2.8 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Triathlet Marc Werner: „Ich musste heulen wie ein kleines Kind“

Mehr zum Thema

Mehr

    Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 69, seit 19. Juli im HandelSensationelle Leistung vom Leipziger Triathleten Marc Werner. Der 42-Jährige absolvierte bei der weltgrößten Triathlon-Langdistanz der Welt im fränkischen Roth seinen allerersten Wettkampf über die Langdistanz und das in unter neun Stunden. Für die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und den vollen Marathon am Ende brauchte der für den LFV Oberholz startende Werner nur 8:57 Stunden.

    Das ist gleichzeitig die zweitbeste Zeit eines Leipzigers in Roth. Nur Per van Vlerken war 2015 mit 8:04 Stunden deutlich schneller und wurde letztlich Vierter in der Gesamtwertung. Im Gegensatz zu Werner ist Vlerken allerdings Profi-Triathlet. Wie Marc Werner als Teilzeit-Triathlet Dritter in seiner Altersklasse und 53. in der Gesamtwertung werden konnte, erklärt er im LZ-Interview.

    Neben Werner startete auch die ebenfalls aus Großpösna stammende Manuela Süß und wurde mit 9:43 Stunden 18.-beste Frau in Roth und zweitbeste in ihrer Altersklasse. Süß wird im Oktober erneut an der Triathlon-Weltmeisterschaft in Hawaii teilnehmen und sah Roth nur als Trainingswettkampf. Beim Ironman in Klagenfurt verpasste Max Breitkreutz die Qualifikation für Hawaii nur knapp. Nach 9:15 Stunden kam der Triathlet von Roter Stern als 34. im Gesamtklassement und Sechster in seiner Altersklasse ein.

    Herr Werner, Glückwunsch zu diesem herausragenden Platz. 53. bei der Challenge Roth und Dritter in der eigenen Altersklasse schafft nicht jeder. Haben Sie Ihr persönliches Ziel damit für die Challenge erreicht, und hat sich damit aus Ihrer Sicht all der Aufwand gelohnt?

    Mein persönliches Ziel, auf das ich hingearbeitet habe, war sub 1-5-3. Also unter eine Stunde Schwimmen, unter fünf Stunden Rad und den Marathon in unter drei Stunden zu absolvieren. Das habe ich alles geschafft. Und mit einer sub 9 Stunden habe ich genau das Ziel erreicht, was ich wollte. Der Aufwand hat sich damit mehr als gelohnt.

    Für diejenigen, die die Challenge Roth nicht kennen: Was macht die Faszination dieses Wettkampfs aus?

    Alle haben vorher davon geschwärmt, also musste ich mich selbst davon überzeugen. Es fängt beim Schwimmen an den Tagen vorher an, für das extra der Kanal gesperrt wird. Da trainieren hunderte Gleichgesinnte und es herrscht eine grandiose Stimmung. Die Pasta Party am Freitag ist bereits eine tolle Party, auf der auch die Profis vorgestellt werden. Tausende Triathleten in einem Zelt bei leckeren Speisen und Getränken.

    Die Organisation ist der Hammer. Bei knapp 6.000 Startern inklusive Staffeln klappt alles nahezu reibungslos. Das Beste ist aber der Wettkampf überhaupt und die Stimmungsnester überall. Am Solarer Berg stehen zehntausende Zuschauer und bilden eine enge Gasse, wie man sie nur von der Tour de France kennt. Gänsehaut-Feeling pur. Die neun Stunden vergingen somit recht schnell.

    Schon um 6:30 Uhr ging der Wettkampf mit dem Schwimmen los. Wann sind Sie aufgestanden und vor allem: Konnten Sie vorher gut schlafen?

    Aufgestanden bin ich erst 4:15 Uhr nach nur circa drei Stunden Schlaf. Die vorletzte Nacht war ich auch irgendwie so aufgeregt, dass ich fast gar nicht geschlafen habe. Das Problem hatte ich vorher so noch nie.

