Sowohl in Markkleeberg als auch in Leipzig war man spätestens seit 2021 der festen Überzeugung, dass die marode B2-Brücke durch den Agra-Park demnächst durch einen Tunnel ersetzt wird. So hatte es auch der Freistaat Sachsen zugesagt. Aber nach den Bauwerksuntersuchungen im Herbst 2025 war schnell klar: Die Zeit für die Planung eines Tunnels gibt es nicht mehr. Es muss schnell gehandelt werden.
Und so kündigte Infrastrukturministerin Regina Kraushaar einen Ersatzneubau als Brücke an. Ein Brief, angeregt durch die Kulturstiftung Leipzig, legte dagegen Protest ein. Den hat auch OBM Burkhard Jung unterzeichnet.
Was nun die BSW-Fraktion auf den Plan rief, einmal nachzufragen, warum OBM Burkhard Jung den Brief unterzeichnet hat.
Die Antwort auf die Anfrage hat das Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) formuliert.
„Die Kulturstiftung Leipzig hat am 02.03.2024 einen offenen Brief an die Sächsische Staatskanzlei verschickt, um endlich Alternativen zum Ersatz der agra-Brücke zu planen. Der Oberbürgermeister Burkhard Jung und der zuständige Baudezernent Thomas Dienberg unterstützen das Anliegen der Kulturstiftung Leipzig ausdrücklich“, heißt es in der Antwort.
Und die Unterstützung habe auch Gründe: „Die Frage der Abwägung spielte dabei eine zentrale Rolle. Seit vielen Jahren setzen sich die Stadt Leipzig und der Landkreis Leipzig für die Planung einer tiefergelegten Bundesstraße ein. So heißt es in dem Schreiben u.a. zur historischen Einordnung: ‚Die Errichtung der agra-Brücke im Zuge des Braunkohle-Tagebaus war ein Akt des Raubbaus an Natur und Kulturlandschaft, von dem sich der Park und die angrenzenden Gebiete in Markkleeberg und im südlichen Leipzig nie erholen konnten.‘
Und weiter: ‚Er würde einen von der DDR hinterlassenen eklatanten städtebaulichen Missstand für die nächsten Generationen zementieren und zugleich das Vertrauen der Politik bei Bürgerinnen und Bürgern verspielen, die sich jahrzehntelang ehrenamtlich für die Zukunft des agra-Parks eingesetzt haben. Diesen Aussagen kann sich die Stadtverwaltung nur anschließen.‘
Leider muss konstatiert werden, dass der Vorhabenträger zu keinem Zeitpunkt mit der Stadt Leipzig in eine Abwägung einsteigen wollte. Bis zuletzt wurde seitens des Landes und Bundes Unterstützung für eine bessere Lösung signalisiert. Die Entscheidung der Landesregierung für einen Ersatzneubau ist ohne Beteiligung der Stadt Leipzig und des Landkreises erfolgt. Es gehört zur politischen Ehrlichkeit dazu, diesen Widerspruch zwischen den gemeinsamen Vereinbarungen der letzten Jahre und der Entscheidung der Landesregierung aufgrund der akuten Gefährdungssituation der Brücke anzusprechen.“
Die Brücke ist die preiswertere Lösung
Der Freistaat hatte mindestens fünf Jahre lang Zeit, die Planungen für eine Tunnel- oder Troglösung voranzutreiben. Inzwischen freilich kursieren erstaunliche Zahlen, was eine Tunnellösung nach den derzeitigen Baupreisen am Ende kosten würde. Von fast 200 Millionen Euro ist die Rede, mehr als dreimal so viel wie der Brückenneubau kosten würde. Ein nicht unwichtiges Entscheidungskriterium in Zeiten knapper Kassen.
