Beim Thema Klimawandel wird nun schon seit über 30 Jahren über die Abholzung der tropischen Wälder diskutiert. Die EU will jetzt – so berichtet jedenfalls die F.A.Z. – mit einem Maßnahmepaket der Urwaldvernichtung gegensteuern. Aber das Paket scheint wieder mal an den zerstrittenen Regierungen zu scheitern. Und in Deutschland? Auch hier steht ein kompletter Paradigmenwechsel an. So sehen es jedenfalls die Grünen im Bundestag. Und das sollte man zumindest ernst nehmen.

Denn es sieht nicht nur so aus, als würden die Grünen in der nächsten Bundesregierung ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben. Sie beschäftigen sich auch inhaltlich mit dem Thema. Eigentlich schon seit Jahren. Aber wenn man den Wald als sensibles Ökosystem begreift und als einen unersetzbaren Schutzraum für Artenvielfalt, dann verabschiedet man sich irgendwann von den alten, sogenannten forstwirtschaftlichen Waldnutzungen, deren negative Folgen längst in ganzer Breite belegt sind.

Und deshalb war es schon ein deutliches Zeichen, dass die Grünen-Fraktion zu ihrer Konferenz „Die Lunge des Planeten retten. Waldschutz zwischen Berlin und Brasilien“ am Freitag, 14. Juni, als Vertreter eines anderen Umgangs mit unserem Wald den bekannten Förster Peter Wohlleben eingeladen haben – nebst weiteren „internationalen Fachleuten aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik“, mit denen die über 400 Teilnehmer des Kongresses in Berlin darüber diskutierten, „welche Lösungsansätze und Maßnahmen nötig sind, um die Lunge unseres Planeten dauerhaft zu erhalten“.

Denn Wälder sind nun einmal auch das bislang wirksamste Instrument gegen die Klimaerwärmung – sie binden Millionen Tonnen CO2, produzieren Sauerstoff und werden, wenn sie gepflegt und erweitert werden, wichtige CO2-Senken.

Aber wir können nicht immer nur mit dem Finger auf Länder wie Brasilien schauen, wo Millionen Hektar tropischer Wald gefällt werden, um unter anderem auch den europäischen Markt mit riesigen Mengen von Produkten zu beliefern, die auf den abgeholzten Flächen angebaut werden – allen voran Soja, Palmöl, Kakao, Mais, Holz und Kautschuk. Aber auch die enorme Produktion von Fleisch auf den zu Weideland verwandelten Flächen darf man nicht außen vor lassen.

Und es ist überhaupt keine falsche Idee der EU, wenn sie solche Produkte beim Import nach Europa deutlich verteuern will. Augenscheinlich funktioniert ein ökologisch kluges Handeln bei den meisten Verbrauchern nur so. Wenn sie es über den Preis nicht erfahren, wie klimaschädlich ein Produkt ist, denken die meisten nicht mal drüber nach.

Und was ist mit unseren heimischem Wäldern, von denen die meisten noch immer bewirtschaftet werden wie Holzplantagen? Auch der eigentlich geschützte Leipziger Auenwald?

Dazu schält sich die Position der Grünen im „Aktionsplan für einen gesunden Wald“ schon deutlich heraus. Denn das, was Peter Wohlleben auch so gern im Fernsehen erzählt, beruht auf vielen modernen Forschungen zur Biodiversität der Wälder.

Die Grünen formulieren dazu in ihrem Aktionsplan:

„Nicht nur auf dem Acker, auch im Wald wollen wir eine ökologische Nutzung der Ressource Holz, die Boden, Umwelt und Artenvielfalt schützt. Die Bundeswaldinventur III hat festgestellt, dass 64 Prozent der Wälder nicht naturnah bewirtschaftet werden. Das muss sich ändern!

Wir fordern, dass alle Wälder bis 2050 nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden.

Dazu gehört, dass aus dem Wald die Stämme einzeln geerntet werden, anstatt ganze Flächen auf einmal kahlzuschlagen. Der Kahlschlag stört massiv die Funktion des Bodens. Wir wollen Wälder mit viel Struktur, mit Bäumen unterschiedlichen Alters und mit nur so viel Wild, dass neue Bäume ohne Schutzmaßnahmen vor Verbiss nachwachsen können.

Wir wollen die Ernte im Wald so gestalten, dass der Boden nicht geschädigt wird und dass der zulässige Holzeinschlag anhand von ökologischen Kriterien festgelegt wird. Statt mit schwerem Gerät tiefe Furchen und festgedrückten Boden zu hinterlassen, setzen wir auf bodenschonende Verfahren. Wir wollen Baumarten, die an dem Standort auch natürlich vorkommen würden sowie ein Verbot von gentechnisch veränderten Bäumen. Invasive Arten, die die natürliche Waldentwicklung durch unkontrollierte Verbreitung stören, wie die Robinie oder die Spätblühende Traubenkirsche, müssen bekämpft werden. Alle Fördermaßnahmen und weitere Rahmenbedingungen müssen konsequent auf diese Kriterien ausgerichtet werden.“

Der Leipziger Auenwald könnte ein Vorbild für diese ökologische Waldbewirtschaftung sein – wäre da nicht die dem 19. Jahrhundert verhaftete Einstellung der zuständigen Leipziger Ämter, die Waldbewirtschaftung noch immer in den Formen der künstlichen Waldherstellung begreift, dem Biosystem Wald keine Eigendynamik zutraut und alljährlich forstliche Einschläge von tausenden Festmetern mit schwerem Gerät beschließen möchte.

Von der waldschonenden Einzelstammentnahme ist keine Rede.

Logisch, dass der Leipziger NuKLA e. V. die Einladung zum Kongress der Grünen annahm und dort von den eigenen Bemühungen erzählte, die Verantwortlichen in Stadt und Land endlich dazu zu bringen, mit dem mehrfach geschützten Leipziger Auensystem auch so schonend umzugehen, wie es diese einmalige Auenlandschaft braucht.

Der NuKLA ließ sich im Stadtwald Lübeck erklären, wie naturnahe Forstwirtschaft sehr erfolgreich und effizient gehen kann

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