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Höchste Zeit, weite Teile der alten Elsterauen wieder zu reaktivieren

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    Man kann zwar allerlei Dinge zum Ding des Jahres ausrufen, auch Seen oder Flüsse. Aber das muss nicht heißen, dass sie auch einen Wettbewerb gewonnen haben. Manchmal machen die ausrufenden Verbände damit nur deutlich, dass es riesigen Handlungsbedarf gibt: so wie beim Auensystem der Weißen Elster. Die NaturFreunde Deutschlands und der Deutsche Angelfischerverband haben die Weiße Elster zur Flusslandschaft des Jahres 2020/21 gewählt.

    Offiziell verkündet wird dies am 21. März, einen Tag vor dem Weltwassertag.

    Maria Vlaic vom NABU Sachsen begrüßt die Entscheidung zugunsten der Weißen Elster: „Mit der Auszeichnung zur Flusslandschaft des Jahres fordern die Vereine zu Recht die Erhaltung und den Schutz dieser Landschaften, ihrer Lebensräume und letztlich auch ihrer Ökosystemleistungen. Denn obwohl seit nunmehr 20 Jahren die Wasserrahmenrichtlinie der EU die Verbesserung des ökologischen und chemischen Zustands der Flüsse vorschreibt, sind die Auen der Weißen Elster vielerorts in einem naturfernen Zustand: strukturarm, geregelt oder gar eingedeicht und somit nicht Teil der Flusslandschaft.“

    Zwar gibt es bereits (wie im Projekt „Lebendige Luppe“) Studien und Pläne – zum Beispiel abgetrennte Flussschlingen anzuschließen und punktuell Maßnahmen durchzuführen – die den ökologischen und chemischen Zustand des Gewässers verbessern sollen, aber natürliche Wasserdynamiken sind noch immer eine Seltenheit und treten in der Regel nur als Extremereignis auf.

    „Die Reaktivierung weiter Teile der Elsterauen aber auch einzelner Flussabschnitte ist also zwingend erforderlich“, betont Vlaic. „Dazu gehört der Wiederanschluss ehemaliger Seitenarme und Mäander, die Wiederherstellung der Überflutungsdynamik, aber auch strukturverbessernde Maßnahmen am Fluss selbst sowie die weitere Umsetzung einer gewässerschonenden Landwirtschaft, Investitionen in eine nachhaltige Siedlungsentwässerung und andere tangierende Themenbereiche.“

    Die Weiße Elster

    Die Weiße Elster ist Sinnbild eines zeitgenössischen Fließgewässers. In Teilen noch verhältnismäßig naturnah, streckenweise durch die menschliche Nutzung der Gewässer mehr oder weniger stark verändert bis hin zu extremen Laufverkürzungen durch Begradigungen und Umverlegungen, die in der sogenannten „Betonelster“ südlich von Zwenkau gipfelten. Dennoch: Auf 257 Kilometern Länge durchfließt sie zehn Fauna-Flora-Habitat-Gebiete in drei Bundesländern. Weite Teile weisen naturnahe Auenstrukturen mit Weichholzauenresten und Altwässern auf.

    Der ehemalige Altarm bei Kleinstorkwitz soll wieder an die Weiße Elster angeschlossen werden. Bereits in den 1990er Jahren wurde hier eine Wasserversorgung installiert, die jedoch nicht mehr funktionstüchtig ist. Foto: NABU, Maria Vlaic
    Der ehemalige Altarm bei Kleinstorkwitz soll wieder an die Weiße Elster angeschlossen werden. Bereits in den 1990er Jahren wurde hier eine Wasserversorgung installiert, die jedoch nicht mehr funktionstüchtig ist. Foto: NABU, Maria Vlaic

    Die Auszeichnung zur Flusslandschaft des Jahres 2020/21 rückt aber nicht etwa die Schönheit der unveränderten Abschnitte in den Mittelpunkt, sondern die prägende Rolle eines Flusses für die Landschaft und die Gesellschaft. Dabei ist nicht nur der Fluss an sich gemeint, sondern auch die von ihm beeinflusste Umgebung: heute eine Kulturlandschaft, die intensiv genutzt und teilweise stark besiedelt ist, geprägt von Landwirtschaft, Berg- und Tagebau. Vor allem letzterer hat die Weiße Elster stark verändert.

    Das Fließgewässernetz der Weißen Elster hat sich im letzten Jahrhundert auf weniger als die Hälfte reduziert. Mit der Begradigung und Verlegung ganzer Flussabschnitte gingen aber nicht nur Flusskilometer verloren, sondern auch die korrespondierende Aue. Von ursprünglich 38,5 Quadratkilometern Auenlandschaft im Einzugsgebiet der Weißen Elster können nur noch 14,7 Quadratkilometer ihre ökologischen Funktionen erfüllen. Das hat Folgen für die Biodiversität – aber auch für den Hochwasserschutz. Denn die Bergbaufolgelandschaft „ersetzt“ nur einen kleinen Teil der Retentionsflächen in den verlorenen Auengebieten.

    Wasser für die alten Flussschlingen

    Das 2019 veröffentlichte Auenprogramm des Freistaates lässt hoffen, dass der Schutz der Auen in Zukunft eine stärkere Rolle im Freistaat spielen wird als bisher, weist es doch explizit auf den Nachholbedarf hin. Denn auch der Freistaat spielte lange Jahre eine Bremserrolle bei der Wiederherstellung des Auensystems, sodass das Projekt „Lebendige Luppe“ 2011 nur mit lauter Einschränkungen starten konnte, die eine nachhaltige Wiedervernässung der Aue praktisch unmöglich machen.

    Seit 2019 hat deshalb auch die Stadt Leipzig endlich ihre Auenpolitik gelockert, sodass jetzt endlich die Ausarbeitung eines Auenentwicklungsprogramms auf der Tagesordnung steht, an der auch der NABU wieder beteiligt ist.

    „Die abgetrennten Flussschlingen wieder an die Weiße Elster anzuschließen, ist eine wichtige Maßnahme“, sagt Maria Vlaic. „Dem ehemaligen Altarm muss wieder effektiv Wasser zugeführt werden, um wertvolle Lebensräume zu erhalten und die Strukturvielfalt der Weißen Elster zu verbessern.“

    Leipzig bekommt ein Auwaldentwicklungskonzept

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      3 KOMMENTARE

      1. Wie immer, es ist ein bisschen langweilig: NuKLA war dabei. Der NABU doch aber sicher auch, wenn der sich so für die weiße Elster interessiert?!

      2. Schön, dass der NABU weitermacht, was er 2012 mit NuKLA mal angefangen hat – allerdings weiterhin nur für die Leipziger Nordwestaue und im Rahmen des Projektes Lebendige Luppe, das nach dem massiven Veto aller Verbände beim Scoopingtermin 2018 seitdem quasi im Hinterzimmer am Leben erhalten wird. NuKLA war 2012 angetreten, die Weiße Elster zwischen Zeitz und Merseburg/Halle zu revitalisieren und hat das auch weiterhin mit viel Energie betrieben, Tagungen und schließlich mehrtägige Symposien zum Thema veranstaltetnachdem, der NABU sich längst aus dieser Zusammearbeit wegen NuKLAs Engagement gegen die Forstwirtschaft im geschützten Leipziger Auwald verabschiedet (was das Eine mit den Anderen zu tun hat, ist ein Geheimnis). Vielleicht will ja der Leipziger NABU jetzt beim sehr erfolgreichen und großangelegten NABU-Projekt Havelrenaturierung lernen, wie sowas geht. Das wäre doch mal schön.

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