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Turnfest-Geschäftsführerin Kati Brenner: „Wir sind gerade dabei, etwas Einzigartiges auf die Beine zu stellen.“

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    LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 80, seit 26. Juni im HandelDas Turnen hat Kati Brenner bereits von klein auf begleitet. Lange Zeit war die gebürtige Rostockerin dabei selbst leistungssportlich aktiv – zunächst im Gerätturnen, später dann in der Sportakrobatik. Als Schülerin machte sie 1983 in Leipzig erstmals selbst bei einem Turnfest mit. „Wer einmal an einem Turnfest teilgenommen hat, will meist auch wieder dabei sein“, versichert sie im Interview mit der LEIPZIGER ZEITUNG (LZ) und sollte einige Jahre später enger mit dem alle vier Jahre stattfindenden Spektakel verbunden sein als je zuvor.

    Denn seit 2015 ist Brenner die Geschäftsführerin des Organisationskomitees und hatte als solche bereits für das Internationale Deutsche Turnfest 2017 in Berlin den Hut auf. Inzwischen ist sie nach Leipzig weitergezogen und leitet nun auch hier die Organisation des Festes im kommenden Jahr. Es wird – angefangen mit der Premiere im Jahr 1860 – das 44. Turnfest sein, welches vom 12. bis 16. Mai 2021 bereits zum 13. Mal in Leipzig ausgetragen werden wird.

    „Ich glaube, es sind die Vielfalt der unterschiedlichen Sportarten, die Teilnehmenden aus den einzelnen Bundesländern, aber auch die internationalen Begegnungen, die die Faszination dieses Turnfestes ausmachen“, beschreibt Kati Brenner die Magie der Veranstaltung. „Dazu kommt der Mix, selbst in verschiedenen Wettkämpfen oder Show-Vorführungen aktiv sein zu können, aber auch den Spitzensport in unseren Sportarten erleben zu können. Das macht unser Turnfest zu etwas Einzigartigem. Ich persönlich finde es auch sehr schön, dass wir Jung und Alt beieinander haben. Die jüngsten Wettkämpfer/-innen sind 11 bis 12 Jahre alt, und die ältesten sind über 90. Das ist eine Faszination, die man selten im Sport so erleben kann über die Generationen hinweg.“

    Foto: Screen Titelblatt

    Die Dimension des organisatorischen Aufwandes lässt sich wahrscheinlich am ehesten mit Blick auf die Teilnehmerzahl erahnen: „Wir erwarten in Leipzig rund 50.000 Dauerteilnehmende und – über den gesamten Zeitraum verteilt – noch etwa 30.000 Tagesteilnehmende. Von den Dauerteilnehmenden sind etwa 40 Prozent Kinder und Jugendliche, und der Anteil an Frauen und Mädchen bei den Aktiven liegt bei 70 Prozent. Einzigartig für das Event ist sicherlich auch, dass ungefähr 65 Prozent der Teilnehmenden in Gemeinschaftsquartieren, wie Schulen, übernachten.“ Um die 150 Leipziger Schulen werden dafür als Übernachtungsorte bereitstehen.

    Schon im Sommer 2018 hatten die Planungen für Leipzig 2021 begonnen. Im vergangenen Jahr wurde dann vor Ort die Geschäftsstelle des Organisationskomitees eröffnet. Dort kümmern sich seitdem etwa 40 Mitarbeiter/-innen darum, das anstehende Turnfest zu etwas ganz Besonderem zu machen. Laut Brenner hat die Coronakrise samt Lockdown die Vorbereitungen bisher nicht ausgebremst. „Aktuell befinden wir uns im regulären Projektfortschritt, haben natürlich in den letzten Monaten – wie viele Unternehmen auch – die Arbeitsweise umgestellt. Wir sind aber mit einem digitalen Projekt schon 2019 an den Start gegangen, sodass es bei uns per se wenige Hürden gab, das Turnfest digital weiterhin vorzubereiten. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir schon so weit vorangeschritten sind in unserer Planung.“

    Ein coronabedingter „Plan B“ ist zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht spruchreif. Die Organisator/-innen stehen aber im engen Austausch mit den zuständigen Behörden und auch den Zuwendungsgebern. „Die Zuwendungsgeber und wir als Veranstalter sind großer Hoffnung, dass wir nächstes Jahr zu Christi Himmelfahrt unser Turnfest starten werden“, sagt Brenner. So ganz unvorbereitet wären sie und ihr Team im Falle von Einschränkungen aber auch nicht. „Wir haben natürlich auch Szenarien in unsere Überlegungen einbezogen, die uns in die Lage versetzen können, mit gewissen Auflagen, die vielleicht kommen werden, trotzdem ein Turnfest durchzuführen.“ Und genau darin besteht erst einmal das Hauptziel: Das Turnfest überhaupt stattfinden lassen zu können. Optimal wäre es natürlich, wenn das in vollem Umfang geschehen könnte, inklusive aller Wettkämpfe und Show-Höhepunkte.

    Denn davon stehen eine ganze Menge auf dem Programm. Allen voran natürlich die große Show im Zentralstadion. „Ich darf darüber inhaltlich noch nicht so viel verraten“, macht Brenner neugierig. „Wir sind gerade in der Konzeptionierung dabei, wieder etwas Einzigartiges auf die Beine zu stellen, was natürlich auch einen Bezug zu Leipzig haben wird. Die Stadiongala wird sich in verschiedene Bilder gliedern, die von unseren Vereinsakteuren auf dem Rasen dargestellt werden. Dazu werden sowohl nationale als auch internationale Gruppen eingeladen. Es gibt natürlich ein paar Highlights, die in dieser Show auftreten werden, sei es aus dem Spitzensport oder artistische Darbietungen, die dahingehend im Moment geplant sind.“ Insgesamt stehen in den fünf Turnfest-Tagen rund 400 Einzelveranstaltungen auf dem Zettel – beginnend mit einer großen Eröffnungsveranstaltung in der Leipziger Innenstadt.

