaltung ein großer Geheimnisträger ist und der Bürger gern als unmündig betrachtet wird – oder als gefährlich. Er könnte ja zu viel erfahren über manche Entscheidungsgründe. Entsprechend beißen sich die Stadtratsfraktionen in Sachen Transparenz immer wieder die Zähne aus an einer Verwaltung, die lieber ihr eigenes Ding macht.
Puppentheater Premiere »Oh, wie schön ist Panama« am 22. November
Theater der Jungen Welt. Foto L-IZ.de

Foto L-IZ.de

Wen das Fernweh packt, wen die Sehnsucht nicht mehr loslässt, der sollte sich tunlichst auf den Weg machen und das Land seiner Träume suchen. Nicht anders geht es da dem kleinen Tiger und dem kleinen Bären – diesen sympathischen lebensbejahenden Alltagsgenießern aus dem Janosch Universum.
Warum bekommen Gewerbetreibende nicht einfach ordentliche Parkscheine fürs Waldstraßenviertel?
Parkautomat im Waldstraßenviertel. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBesonders Gewerbetreibende hatten so ihrem Kummer mit den Regelungen, die die Stadtverwaltung für das Bewohnerparken im Waldstraßenviertel ausgedacht hat. Sie kamen irgendwie nicht drin vor. Aber die Aussetzung des Bewohnerparkens zeigt auch: Tagsüber gibt es im Waldstraßenviertel eigentlich keine Stellplatzprobleme. Man kann die Gewerbetreibenden also problemlos mit unterbringen. Einen Vorschlag macht dazu jetzt die Freibeuter-Fraktion.
CDU-Fraktion beantragt bessere Radialverbindungen am Leipziger Stadtrand
Buslinie 76 in Probstheida. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie CDU-Fraktion hat ein bisschen gezögert, bis sie jetzt ihren zweiten Änderungsantrag zur Vorlage des neuen Nahverkehrsplans formuliert hat. Wahrscheinlich war es der Fraktion auch nicht ganz geheuer, was die anderen Fraktionen da auf einmal alle zu bemängeln hatten an einem Nahverkehrsplan, der eigentlich nur den Stand des fernen Jahres 1999 widerspiegelt, aber nicht ansatzweise die Erfordernisse der Verkehrswende, die auch die CDU für Leipzig sieht.
An der Kreuzung Rödelstraße sind keine Änderungen geplant und der Schleußiger Weg bleibt Zukunftsmusik
Die Situation an der Rödelstraße direkt vorm „Olymp“. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDerzeit liegt zwar die Petition von Thomas Gentsch beim Petitionsausschuss des Leipziger Stadtrates. Aber wenn man die Antwort des Dezernats Stadtentwicklung und Bau auf die parallele Anfrage der SPD-Fraktion zur Rödelstraße danebenlegt, wird es wohl keinen positiven Bescheid für die Petition geben. Denn der Schleußiger Weg steht noch gar nicht in irgendeinem Plan.
Der größte Crash aller Zeiten: Warum ein nicht reformiertes Geldsystem in nächster Zukunft scheitern muss
Marc Friedrich, Matthias Weik: Der größte Crash aller Zeiten. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIm Video ist Marc Friedrich happy: Das neue Buch, das er zusammen mit Matthias Weik geschrieben hat, ist gleich auf Platz 1 der „Spiegel“-Bestseller-Liste gelandet. Die beiden sind Vermögensberater. Und im zweiten Teil des Buches erzählen sie auch, was sie Menschen mit Vermögen jetzt raten, wie sie es irgendwie noch sicher anlegen können. Denn dass das Hazard-Spiel der Finanzpolitik noch lange gutgehen kann, das glauben die beiden jetzt nicht mehr.
Wirtschaftsdezernat will bis Ende 2020 ein Gesamtkonzept für Leipzigs Landwirtschaftsflächen vorlegen
Leipzig wächst auf wertvollstem Ackerboden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSieben Anträge hatte die Grünen-Fraktion im Stadtrat im Februar geschnürt, um die Stadt und ihr Liegenschaftsamt dazu zu bringen, auf Leipziger Landwirtschaftsflächen endlich die schon vor Jahren beschlossene Biolandbau-Politik auch umzusetzen. Aus Sieben mach Eins, dachte sich das Dezernat Wirtschaft, Arbeit und Digitales und schlägt jetzt alternativ vor, bis Ende 2020 ein Gesamtkonzept für die Leipziger Landwirtschaft zu erarbeiten.
Die Überschuldung Leipziger Haushalte ist wieder ein wenig gesunken
Überschuldungsquoten auf Kreisebene. Karte: Creditreform

Karte: Creditreform

Für alle LeserRegelmäßig veröffentlicht die Creditreform zusammen mit den Tochterunternehmen Creditreform Boniversum GmbH und microm GmbH aktualisierte Zahlen zu überschuldeten Privatpersonen in Deutschland. Deren Zahl ist ist erstmals seit 2013 leicht zurückgegangen, konnte am Donnerstag, 14. November, auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden. Nach Jahren macht sich endlich die bessere Arbeitsmarktlage bemerkbar. Aber am Horizont wird es gleich wieder finster.
Am 22. November: „Volk ohne Raum“? – Vortrag und Diskussion im Zeigner-Haus
Quelle: Erich-Zeigner-Haus e.V.

Quelle: Erich-Zeigner-Haus e.V.

Der Erich-Zeigner-Haus e.V. lädt am 22. November ab 18 Uhr in seine Räumlichkeiten in Leipzig-Plagwitz zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion ein. „Mythos ‚Volk ohne Raum‘ – Von der Weimarer Republik bis heute“ heißt die Veranstaltung, in deren Zentrum die Auseinandersetzung mit der Denkfigur „Volk ohne Raum“ stehen soll.