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Zum ersten Mal gibt es die Hälfte der Sächsischen Verdienstorden für Frauen

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    Wie ist das eigentlich mit den Frauen? Ducken die sich immer weg, wenn es was zu tun gibt? Sind sie nicht da, wenn Entscheidungen getroffen werden? Sind es tatsächlich Männer, die allein durch ihre großen Taten glänzen? Möglicherweise nicht, konnten die Grünen schon vor einem Jahr feststellen. Wenn Frauen „vergessen“ werden, hängt das augenscheinlich mit der Bettelei von Männern zusammen.

    Denn nichts anderes steckt in der Stellungnahme, die Staatsminister Dr. Fritz Jaeckel 2016 im Namen der Regierung auf einen Antrag der Grünen hin verfasst hat, die Ordensvergabe in Sachsen endlich geschlechtergerecht zu gestalten.

    Am 24. Mai hat die Sächsische Staatsregierung nämlich angekündigt, dass Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am heutigen Montag, 29. Mai, den Sächsische Verdienstorden an sieben Frauen und sieben Männer verleihen wird, was die Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag außerordentlich begrüßt.

    Denn in Jaeckels Antwort vor einem Jahr hatte es noch geheißen: „Bei neu zu treffenden Verleihungsentscheidungen müsste mit Blick auf die Limitierung des Ordens die bisherige Praxis der Verleihung berücksichtigt werden. Ein ausgewogenes Regularium liegt aber schon vor. Allenfalls könnte sich Handlungsbedarf aus der Verleihungspraxis ableiten lassen. Das hätte möglicherweise zur Folge, dass verdienstvollen männlichen Personen ein Unrecht im Sinne der Gleichstellung zugemutet werden müsste. Der Verdienstorden des Freistaates Sachsen ist nicht für eine paritätische Verteilung gestiftet worden. Mit seiner Verleihung sollen Personen, die herausragende außergewöhnliche Leistungen zum Wohle der Allgemeinheit und zum Wohle des Freistaates Sachsen erbracht haben – ungeachtet ihres Geschlechts – gewürdigt werden. Allein daran wird der Maßstab in der Verleihungspraxis gesetzt.“

    „Dass verdienstvollen männlichen Personen ein Unrecht im Sinne der Gleichstellung zugemutet werden müsste“?

    Jämmerlicher kann man auf so einen Antrag nicht reagieren.

    Gerade einmal 15 Prozent betrug der Anteil der Frauen bei den vergebenen sächsischen Verdienstorden bis dahin. Im Folgejahr ist er auch nur auf 25 Prozent gestiegen.

    Dass jetzt auch zwei renommierte Forscherinnen der Uni Leipzig für den Verdienstorden vorgeschlagen wurden, sagt alles über die Blindheit, mit der bis dahin bei der Auswahl würdiger Personen agiert wurde. Augenscheinlich dachten die auswählenden Männer nur an die Männer, denen sie fortwährend auf Empfängen und Ordensverleihungen begegnen. Ihr Weltbild ist durch Männer geprägt, die alle wichtigen politischen Positionen besetzen. Aus einem besetzten Amt wurde ganz automatisch auch schon mal ein Verdienst.

    Das ist nicht nur sächsisch. Das ist überall im Lande so, wo sich die sowieso schon mit gut bezahlten Ämtern Belohnten auch noch gegenseitig emsig mit Orden behängen.

    Dabei haben sie all jene Welten, in denen genauso engagiert am Fortschritt der Gesellschaft gearbeitet wird, längst aus den Augen verloren. Und zwar gerade jene Welten, in denen Frauen all jene Dinge tun, ohne die die Männer oben an der Spitze regelrecht aufgeschmissen wären. Die oft international wirksame Forschung an Sachsens Hochschulen ist dafür nur ein Beispiel. Viel zu selten tauchen auch Lehrerinnen, Ärztinnen, Unternehmerinnen und Künstlerinnen in diesen Anerkennungsrunden auf.

    Wer wissen will, wie männliche Entwertung von Frauenarbeit die ganze Zeit passiert, kann es an so einem simplen Beispiel beobachten. Und in Jaeckels Satz steckt der Vorgang geradezu in nuce. Man hat die traurigen Männer regelrecht vor Augen, wie sie schamhaft beiseite treten mit dem Schmollen im Gesicht, das verkündet, wie sehr sie die Auszeichnung der Frauen als Zumutung und Unrecht empfinden.

    Sind Männer tatsächlich so eitel?

    Augenscheinlich schon.

    Dabei sagt einem schon ein wenig gesunder Menschenverstand, dass es eine Illusion sein muss, dass Männer drei Viertel aller „zum Wohle des Freistaates Sachsen“ erbrachten Leistungen vollbracht haben sollen. Was ist mit den Therapeutinnen, die die kaputtgeleisteten Männer wieder reparieren? Mit Architektinnen und den vielen engagierten Frauen in der Sozialfürsorge?

    Jaeckels Stellungnahme erzählt genau von diesem Nicht-Wahrnehmen-Wollen und von der Entwertung all dessen, was Frauen tun.

    „Ich freue mich, dass sich der Ministerpräsident unserer Forderung zu den Verdienstorden angenommen hat. Offenbar ist er sich der ungleichen Verteilung der Ehrungen bewusst geworden“, sagt nun Katja Meier, gleichstellungspolitische Sprecherin  der Grünen-Fraktion im Landtag, dazu, dass sich die sächsische Regierung endlich dazu durchgerungen hat, die Verdienstorden paritätisch zu vergeben. „Es ist ebenso zu begrüßen, dass bei der Ehrung der Frauen verschiedenste Tätigkeitsbereiche, von naturwissenschaftlicher Forschung über Politik und Kultur hin zur DDR-Aufarbeitung und klassischer Hilfe für die Schwächsten der Gesellschaft, vertreten sind. Dies spiegelt die vielfältigen Verdienste nicht nur dieser Frauen in und für Sachsen wider.“

    Und vielleicht ändert es auch einmal die Sicht der Regierenden auf das, was Frauen die ganze Zeit leisten. Oft genug „im Stillen“, wie es so schön heißt, in dienender Tätigkeit, weil die Männer im Rampenlicht ja viel zu viel zu tun haben, um sich auch noch um Wäsche, Kinder und Mittagessen zu kümmern.

    „In einem Antrag, der im März 2017 im Landtag diskutiert wurde, hatten wir Grüne die Vergabe der Orden an Frauen in mindestens gleicher Anzahl wie an Männer gefordert. Die CDU/SPD-Koalition hatte unseren Antrag abgelehnt und auch die Staatsregierung hatte sich ablehnend geäußert“, erinnert Katja Meier an die eigenwillige Stellungnahme von Fritz Jaeckel. „Ich hoffe und erwarte, dass auch im nächsten Jahr mindestens 50 Prozent der Sächsischen Verdienstorden an Frauen verliehen werden. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wird die Staatskanzlei dabei unterstützen, indem sie zahlreiche Vorschläge dazu unterbreiten wird.“

    Der Antrag der Grünen mit der Stellungnahme der Staatsregierung. Drs. 4955

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