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Ultrafeinstaub: BUND Delitzsch Land misst dramatisch hohe Belastungen am Flughafen LEJ

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    Starts sind richtig dreckig. Aber man sieht es nicht, wenn die Frachtflieger am Flughafen Leipzig / Halle (LEJ) starten. Was man nicht sieht, ist trotzdem da. Und hochgefährlich. Aber bislang ist Ultrafeinstaub noch nicht wirklich ein Thema, wenn es um die Umweltemissionen des Flughafens geht. Also hat der BUND Delitzsch Land mal selbst gemessen.

    Umwelt- und Gesundheitsschäden ignoriert

    „Dass die lauteste stadtnahe nächtliche Lärmquelle Deutschlands die wenigsten Lärmmessstationen an Deutschlands vergleichbaren Flughäfen betreibt, entspricht dem ‚bürgernahen‘ und ‚transparenten‘ Verständnis des Flughafens Leipzig/Halle – und somit hauptsächlich der sächsischen Landesregierung. Da wundert es nicht, dass sich die Bürger auch selbst um das Thema Ultrafeinstaub am Flughafen kümmern müssen“, kommentiert Peter Büscher vom BUND Delitzsch Land die jüngste Aktion, mit der die Umweltinitiative im Grunde das macht, was Flughafen und Freistaat von sich aus liefern müssten.

    Aber schlicht nicht liefern, weil man das fossile Modell des Frachtflughafens unbedingt erhalten und ausbauen möchte. Die Umwelt- und Gesundheitsschäden werden dabei einfach ignoriert.

    Ultrafeinstaubpartikel sind winzig, aber tückisch

    „Unsere Bürgerinitiative ist in Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis gegen den Flughafenausbau LEJ diesbezüglich aktiv geworden – mit erschreckenden Erkenntnissen: Manch einer wundert sich vermutlich, warum beim Start von Düsenflugzeugen diese keine, wie bei Propellerflugzeugen üblich, Ruß- und Rauchfahnen hinter sich herziehen. Aber auch Düsenflugzeuge entschweben nicht rückstandslos in den Himmel“, stellt Büscher fest.

    „Die Bestandteile des Flugbenzins werden in den Triebwerken nicht nur in Energie und Treibhausgase umgewandelt, sondern bei sehr hohen Temperaturen in kleinste Schwebteilchen (= Ultrafeinstaub) zerlegt. Ultrafeinstäube sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht wahrgenommen werden können. Um sich eine Vorstellung von der Größe eines Ultrafeinstaubpartikels (UFP) machen zu können, nehme man ein menschliches Haar und verkleinere dessen Durchmesser auf 1/700.“

    Und weiter: „Diese ultrawinzigen Teile sind so leicht, dass sie physikalisch nicht mehr gewogen, sondern nur noch gezählt werden können in der Dimension Partikel/cm3. Ultrafeine Partikel schweben in der Luft und verbleiben dort auch längere Zeit, insbesondere bei Inversionswetterlagen und geringen Windbewegungen.“

    Die Ultrafeinstaubmessungen des BUND Delitzsch Land am Flughafen LEJ. Grafik: Bürgerinitiative "Gegen die neue Flugroute"
    Die Ultrafeinstaubmessungen des BUND Delitzsch Land am Flughafen LEJ. Grafik: Bürgerinitiative „Gegen die neue Flugroute“

    Ultrafeinstaubpartikel werden vom Menschen – und Tieren – eingeatmet und gelangen über die Lunge direkt in die Blutgefäße. Da bestimmte UFPs nicht durch Enzyme abgebaut werden können, verbleiben sie dauerhaft im Körper.

    Krebserregende Wirkung

    „Die WHO-Kommission IARC (International Agency für Research on Cancer) hat das gesamte Feinstaubgemisch im Jahr 2013 als Kanzerogen der Klasse 1 (eindeutig krebserregend) eingestuft“, heißt es im zugehörigen Wikipedia-Artikel dazu.

