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Brot & Kees will zehn Hausboote auf dem Cospudener See fahren lassen

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    Und weiter geht's mit der Durchsetzung von Spezialinteressen im Leipziger Neuseenland. Die Bewohner des Neuseenlandes haben sich mehrheitlich gegen Motorboote und Privatisierung der Ufer ausgesprochen? Was kümmert es die gewählten Abgeordneten? Oder zumindest die Mehrheit. Jetzt träumt Markkleeberg den Traum von Hausbooten auf dem Cospudener See.

    In der Stadtratssitzung am 16. September spazierte Thomas Recknagel, Geschäftsführer von Brot & Kees, mal in den Stadtrat und präsentierte seine Vision für den Cospudener See: Hausboote hätte er gern. Das würde sein Geschäftskonzept erweitern. Bislang betreibt er ein nettes Café am Lauerschen Weg, hübsch in Laufweite zum Nordufer, dazu ein paar ebenso schöne seenahe Ferienwohnungen. Aber jetzt noch ein paar Hausboote am Nordostufer, das wäre doch was. Bis zu zehn Wohnboote will er hier anlegen lassen. Und auch herumschippern lassen, warum nicht.

    Zwar hat sich Markkleeberg bisher dezidiert gegen noch mehr Motorboote auf den Seen ausgesprochen. Aber irgendwie klingt das dann immer sofort ganz anders, wenn ein findiger Geschäftsmann so seine Ideen ausbreitet.

    Das hat die staunende Öffentlichkeit vor sechs Jahren zuletzt erlebt, als ein cleveres Leipziger Unternehmen mit der Idee in die Öffentlichkeit preschte, am Südufer des Cospudener Sees ein Golfhotel bauen zu wollen, mit eigenem Golfplatz direkt am Ufer, so dass ein größeres Gelände für die Öffentlichkeit abgesperrt worden wäre. In Markkleeberg war man hellauf begeistert. Bis man merkte, dass das in diesem geschützten Seebereich schlicht nicht genehmigungsfähig war.

    Und dabei ist die „Bürgerumfrage“ zum Leipziger Neuseenland gerade ein halbes Jahr her, im Mai erst haben Leipzigs OBM und die beiden Landräte die „Charta Leipziger Neuseenland“ unterschrieben. Alles Schnee von gestern.

    Thomas Recknagel bekam regelrecht begeisterten Beifall vom Markkleeberger Stadtrat. Zwar versprach Recknagel, auf Motoren zu verzichten an den Hausbooten, wenn es denn zu keiner entsprechenden Genehmigung kommt oder gar der Erklärung der Schiffbarkeit, die er sich für 2017 wünscht, ausbleibt. Aber als dann einige skeptische Zuhörer nachfragten, erklärte er dann doch, dass er die Boote gern mit 15 PS und 7 km/h über den See schippern lassen möchte. Ab 2019 wäre ja dann auch der Harthkanal fertig und die Boote könnten auch auf den Zwenkauer See fahren.

    Gewerbe! Tourismus!, schwärmte geradezu der Vorsitzende der Markkleeberger Linksfraktion, Dieter Bormann. Und auch Rolf Müller, der Vorsitzende der SPD-Fraktion, fand die Idee toll: So etwas fehle noch in Markkleeberg. Und das passe doch prima in die eigenen Konzepte, meinte dann noch Claus Mann von der stadteigenen Entwicklungsgesellschaft EGW, die für Markkleeberg auch den Cospudener See betreibt. Am Nordostufer, das noch zu Markkleeberg gehört, fehle schon seit Jahren eine Servicestation mit Toiletten. Das ließe sich doch prima mit Hausbooten verbinden. Auch die CDU-Fraktion signalisierte gleich ihre Unterstützung. Nur von einzelnen Stadträten der SPD und aus der Grünen-Fraktion kamen skeptische Töne.

    Ergebnis: 18 Ja-Stimmen für einen Grundsatzbeschluss, der nun Hausboote auf den Cospudener See bringen soll, vier Gegenstimmen.

    Mit dem Ökolöwen will man noch sprechen. Man ahnt wohl schon, dass man gerade wieder eine große Diskussion losgetreten hat.

    Der NuKla e.V. hat sich schon zu Wort gemeldet. „Man kann sich nur wundern über den Markkleeberger Stadtrat. Nur vier Mitglieder haben ein Gefühl dafür, was da gerade mit dem kleinen Cossi passiert. Anstelle eines stimmigen, mit allen abgestimmten und damit von allen getragenen Gesamtkonzeptes wird mal wieder in bewährter Salamitaktik das verhökert, was die meisten LeipzigerInnen und MarkleebergerInnen wollen: einen See als Ort der Erholung“, sagt Wolfgang Stoiber, der Vorsitzende des NuKla e.V.

    „Schon jetzt wird der Cossi von Gästen (!) als der Ballermann von Leipzig bezeichnet und von manchen deswegen gemieden. In Zeiten der digitalen Netzwerke dürfte sich sehr schnell sortieren, welche Klientel im Wohnboot an Leipzigs Partystrand welche Art von Urlaub machen will. Und noch eins: Da müssen dann Zufahrten her und Parkplätze, alles direkt zu den 10 Wohnbooten natürlich – der unerwartete ‚Nutzungsdruck‘ wird das dann schon rechtfertigen. Wollen die Markkleeberger und die, die nach der Arbeit mit ihren Kindern im Fahrradhänger noch mal schnell eine Runde an den See fahren, das?“

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      1 KOMMENTAR

      1. Vielleicht wäre es gut darauf hinzuweisen, dass die Markkleeberger Grünen der Thematik nicht nur skeptisch gegenüberstanden, sondern geschlossen dagegen gestimmt haben.

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