    Aber auch aus wettkampfsportlicher Sicht wird feinste Kost aufgefahren. Gleich acht Deutsche Meisterschaften sowie zwei Weltmeisterschaften versprechen Spitzenleistungen. Besonders im Fokus dürfte dabei die DM im Gerätturnen stehen, sowie die Team-WM im Rhönrad, welche die erste internationale Meisterschaft in einem Turnfest-Portfolio darstellt. Außerdem werden Deutsche Einzel-Meisterschaften ausgetragen in der Rhythmischen Sportgymnastik, im Trampolinturnen, Aerobicturnen, Rope Skipping, Sportakrobatik und im Mehrkampf. Eine Team-DM gibt es zudem in Gymnastik und Tanz. Und schließlich wird auch noch die Kleinfeld-WM im Faustball ausgetragen.

    Doch diese Höhepunkte bilden nur eine Seite der Turnfest-Medaille ab. Denn im Gegensatz zu vielen anderen (internationalen) sportlichen Großveranstaltungen soll es keine Schneller-Höher-Weiter-Schlacht werden. „Einerseits wollen wir uns natürlich schon weiterentwickeln“, gesteht Kati Brenner. Daher streben die Organisator/-innen an, noch mehr internationale Teilnehmer/-innen dafür zu begeistern, nach Leipzig zu kommen. Denn: „Wir wollen hier eine weltoffene Veranstaltung präsentieren.“ Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit ein zentraler Punkt in der Turnfest-Philosophie. „Wir möchten das Thema Nachhaltigkeit in den drei Dimensionen ökologisch, ökonomisch und vor allem sozial in den Mittelpunkt rücken und diesem einen besonderen Schwerpunkt geben“, so die Geschäftsführerin.

    Kati Brenner, Geschäftsführerin des Organisationskomitees. Foto: Christian Modla
    Kati Brenner, Geschäftsführerin des Organisationskomitees. Foto: Christian Modla

    Mit speziellem Blick auf die erwähnte soziale Nachhaltigkeit erklärt sie: „Wir wollen noch mehr Menschen in den organisierten Sport bekommen. Die Entwicklungen zeigen, dass Turnfeste dazu dienen können, wieder im Verein und in Gemeinschaft Sport zu treiben – das ist eines unserer Ziele, vor allem im Bereich des Kinderturnens. Dafür möchten wir aus Kindergärten und Schulen Kinder gewinnen, die ganz konkret an zwei Projekten mitarbeiten: In der Stadiongala gibt es ein großes Kinder-Bild, für das wir vor allem sportbegeisterten Kindern aus der Region die Chance geben wollen, mitzuwirken.

    Außerdem gibt es eine inklusive Kinderturn-Show, wo wir nun über ein Jahr lang – gemeinsam mit Netzwerken und Fördervereinen – versuchen, den organisierten Sport und andere Strukturen miteinander zu verbinden. Am Ende soll eine Show mit 500 bis 800 Kindern aufgeführt werden, die in erster Linie von Kindern aus Leipzig initiiert wird. Dieses Projekt soll dann nachhaltig auch an verschiedenen anderen Orten in Sachsen weiterleben.“

    Aber selbst das ist noch längst nicht alles im breiten Fächer der Turnfest-Vielfalt. „Wir haben auch neue Trendsportarten im Programm“, erklärt Kati Brenner, „denn das ist etwas, was die Turnfeste – eigentlich von Beginn an – ausgemacht hat. Denn warum gab es diese Turnfeste überhaupt? Weil sich Leute begegnen wollten, weil sich Vereine austauschen und sportlich messen wollten. Dieser Gedanke trägt uns auch heute noch, indem wir sagen, wir möchten Trends, die es – gerade in unseren Sportarten im Deutschen Turner-Bund – gibt, aufgreifen und präsentieren. Daher wollen wir diesmal der Trendsportart Parkour eine Bühne bieten, aber auch das Turnen in der Schule mit verschiedenen Angeboten wiederbeleben. Es gibt eine Vielzahl von Trends, die wir hier beim Turnfest präsentieren wollen. Zentrales Element ist hierbei unsere Akademie mit ihren über 400 Workshops, die zum Austausch und zum Lernen angeboten werden.“

    Es ist de facto unmöglich, eine derart komplexe Veranstaltung wie das Turnfest auf einer Zeitungsseite allumfassend darzustellen. Wohin die Reise gehen soll, ist hoffentlich trotzdem klargeworden. Fakt ist: So richtig gut kann es nur werden, wenn „die Leipziger/-innen ihre Begeisterung aufrechterhalten und uns voller Vorfreude in der Organisation unterstützen. Denn die Veranstaltung an sich ist so groß und gewaltig, dass wir ganz viele Menschen brauchen, die uns zur Seite stehen und die diese sportliche Begeisterung mittragen“, lautet der abschließende Appell von OK-Geschäftsführerin Kati Brenner.

    Alle Infos zum Turnfest in Leipzig:
    www.turnfest.de

    Machtgefälle im Kopf. Die neue „Leipziger Zeitung“ Nr. 80 ist da: Was zählt …

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