    „Untersuchungen der WHO belegen, dass es keine Konzentration gibt, unterhalb derer keine schädigende Wirkung auftreten dürfte. Seitens der WHO wurde aber bisher noch keine konkrete Empfehlung zur Begrenzung der Anzahl von ultrafeinen Partikeln ausgesprochen. Der Nutzen von Minderungsmaßnahmen lässt sich bislang zahlenmäßig nicht erfassen.“

    Aber am Flughafen Leipzig / Halle geht es ja noch nicht einmal um Minderung.

    Flughafenumfeld weist deutlich erhöhten Belastungswert auf

    „Unter normalen Bedingungen finden wir im ländlichen Raum eine Belastung mit UFPs aus verschieden Quellen in Höhe von 4.000 P/cm3 in der Umgebungsluft“, so Büscher. „In städtischen Ballungsgebieten und stark befahrenen Straßen kann dieser Wert auf bis zu 30.000 P/cm3 ansteigen.“

    Aber selbst diese Werte werden im Flughafenumfeld deutlich überschritten, wie jetzt Messungen mit einem von der Mainzer Bürgerinitiative ausgeliehenen Messgerät gezeigt haben.

    „Unsere selbst durchgeführten Messungen bei Starts und Landungen im Einzugsgebiet des Flughafens Leipzig/Halle haben Spitzenwerte von mehr als 150.000 P/cm3 aufgewiesen, welches den Normalwert um mehr als des 30-fache übersteigt“, konstatiert Büscher.

    Selbst bei Landungen – in der Grafik am Beispiel eine Boeing 752 – können Ultrafeinstaubkonzentrationen von 67.000 P/cm3 erreicht werden. Bei Starts kommt diese Boeing ebenso wie der A 306 dann schnell auf 150.000 P/cm3.

    Anwohner in potenzieller Gefahr

    Und die unsichtbaren Teilchen in der Luft sind eben ganz und gar nicht harmlos, stellt Peter Büscher fest: „Bei einem regelmäßigen und dauerhaften Kontakt in hohen Konzentrationen bei den Anwohnern im Windschatten des Flughafens und insbesondere bei den Vorfeldmitarbeitern muss deshalb von einer ernsthaften Gesundheitsgefährdung ausgegangen werden. Entsprechende Untersuchungen an anderen Flughäfen wie z.B. am Flughafen Schiphol/Amsterdam zeigen eindeutige Ursache – Wirkungszusammenhänge auf.“

    Die Problematik Ultrafeinstaub müsse unbedingt noch in das derzeit laufende Planfestellungsverfahren zur Erweiterung des Flughafens LEJ eingebracht werden. In Frankfurt / Main gibt es zumindest auch schon ein Monitoring zur Ultrafeinstaubbelastung. Die Anwohner des Flughafens Leipzig / Halle leben mittendrin in diesem Luftgemisch, ohne dass es dazu eine einzige offizielle Untersuchung gibt.

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      2 KOMMENTARE

      1. Das Thema Ultrafeinstaub wird übrigens in den Planunterlagen sehr kurz behandelt. Im Endeffekt erklären die beauftragten Prüfer (www.muveda.de), dass sie es ignorieren werden, da es angeblich noch nicht ausreichend erforscht sei (Luftqualitätsgutachten, Kapitel 2.5).

      2. Zum Planfeststellungsverfahren durften Bürger*innen bis zum 15.02.2021 Einwendungen einreichen – das geschah in großer Zahl (auch durch mich) und sollte laut (1) öffentlich erörtert werden. Leider hält sich die Landesdirektion Sachsen diesbezüglich sehr bedeckt: „[Es steht] derzeit noch nicht fest […], wann und in welcher Form der Erörterungstermin durchgeführt wird.“

        Das sieht sehr nach Verschleppung statt transparenter Öffentlichkeits- und Bürger*innenbeteiligung aus.

        (1) https://www.lds.sachsen.de/bekanntmachung/?ID=17104&art_param=612

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