    Wie sah die sportliche und organisatorische Vorbereitung die Tage zuvor aus?

    Ich bin bereits am Donnerstag angereist, um alles entspannt zu schaffen. Startunterlagen abholen, Radstrecke noch mal abfahren, also nur eine Runde circa 85 Kilometer, mit Gleichgesinnten sich aufpuschen (lacht). Pasta-Party, Wettkampfbriefing und Check-in am Samstag und so weiter. Meine Familie ist erst Samstagnachmittag dazugekommen.

    Die Challenge ist die weltgrößte Triathlon-Veranstaltung auf der Langdistanz. Roth ist wiederum nur eine Kleinstadt. Hat logistisch alles gepasst?

    Logistisch war es eine Meisterleistung, vom Busshuttle zurück mal abgesehen. Der kam zu spät und nahm leider nur willkürlich den Anhang der Sportler mit. Ärgerlich, wenn man da mit Familie steht und nicht weiß, wie man wieder zurück zu Schwimmstart und Auto kommt.

    "Der Anstieg nach Büchenbach war gefühlt das Matterhorn. Allein der Gedanke an die sub 9 hat mich vorangetrieben." Foto: Kenneth Warmuth
    „Der Anstieg nach Büchenbach war gefühlt das Matterhorn. Allein der Gedanke an die sub 9 hat mich vorangetrieben.“ Foto: Kenneth Warmuth

    Sieger Andreas Dreitz, der in unter acht Stunden gewann, hat über das Rennen gesagt: „Ich bin durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Ich habe immer versucht, mich zu pushen.“ Wie war es bei Ihnen, wo gab es kritische, aber auch positive Momente?

    Ich muss gestehen, da ich die Radstrecke doch sehr entspannt gefahren bin, die ersten wirklich quälenden Passagen erst bei Kilometer 32 gehabt zu haben. Der Anstieg nach Büchenbach war dann gefühlt das Matterhorn. Allein der Gedanke an die sub 9 hat mich vorangetrieben. Wenn ich sicher aus der sub 9 raus gewesen wäre, hätte bestimmt der Kopf zugemacht und ich wäre deutlich langsamer geworden.

    Positive Momente gab es nach dem Schwimmen, wo ich sehr überrascht war von meiner für mich sehr guten Schwimmzeit und natürlich die großen Momente, wenn mich meine Familie und Freunde an der Strecke anfeuerten. Der Zieleinlauf war dann etwas zu mental für mich, der tolle Einlauf in die Zielarena, und als ich die 8:57 gesehen habe, musste ich dann heulen wie ein kleines Kind.

    Wie übersteht man überhaupt mental fast neun Stunden Sport am Stück?

    Besser als ich vorher gedacht habe. Wie schon erwähnt, verging die Zeit rasend schnell. Wichtig ist die Verpflegung, ohne würde es nicht funktionieren. Respekt den Finishern, die wesentlich länger auf der Strecke waren.

    Ich kann mir vorstellen, dass Sie ziemlich kaputt waren. Wie sah und sieht die Regeneration aus?

    Ich muss gestehen, so sehr kaputt habe ich mich nicht gefühlt. Da ging es mir nach einer Mitteldistanz mit wesentlich höherem Tempo manchmal schlechter. Einzig der Muskelkater ärgert mich noch etwas länger momentan. Da ich im Anschluss direkt für zwei Wochen in den Urlaub mit der Familie gefahren bin, ist für Entspannung des Körpers gesorgt, und andere Dinge rücken in den Vordergrund.

    Aber ist diese Belastung überhaupt gesund?

    Das Training ist in gewissem Maße durchaus gesundheitsförderlich. Der Wettkampf selber und das Übermaß an Training wird den Körper wohl etwas verschleißen. Aber ich denke, das ist den Langdistanzlern allen bewusst. Gesünder als gar kein Sport ist es allemal.

