Langsam kommt Bewegung in den Wahlkampf um das Amt des Leipziger Oberbürgermeisters im nächsten Jahr. Während Medien über ein diffuses „bürgerliches Bündnis“ mit Getu Abraham als Kandidat berichten und Dirk Thärichen noch um seine Entscheidung ringt, haben nach BSW, Linken und einem unabhängigen Kandidaten am 30. März die Liberalen ihren Kandidaten ins Rennen geschickt.

Die Aufstellungsversammlung im Marriot Hotel war keine Proklamation, es gab immerhin zwei Kandidaten, die sich der Wahl ihrer Parteifreundinnen, ja es gibt auch Frauen dort, und Parteifreunde stellten. Alexander Türpe, CEO des ExciteLab in Dresden, trat gegen Jorge Franck, freiberuflicher Pflegedozent und Podcaster “Ostfluencer”, an.

Alexander Türpe im Interview. Foto: Thomas Köhler

Alexander Türpe setzte in seiner Bewerbungsrede den Fokus auf die Einnahmesituation für den Leipziger Haushalt, mit dem Blick auf die Situation der Unternehmen und besonders der Neugründungen. Er will, dass sich die Stadt auf Zukunftsbranchen konzentriert, Unternehmensgründungen und -ansiedlungen ab 100 Mitarbeiter zur Chefsache machen, die Digitalisierung vorantreiben und Bürokratie abbauen. Es ging auch um sozialen Wohnungsbau, Bildung, und er will im Wahlkampf mit den verschiedensten Menschen sprechen. Wir haben ihm im Anschluss einige Fragen gestellt.

Jorge Franck konzentrierte sich ebenfalls auf die Themen Wirtschaft, Wohnungsbau und Wachstum, konnte aber letztendlich die Versammlung nicht überzeugen. Diese wählte mit 90 Prozent im ersten Wahlgang Alexander Türpe zum Kandidaten für das Amt des Leipziger Bürgermeisters.

Wir haben im Anschluss den Kreisvorsitzenden der FDP in Leipzig, Alexander Gunkel, dazu gefragt ,ob er mit der Veranstaltung und dem Wahlergebnis zufrieden ist.

Blick in die Versammlung. Foto: Thomas Köhler

Das war eine sehr gute Veranstaltung. Wir hatten einen Wettbewerb, zwei Personen, die sich das Amt zugetraut haben und die Lust haben, für die Freien Demokraten in den Wahlkampf zu ziehen. Mit Alexander Türpe haben wir einen sehr guten Kandidaten für die OB-Wahl gefunden. Er strahlt, aus meiner Sicht, genau das aus, was ich von einem liberalen Kandidaten für diese Wahl erwarte.

Was können die Liberalen uns in Leipzig noch bieten?

Ich bekomme in letzter Zeit mit, dass gerade wir Leipziger Liberalen für viele Menschen eine wichtige Perspektive darstellen. Wir haben Leute, die Kompetenz mitbringen. Was uns auszeichnet ist, dass wir seit vielen Jahren verantwortungsbewusste Politik für diese Stadt machen. Die liberale Perspektive ist natürlich immer darauf ausgerichtet, dass sie den Bürgerinnen und Bürgern sehr viel mehr zutraut, als vielleicht andere Parteien.

Spätestens seit Christian Lindner gilt die FDP als wirtschaftsliberal, als eigentlich nur an der Wirtschaft interessiert. Es gab auch mal die Sozialliberalen, gibt es die heute noch?

Alexander Gunkel im Interview. Foto: Thomas Köhler

Davon gibt es eine ganze Reihe. Ein wichtiger Punkt ist: Liberalismus ist mehr als Marktwirtschaft. Marktwirtschaft ist das, was uns alle verbindet als Liberale, aber es gehört natürlich sehr viel mehr dazu. Es gehört nicht nur die Wirtschaftsfreiheit dazu, es gehören gesellschaftliche Freiheiten dazu, es gehören dazu die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit, die Religionsfreiheit. Alle diese Freiheiten sind für einen Liberalen sehr wichtig.

Das habe ich bei der FDP, das muss ich zugeben, in den letzten Jahren öfter vermisst. Ich hoffe, dass wir das jetzt viel öfter in die Diskussion einbringen können und wieder einen vollständigen Liberalismus vertreten können. Genau das, glaube ich, wird gebraucht und auch nachgefragt.

Fazit: Die FDP will um das Amt des Oberbürgermeisters kämpfen und sich auch wieder in der Leipziger Stadtpolitik stärker einbringen. Wir werden das weiter beobachten und berichten.

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