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Museum in der „Runden Ecke“: Ohne modernes Ausstellungskonzept steht die Förderung künftig infrage

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    Das Thema „Wie weiter mit der Gedenkstätte in der Runden Ecke?“ ist schon lange nicht mehr nur ein Leipziger Thema, denn gefördert wird die Gedenkstätte auch mit Landesmitteln. Die Gedenkstättenstiftung hat mittlerweile eine recht klare Haltung dazu, welches wissenschaftliche Niveau sie sich in diesem besonderen Museum erwartet. Und die Grünen im Landtag haben das jetzt in zwei Anfragen genauer erkundet.

    Die kulturpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen-Fraktion im Sächsischen Landtag, Dr. Claudia Maicher, hatte sich zuletzt in einer Kleinen Anfrage nach der institutionellen Förderung des Bürgerkomitee Leipzig e. V. durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten erkundigt. Mittlerweile liegen die Antworten des Staatsministeriums für Kultur und Tourismus vor.„Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten lässt sich von der Leitung des Museums in der ,Runden Ecke‘ nicht länger Sand in die Augen streuen“, erklärt Claudia Maicher zur Auskunft über die Bedingungen für die institutionelle Förderung des Museums.

    „Ich begrüße den Beschluss des Stiftungsrates unter Vorsitz von Kulturministerin Barbara Klepsch, die Fördermittel in Höhe von 205.000 Euro für das Jahr 2021 an die Erfüllung von konkreten Voraussetzungen zu koppeln, ausdrücklich. Damit wird der Entwicklungsblockade und einem weiteren konzeptionellen Leerlauf endlich etwas entgegengesetzt. Denn dieser Zustand ist für den Freistaat Sachsen peinlich und besonders für jene Leipzigerinnen und Leipziger, die selbst in der DDR-Bürgerrechtsbewegung aktiv waren, äußerst frustrierend. Ich halte ihn für nicht länger hinnehmbar.“

    Es sei schon bemerkenswert, dass Selbstverständlichkeiten wie die Erreichbarkeit und Auskunftsfähigkeit sowie eine ordnungsgemäße Verwaltung des Museums in der Runden Ecke erst eingefordert werden müssten.

    „Der wichtigste Hebel für eine zeitgemäße Überarbeitung der Dauerausstellung und der Gestaltung der Gedenkstätte als moderner Lernort historisch-politischer Bildung ist ein wissenschaftlicher Beirat, den der Vorstand des Bürgerkomitees nicht einfach passend zur eigenen Scheuklappenmentalität besetzen kann, sondern dem die Stiftung zustimmen muss“, geht sie auf den zentralen Beschlusspunkt der Gedenkstättenstiftung ein.

    Womit es – wie Maicher feststellt – nun schon zwei Fördergeldgeber sind, die vom Bürgerkomitee Leipzig e. V., dem Träger des Museums, eine moderne Ausstellungskonzeption fordern.

    „Mit dem Kulturdezernat der Stadt Leipzig und der Gedenkstättenstiftung setzen nun die wichtigsten Geldgeberinnen vollkommen zu Recht die Gedenkstättenleitung in Handlungsverantwortung“, sagt Maicher. Sie muss aber auch feststellen, dass seit dem Beschluss der Gedenkstättenstiftung im Dezember wieder drei Monate tatenlos verstrichen sind.

    „Stattdessen hört man vom Gedenkstättenleiter weiterhin, es gäbe ein bestätigtes Entwicklungskonzept. Angesichts der breiten und durch die Fachexpertise der Stiftungsgremien begründeten Kritik hinsichtlich eines fehlenden Konzepts bleibt da nicht mehr viel Glaubwürdigkeit übrig. Ich hoffe im Interesse der wichtigen DDR-Aufarbeitung in Leipzig, dass der Knoten endlich platzt. Herr Hollitzer muss lernen, dass auch einem Träger einer einzigartigen und wichtigen Gedenkstätte Fördermittel nicht aufgrund der nackten Existenz zustehen können, sondern sich die Gedenkstätte einer fachlichen Professionalisierung öffnen muss. Ich plädiere sehr dafür, dass die Fördermittelgeber in dieser Sache konsequent bleiben.“

    Die Ergebnisse der zweiten Anfrage haben auch Maicher verblüfft: „Denn wenn es nach dem Vorstand des Bürgerkomitees geht, verläuft die Weiterentwicklung der Gedenkstätte in eine andere Richtung. Ich finde es sehr irritierend, dass die vom Trägerverein beantragte Investitionsförderung aus PMO-Mitteln in einer Gesamthöhe von fast einer halben Million Euro ohne Folgen für die Qualität der bisher genutzten Ausstellungsräume oder der Ausstellung bleiben würde. Investiert werden soll ausschließlich in andere Gebäudeteile im Eigentum der Stadt Leipzig. Das geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine weitere Kleine Anfrage von mir hervor.“

    Mit der Modernisierung der in die Jahre gekommenen Ausstellung habe das nichts mehr zu tun, stellt Maicher fest: „Dem Bürgerkomitee geht es hier offensichtlich um eine räumliche Erweiterung, wofür – da schließt sich der Kreis der Konzeptlosigkeit – keine inhaltliche Grundlage oder Eckpunkte einer Nutzungsvereinbarung bekannt sind. Währenddessen soll die eigentliche Ausstellung offenbar unangetastet bleiben. Es wäre schwer verständlich, wenn ein so hoher Mittelbetrag auf diese Weise an den Prioritäten der Stadt Leipzig in puncto ,Runde Ecke‘ vorbei eingesetzt werden soll. Zumal hier fraglich ist, wie denn das Bürgerkomitee in seiner aktuellen Aufstellung eine solche Erweiterung organisatorisch bewältigen und mit modernen Inhalten füllen soll, wenn es noch nicht einmal die bestehende Ausstellung museologisch weiterentwickeln kann.“

    Da die beantragten Mittel großenteils im öffentlichen Raum investiert werden sollen, braucht der Bürgerkomitee Leipzig e. V. zwingend eine Zustimmung und Abstimmung mit der Stadt, die die Museumsleitung eigentlich bis zum 31. März einbringen muss, wie Barbara Klepsch feststellt: „Die Mittel der 5. Tranche der RMO-Mittel müssen bis zum 31.12.2022 verwendet werden. Dem Antragsteller wurde aktuell eine Frist bis zum 31.03.2021 gesetzt, um erforderliche Abstimmungen mit der Stadt Leipzig abzuschließen. Eine verbindliche Frist, bis zu der reservierte Mittel für ein anderes Projekt bewilligt werden müssten, um dort fristgerecht Verwendung finden zu können, besteht nicht.“

    Da diese beantragten Mittel mit der Museumskonzeption selbst nichts zu tun haben, bleibt es der Museumsleitung unbenommen, Mittel für diese Konzeption zu beantragen. Was aber wieder ohne wissenschaftlichen Beirat und eine von beiden Fördergeldgebern bestätigte Ausstellungskonzeption nicht funktioniert.

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