    Wie viel Trainingsaufwand haben Sie betrieben? Wann begann die konkrete Vorbereitung?

    Die konkrete Vorbereitung begann mit Umfangsteigerungen ab Januar. Bis Mitte April zum Leipzig Marathon habe ich ausschließlich an der Laufform gefeilt und danach mit dem Radtrainingslager auf Mallorca an der Radform gearbeitet. Die Spitzenwochen im Mai und Juni ergaben bis zu 16 Stunden Training pro Woche, was eigentlich nicht wirklich immens viel ist.

    Ich hätte auch gern wesentlich mehr trainiert, aber mit Vollzeitarbeit, Familie mit zwei Kindern, Haus und Garten ist das nicht wirklich drin gewesen.

    Beim Leipzig Marathon feilte Werner an seiner Laufform für die Challenge. Foto: Jan Kaefer
    Beim Leipzig Marathon feilte Werner an seiner Laufform für die Challenge. Foto: Jan Kaefer

    Wie ist es Ihnen gelungen, Familie und Vollzeit-Job unter einen Hut zu bekommen?

    Die Familie muss komplett hinter einem stehen. Trainiert wird vor der Arbeit, in der Mittagspause und abends wenn die Kinder im Bett sind. Am Wochenende geht es um 6 Uhr auf die längere Radtour, samstags und sonntags zum langen Lauf. So bin ich frühzeitig nach drei beziehungsweise fünf Stunden wieder zu Hause und habe noch viel freie Zeit für die Familie.

    Sie haben erst vor 16 Jahren mit dem Laufen angefangen. Was muss man mitbringen und tun, um am Ende auf dieses Niveau zu kommen?

    Man muss kontinuierlich dranbleiben, Spaß am Sport haben. Mit den Jahren kommt der Erfolg. Am Ende kann man sagen, dass ich eigentlich 16 Jahre auf die Langdistanz hingearbeitet habe.

    Roth wäre geschafft. Kommt jetzt die Ironman-Quali im nächsten Jahr und/oder haben Sie sich schon für die Challenge Roth 2020 angemeldet?

    Ob ich nächstes Jahr gleich wieder eine Langdistanz mache, weiß ich nicht. Mit etwas zeitlichem Abstand wird Roth wieder ein Ziel sein, und auch Hawaii wird irgendwann das Ziel sein. Aber dafür ist das Sparsackerl noch etwas zu leicht (lacht).

    Worauf haben Sie beim Material für die Challenge geachtet?

    Nicht wirklich auf andere Dinge als für andere Triathlons davor. Es gab ein paar Neuanschaffungen, die ich auch ohne Langdistanz gemacht hätte.

    Wie haben Sie sich davor, danach und währenddessen ernährt?

    Auf die Ernährung davor habe ich nicht wirklich geachtet. Dafür esse ich zu gerne (lacht). Während des Wettkampfes heißt es nur ohne „Mampf kein Kampf“. Ich kam hervorragend mit der gestellten Verpflegung zurecht. Und das Zureichen auf der Strecke klappte spitzenmäßig.

    Wie nah geht man in der Vorbereitung an die volle Distanz ran?

    Meine längsten Trainings waren nicht länger als 4,5 Stunden. Längere Einheiten wären vielleicht für den Kopf gut gewesen. Wenn die erste Langdistanz schiefgelaufen wäre, hätte ich beim zweiten Anlauf wohl länger trainiert. Im Nachhinein lag ich mit meinem Trainingsaufwand wohl auch nicht ganz so falsch.

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache: Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

    Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen.

    Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

    Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 500 Abonnenten.

    Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

    Leipziger Zeitung Nr. 69, seit Freitag, 19. Juli 2019 im Handel: Frei nach Schiller: Die Gedanken sind nicht frei, wenn Einer nicht den Mut zur Freiheit hat

    Topthemen

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