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Thüringer HC vs. HC Leipzig 24:23 – Zwischen Genie und Wahnsinn

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    Unterm Strich steht die Niederlage. Knapp - aber Niederlage. Ob das Zustandekommen des 24:23-Endstandes beim HCL mehr Hoffnung oder Stirnrunzeln hervorruft, ist noch ungewiss. In der jederzeit spannenden Partie am Mittwoch in Bad Langensalza gab es genügend Grund für beides. Sechseinhalb Minuten vor dem Ende sahen die Leipzigerinnen mit sechs Toren Rückstand bereits wie der sichere Verlierer aus, doch dann starteten sie eine verrückte Aufholjagd...

    Die Partien der HCL-Handballerinnen gegen den Thüringer HC sind nicht gerade das, was man unter einer Erfolgsstory versteht. Im März 2012 gelang Leipzig zum letzten Mal ein Auswärtssieg gegen den inzwischen sechsfachen Deutschen Meister. Seitdem setzte es in der Salza-Halle teils vernichtende Niederlagen. Die letzte jedoch fiel denkbar knapp aus. Vor gerade einmal 38 Tagen musste sich der HCL im Supercup-Finale mit 21:22 geschlagen geben und machte dabei eine ordentliche Figur.

    Ins Bundesliga-Spiel am Mittwoch gingen beide Teams gleichermaßen mit personellen Ausfällen. Beim THC wurde die an einer Angina laborierende Kapitänin Kerstin Wohlbold schmerzlich vermisst, zudem fehlten Beate Scheffknecht und die frühere Leipzigerin Maria Kiedrowski verletzungsbedingt.

    Leipzig lief – neben der noch immer verletzten Michelle Urbicht – auch ohne Rückraum-Rakete Saskia Lang auf, die sich im letzten Pokalspiel einen Muskelfaserriss eingefangen hatte. Zudem fehlt nun dauerhaft Kreisläuferin Luisa Schulze, die per Blitz-Transfer nach Bietigheim entschwebte.

    Hubi hält Leipzig im Spiel

    Die ersten Minuten des mitteldeutschen Handball-Derbys machten den Anhängern des HCL wenig Mut. Nach fünf Minuten führte der THC mit 3:1 und schien die Sache im Griff zu haben. Doch dann zeigte Anne „Hubi“ Hubinger, dass ihre 12-Tore-Gala vor zwei Wochen gegen Buxtehude keine Eintagsfliege war. Mit einem doppelten Doppelpack trug sie wesentlich dazu bei, dass ihr Team plötzlich mit 4:7 (17.) in Front lag.

    Bis zum 7:10 (21.) gelang es den in Schwarz spielenden Leipzigerinnen immer wieder, den Drei-Tore-Sicherheitsabstand zu verteidigen. Nun aber schlichen sich im Angriffsspiel vermehrt (technische) Fehler ein – und plötzlich traf nur noch der THC. Vier Gegentore in Folge sorgte für das 11:10 (27.), was die erste Thüringer Führung seit der 10. Spielminute (3:2) war.

    In den letzten Jahren hätten beim HCL jetzt die Nerven zugeschlagen, doch die Sachsen fingen sich wieder. Auf jede THC-Führung hatten sie bis zur Halbzeit immer die richtige Antwort parat, so dass es mit einem gerechten 12:12 zum Pausentee ging. Hier war noch alles möglich.

    Leipzig kam wacher aus der Kabine zurück. Hubi – wer sonst? – eröffnete mit ihrem Treffer die zweite Hälfte. Es war bereits das siebente von am Ende zehn Hubinger-Toren. Jetzt war es der HCL, der immer wieder eins vorlegte – doch die Gastgeber glichen bis zum 17:17 (39.) jeweils aus. Es hatte den Anschein, als würde es in diesem Muster bis zum Ende weitergehen. Tat es aber nicht.

