Seit seiner Gründung im Jahr 2018 setzt sich der Allmende Taucha e. V. für regionale und gesunde Ernährung im Raum Taucha und darüber hinaus ein. Doch das passt einigen Leuten in Taucha offenbar nicht. Gewaltsam versuchen sie, in der kleinen Stadt nordöstlich von Leipzig Stimmung zu machen und Projektbetreiber einzuschüchtern, die nicht in ihre Weltdeutung passen. Doch jetzt wehrt sich auch Tauchas Bürgermeister Tobias Meier.

Der Allmende Taucha e. V. steht den verschiedenen Projekten der Solidarischen Landwirtschaft um Taucha nahe. Dort wird vorwiegend Gemüse nach ökologischen Kriterien und mit starker Einbindung der Verbraucherinnen und Verbraucher erzeugt. Lebensmittel und deren gemeinschaftliche Produktion dienen dabei als Fundament für eine neue Kultur des Wirtschaftens, des Austauschs und der Begegnung.

Mit Geldern aus dem EU-Förderprogramm LEADER setzt sich der Verein seit drei Jahren für die Vernetzung von Verbraucherinnen und Verbrauchern und regionalen Lebensmittelproduzenten im Delitzscher Land ein. Seit 2021 sorgt der Verein außerdem – zusammen mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und weiteren Partnern aus ganz Sachsen – im Rahmen des Projekts InnoLand-Sachsen für den Wissenstransfer zu Solidarischer
Landwirtschaft in andere Regionen.

Wiederholte Attacken: Passt der Verein einigen Kreisen nicht ins Weltbild?

Der Allmende Taucha e. V. mietet seit 2019 ein Ladengeschäft in der Tauchaer Altstadt in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz. Der Laden in der Leipziger Straße 12 dient dem Verein als Büro und Anlaufstelle für Interessierte.

Für Herbst 2022 war die Eröffnung eines Regionalladens in den Räumlichkeiten angedacht. Jedoch wurde seit dem 1. September 2020 siebenmal eine Scheibe der Schaufensterfront mutwillig zerstört.

Beim jüngsten Vorfall in der Nacht auf den 10. September 2022 durchschlug ein mehrere Kilos schwerer Asphaltbrocken eine große Schaufensterscheibe und führte auch im Ladeninneren zu Beschädigungen. Der Verein selbst vermutet hinter der Serie von Sachbeschädigungen rechts motivierte Einschüchterungsversuche.

So heißt es in einer Erklärung auf der Webseite des Vereins: „Der Allmende Taucha e. V. wird hier – unserer Einschätzung nach – stellvertretend für die in den vergangenen Jahren angewachsenen lebendigen Projekte der Solidarischen Landwirtschaft angegriffen.“

Hot-Spot der Solidarischen Landwirtschaft

Taucha ist mit fünf Betrieben zu einer Art Hot-Spot der Solidarischen Landwirtschaft in Deutschland avanciert.

Daher appelliert der Bürgermeister an die Bürgerinnen und Bürger, die Angriffe nicht zu dulden und zu zeigen, dass auch neue Initiativen in Taucha Platz haben und dabei unterstützt werden, Fuß zu fassen.

„Bei Hinweisen und Erkenntnissen über die Straftaten, wird gebeten, sich an die Polizei zu wenden, damit die Serie an Angriffen aufgeklärt werden kann und ein Ende findet. Wir können zusammen nicht hinnehmen, dass gegebenenfalls von Privatpersonen das Zuhause, Unternehmen oder Arbeitsstellen betroffen sind“, so der Bürgermeister.

Auch wenn die Anzeigen bei der Polizei bislang ergebnislos blieben, verurteilt der Tauchaer Bürgermeister Tobias Meier die anhaltenden, sehr wahrscheinlich gezielten, Sachbeschädigungen mit Nachdruck: „Sie stellen in einem demokratischen Rechtsstaat kein legitimes Mittel der Meinungsäußerung und politischen Auseinandersetzung dar und müssen konsequent strafrechtlich verfolgt werden.“

Der Hauseigentümer der Leipziger Straße 12 Patrick Oswald betont: „Mir geht es hier um regionale Lebensmittel, Gemüse frisch vom Acker und eine positive Altstadtentwicklung. Gerne hätte ich einen Regionalladen in dem Ladenlokal gesehen. Eingeschlagene Scheiben helfen da nicht.“

„Die Tauchaer Altstadt attraktiv und lebendig zu gestalten, ist an sich schon eine große Herausforderung für die Stadtentwicklung. Wenn neue Ideen dann von Einzelnen mit krimineller Energie wiederholt so angegangen werden, ist dies kein gutes Zeichen für Taucha“, sagt Tobias Meier.

„Auf unsere kleine Stadt, in der viele mit großem Herz, Offenheit und Vielfalt alltäglich leben, können wir zurecht stolz sein und dürfen uns Erreichtes nicht zerstören lassen. Dass ein Privateigentümer seine Räume im Erdgeschoss als Ladengeschäft an neue Initiativen vermietet und dabei Schaden erleidet, ist dabei mehr als ärgerlich.“

Patrick Oswald, der in Taucha auch als selbstständiger Koch tätig ist, betont: „Ich finde es sehr inspirierend, wenn das Gemüse direkt aus der Umgebung kommt und ich auch die Betriebe ohne lange Wege besuchen kann. Wir sollten froh sein, mit dem, was wir hier in Taucha haben und die Chancen sehen.“

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