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Landrat von Nordsachsen plädiert für Schutzstreifen für Radfahrer auch außerhalb der Ortschaften

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    Erst am 2. Mai hatte Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig so eine Art Bilanz zu seiner Arbeit bei der Förderung des Radverkehrs in Sachsen vorgelegt. Aus Sicht der Fahrradfreunde eher zu wenig – im Vergleich zur Wahlperiode davor aber durchaus ein nennenswertes Paket. Er sagte auch: „Jeder Unfall mit Radfahrern endet in der Regel tragisch, was natürlich daran liegt, dass Radfahrer neben den Fußgängern die am wenigsten geschützten Verkehrsteilnehmer sind.“

    Aber nicht nur das: Immer mehr Sachsen fahren mit dem Fahrrad, nicht nur die Großstädter, wo das Rad oft die beste Alternative für kurze und mittlere Entfernungen ist. Auch Bewohner der Landkreise fahren ihre täglichen Wege gern und oft mit dem Rad. Und auch sie werden dabei viel zu oft Opfer von Verkehrsunfällen, auch weil es auch außerörtlich oft noch immer an sicheren Radwegen fehlt. Unachtsamkeiten kann man sich da nicht leisten.

    Martin Dulig: „Allein im letzten Jahr gab es 35 bei Unfällen getötete Radfahrer, 19 der getöteten Radfahrer waren hier Unfallverursacher. Daher beobachten wir auch die Unfallstatistik sehr genau und werten die Unfallzahlen und Unfallursachen entsprechend aus. Manche schwerwiegende Folgen wären auch bereits durch das grundsätzliche Tragen eines Fahrradhelmes reduzierbar, was ich befürworte.“

    Mit den Zahlen ging Dulig natürlich auch zum Nationalen Radverkehrskongress, der am 13. und 14. Mai in Dresden stattfand, eine Gelegenheit, die auch Nordsachsens Landrat Kai Emanuel (parteilos) nutzte, um sich in einem Vortrag dafür auszusprechen, Schutzstreifen auch außerhalb geschlossener Ortschaften zu erlauben. Bislang lässt die Straßenverkehrsordnung das Markieren von Radstreifen ausschließlich innerorts zu.

    „Gerade im ländlichen Raum wird das Fahrrad gern genutzt, um von einem Teil der Gemeinde zum anderen oder zu den Haltestellen des ÖPNV zu gelangen. Auch Radtouristen fahren lieber über Land als durch die Großstadt“, sagte Emanuel. „Andererseits ist es nicht möglich, überall separate Radwege anzulegen. Darum sollten Schutzstreifen auf Landstraßen nicht mehr generell ausgeschlossen werden, sondern klare Regeln gelten, unter welchen Voraussetzungen das Markieren solcher Streifen möglich wäre. Die Entscheidung darüber gehört dann auf kommunale Ebene.“

    Als Kriterien nannte der Landrat, dass die Fahrbahn mindestens 5,25 bis 5,50 Meter breit sein müsse und die Straße von nicht mehr als 2.000 Kraftfahrzeugen am Tag genutzt werde. Außerdem sei die Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h zu begrenzen. Emanuel bezog sich dabei auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Schutzstreifen außerorts – Modellversuch zur Abmarkierung und zur Untersuchung der Auswirkungen auf die Sicherheit und Attraktivität im Radverkehrsnetz“, das im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 auf bundesweit 18 Teststrecken durchgeführt wurde. Zugleich verwies er auf die guten Erfahrungen mit solchen Schutzstreifen in den Niederlanden.

    Kai Emanuel: „Die Tests und Untersuchungen sollten unbedingt fortgesetzt werden, gern auch auf Strecken bei uns im Landkreis Nordsachsen.“ Es gehe ihm nicht darum, das eine zu tun, um das andere zu lassen, betonte der Landrat. „Der Radwegebau bleibt nach wie vor eine wichtige Aufgabe. Um das Radfahren zu fördern, müssen wir aber auch neue Möglichkeiten wie eben Schutzstreifen auf geeigneten Landstraßen in Betracht ziehen.“ So verstehe er auch das Kongressmotto „Weiterdenken“.

    Nordsachsens Landrat Kai Emanuel, in seiner Freizeit selbst passionierter Fahrradfahrer, nahm als Vertreter des Deutschen Landkreistages am Nationalen Radverkehrskongress in Dresden teil.

    Das Thema betrifft auch Leipzig, denn wer mit dem Rad in den nördlichen Landkreis fährt, findet immer wieder Stellen, wo es nicht mehr auf separaten und sicheren Wegen weitergeht. Und das geht schon auf Leipziger Stadtgebiet los, wie der ADFC feststellt.

    Demo: Sicherer Radweg an der B2

    Bürger, die es ernst meinen mit der Verkehrswende, haben es momentan noch schwer im Leipziger Norden. Eine gefährliche Lücke klafft im Radnetz zwischen Krostitz-Hohenossig und Leipzig entlang der B2. Als wichtige Achse für Pendler zwischen Krostitz und den vielen Arbeitsplätzen im Leipziger Norden darf ein Radweg nicht an der Grenze zweier Städte enden.

    Wie schon im Vorjahr organisiert der ADFC Leipzig zusammen mit Bürgern aus Krostitz am Samstag, 18. Mai, eine Fahrraddemonstration. Im Jahr von Kommunal- und Landtagswahl will der Verein besonders auf die fehlenden Radwege hinweisen.

    „Viele Bürger würden gern das Auto stehen lassen, wenn die Wege sicher sind“, so Rosalie Kreujier vom ADFC Leipzig. Der Radweg zwischen Krostitz und Hohenossig besteht seit Jahren. Auch auf Leipziger Gemarkung gibt es einen guten Anschluss.

    „Wir bauen die Fahrradinfrastruktur aus, um die Sicherheit und Attraktivität des Radfahrens zu erhöhen“, sagte zuletzt Sachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Martin Dulig. An diesem 3 km langen Lückenschluss können die Beteiligten gut demonstrieren, wie ernst es ihnen mit der Aussage des Ministers ist. Nördlich von Krostitz favorisiert der ADFC den Ausbau ortsverbindender Strukturen abseits der B2.

    Die Demonstration beginnt in Leipzig am Samstag um 16 Uhr am Teich der Neuen Messe und zur selben Zeit in Krostitz am Penny-Markt, beide Gruppen treffen sich in Hohenossig zur Zwischenkundgebung, um anschließend mit Polizeibegleitung bis zur Abfahrt Regensburger Straße über die B2 zu fahren. Die Demonstration endet gegen 18:00 Uhr in Hohenossig am Kindergarten.

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