    Nichts für schwache Nerven

    Denn mit einem Mal war Schluss mit der HCL-Courage. Dinah Eckerle im THC-Tor wuchsen scheinbar acht Arme, sie fing so ziemlich alles ab, was an Würfen auf ihren Kasten abgegeben wurde. Dafür klingelte es auf der anderen Seite im Dauerton. Zwischen der 39. und 49. Minute fiel die Torbilanz 8:1 für den THC aus, was sich auf der Anzeigetafel in einem 24:18 widerspiegelte.

    Augenzeugen, die wenigstens einen Pfifferling mit sich führten, hätten diesen mit großer Gewissheit NICHT auf den HCL gesetzt. Denn den Gästen drohte nun eine Demontage, die sie an gleicher Stelle schon viel zu oft über sich ergehen lassen mussten. Daran schienen sie aber nicht interessiert und verblüfften Pilz- und Handballfreunde gleichermaßen mit einer mentalen Wiederauferstehung.

    Hubinger – immer wieder Hubinger! – leitete mit ihrem 10. Treffer (24:19/ 54.) eine packende Schlussphase ein. Die Zuschauer in der Salza-Halle rieben sich die Augen und inhalierten Beruhigungstropfen, als Leipzig Tor um Tor näher kam. Für den gesamten Rest der Partie gelang dem THC kein einziger Treffer mehr – Nele Kurzke hielt ihre Bude blitzsauber. Vorn allerdings ballerte sich der HCL den Frust von der Seele. So hatte sich Leipzig zwei Minuten vor Ultimo auf 24:23 herangekämpft. Stark!

    Aber, aber, aber: Den Punkt auf’s „i“ bekamen die Rentsch-Schützlinge nicht platziert. Für den allerletzten Wurf nahm sich Karolina Kudlacz-Gloc ein Herz, doch bekam den Ball nicht in den Maschen unter. Auch wenn es am Ende schön anzuschauen war, die Punkte gingen in Thüringen erneut verloren. Zehn grässliche Minuten hatten Leipzig um den Lohn ihrer darüber hinaus achtbaren Leistung gebracht. In der Tabelle hat der THC den HCL nun auf den 4. Platz verdrängt.

    Schon am Freitag geht es für die Leipzigerinnen auf große Reise. Sportliche 3.100 Kilometer weit reist der HCL-Tross an die Wolga ins russische Astrachan. Am Samstag um 16 Uhr steht dort für die Rentsch-Sieben die erste Partie in der Champions League auf dem Programm.

    Die Statistik zum Spiel

    Thüringer HC vs. HC Leipzig 24:23 (12:12)
    1. Bundesliga (Frauen), 5. Spieltag

    Thüringer HC: Krause, Eckerle – van de Wiel (1), Pintea (1), Schmelzer, Niederwieser (7), Aguilar Diaz (1), Luzumova (8/3), Engel (2), Houette (4), Jakubisova, Planeta. Trainer: Herbert Müller.
    HC Leipzig: Kramarczyk, Kurzke, Roth – Mazzucco (1), Mietzner, Einarsdottir (2), Kudlacz-Gloc (2), Bösch (4/2), Hubinger (10/1), Reimer, Minevskaja (3), Sturm, Rode (1). Trainer: Norman Rentsch.

    Schiedsrichter: Robert Schulze/ Tobias Tönnies. Siebenmeter: THC 7/3 (Luzumova 5/3, Schmelzer 1/0, Planeta 1/0), HCL 6/3 (Bösch 2/2, Hubinger 2/1, Kudlacz-Gloc 1/0, Minevskaja 1/0). Zwei-Minuten-Strafen: THC 3x (Planeta, Pintea, Niederwieser), HCL 1x (Minevskaja). Zuschauer: 1.100 in der Salza-Halle, Bad Langensalza.

    Mehr Informationen zur Frauen-Bundesliga:
    http://hbf-info.de

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