Wie nun gebaut wird, entscheidet freilich allein die sächsische Staatsregierung. Mit den Worten des MTA: „Es handelt sich um ein Bauvorhaben des Freistaates Sachsen. Der Stadtverwaltung liegen gegenwärtig keine aktuellen Unterlagen zu Kostenschätzungen der verschiedenen Varianten vor. Für detaillierte Antworten wird daher auf das Landesamt für Straßenbau und Verkehr verwiesen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ein Ersatzneubau weniger kostet.“
Und wenn der Freistaat eine neue Brücke baut, werden auch die ins Spiel gebrachten zwölf Jahre Bauzeit für einen Tunnel nicht eintreten, nach denen die BSW-Fraktion ebenfalls gefragt hatte.
„Da Stand heute vom Freistaat keine Realisierung eines Tunnels geplant wird, sind entsprechende Pläne zum aktuellen Zeitpunkt nicht erforderlich und wären rein spekulativ“, erklärt das MTA. „Zudem ist die Stadt Leipzig ausschließlich für die Führung des Verkehrs in ihrem Stadtgebiet zuständig. Sollte der Vorhabenträger seine Pläne ändern, wird die Stadt Leipzig im Rahmen von Vorbereitung, Planung und Bau zu dann notwendigen Umleitungsführungen in den einzelnen Phasen angehört und beteiligt. Des Weiteren würde in einem solchen Fall ein enger Austausch mit den ÖPNV-Aufgabenträgern stattfinden, um alle Belange, einschließlich notwendiger Anpassungen im S‑Bahn-, Straßenbahn- und Busverkehr, zu prüfen.“
Und zur diskutierten Variante überdeckelter Trog gibt es keine Kostenschätzungen, wie das MTA betont. „Der Verwaltung liegen dazu gegenwärtig keine aktuellen Unterlagen vor.“
Wie auch anders, da es seit fünf Jahr nicht einmal eine gründliche Variantenuntersuchung gegeben hat. Das MTA verweist zu den tatsächlich verfügbaren Informationen auf das Landesamt für Straßenbau und Verkehr sowie die Informationen unter B 2 Agra-Brücke – Landesamt für Straßenbau und Verkehr – sachsen.de.
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Demokratische Anarchie, Teil 2
Über Jahre hinweg wurde engagierten Bürgern sowie den beteiligten Kommunen offiziell zugesichert, dass sich dieser bauliche Frevel im agra-Park nicht wiederholen werde. Eine Tunnel- oder zumindest Troglösung wurde wiederholt(!) in Aussicht gestellt.
Nun steht plötzlich im Raum, es habe nie weiterführende Planungen gegeben?
Das ist jahrelang unterlassenes Handeln.
Dass eine Trog- oder Tunnellösung teurer wäre als ein einfacher Brückenneubau, war nie strittig. Doch die billigste Variante darf und kann aber nicht automatisch zur Referenz werden.
Maßstab muss und darf nur eine Lösung sein, die dem städtebaulichen, landschaftlichen und historischen Raum angemessen ist.
Eine Bundesstraße ist keine reine Verkehrsfläche, dessen Asphaltbezahler willkürlich handeln kann.
Sie ist in diesem Fall auch Teil des Stadtraums.
“Integrierte Stadtentwicklung”: Haha! Die neue Brücke widerspricht diesem Leitbild fundamental.
Die LD verschandelt hier Leipzigs Stadtraum.
Warum werden diejenigen nicht zur Verantwortung gezogen, die über Jahre hinweg gelogen oder hinters Licht geführt haben?
Das Vorgehen der heutigen Entscheider wirkt in seiner Ignoranz und Willkür erschreckend ähnlich zu dem, was man der DDR-Regierung vorwirft.
Wenn demokratische Beteiligung am Ende keine Rolle spielt, stellt sich zwangsläufig die Frage:
Warum sollte man dann die mühsamen demokratischen Prozesse autokratischen Entscheidungen überhaupt noch vorziehen?
Im Übrigen zum Thema Kosten:
Der Verlust an Vertrauen gegenüber Ehrenamt, Bürgerbeteiligung und Kommunen ist ein realer, riesengroßer politischer Schaden, der ständig in Zusammenhang mit der AfD beklagt wird.
Dieser taucht in keiner Kostenrechnung auf.
Frau Kraushaar darf sich nun zu den Verantwortlichen zählen.