Am 6. Februar: Dokumentarfilme zu Schicksalen politischer Häftlinge in der DDR und deren Kinder

Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ zeigt im Rahmen der Filmreihe „Zeitgeschichte auf der Leinwand im ehem. Stasi-Kinosaal“ am Donnerstag, den 6. Februar 2020, zwei Dokumentarfilme zu Schicksalen von politischen Häftlingen in der DDR und deren Kindern. Die Filmreihe wird vom Freistaat Sachsen aus dem Programm „Revolution und Demokratie“ gefördert. Der Eintritt ist frei.
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Seit September 2019 lädt das Bürgerkomitee Leipzig e.V. zu der neuen Filmreihe „Zeitgeschichte auf der Leinwand im ehem. Stasi-Kinosaal“ ein. In authentischen Räumen der früheren Stasi-Bezirksverwaltung werden dabei Dokumentar- und Spielfilme vorgeführt, die sich mit der kommunistischen Diktatur in SBZ und DDR und deren Beseitigung während der Friedlichen Revolution sowie der Aufarbeitung beschäftigen.

Dieses Angebot kann Dank der Förderung des Freistaates Sachsen aus dem Programm „Revolution und Demokratie“ auch 2020 fortsetzt werden.
Dieses neue Angebot der politischen Bildung soll dazu beitragen, die Erinnerung an das Unrechtsregime der DDR wach zu halten, für die mit der Friedlichen Revolution wiedererrungenen Werte – Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – zu sensibilisieren sowie den Tendenzen der Ostalgie entgegenzuwirken.

Zugleich können die Filmvorführungen dazu beitragen, die Wahrnehmung des einst einschüchternden Ortes der Diktatur zu verändern. Während der Friedlichen Revolution wurde die „Runde Ecke“ zum symbolischen Ort der siegreichen Bürgerrechtsbewegung über die SED-Diktatur und ist heute ein Ort der Aufklärung und Vermittlung über diese Diktatur sowie deren Überwindung.

Anlässlich des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit und der Wiedergründung des Freistaates Sachsen laden wir Sie im Jahr 2020 herzlich zu unseren Filmvorführungen ein. Wir freuen uns, Sie in der Gedenkstätte begrüßen zu dürfen und wünschen Ihnen spannende Veranstaltungen sowie interessante Gespräche.

„Kindheit ohne Namen“ (2019, Länge: 30 Minuten)

Der Dokumentarfilm „Kindheit ohne Namen“ thematisiert das Schicksal der Kinder, die in Strafvollzugseinrichtungen der DDR geboren worden sind. In den offiziellen Gefängnisberichten tauchten die Neugeborenen selten oder gar nicht auf. Kleidung, Essen und Spielzeug wurde ihnen vorenthalten. Jeder Lagerleiter konnte über den Umgang mit den Kindern individuell entscheiden.

Nach der Auflösung der Lager, die bereits von der Sowjetischen Militäradministration eingerichtet worden waren, darunter das „Gelbe Elend in Bautzen“ oder das Gefängnis in Torgau, brachte man die Mütter mit ihren Kindern ab 1950 in die Strafvollzugsanstalt Hoheneck. In diesem Frauengefängnis wurden die Kinder ihren Müttern weggenommen und in DDR-Kinderheime gebracht.

Anfangs wurden sie als „Kinder der Landesregierung“ namenlos unter der Haftnummer der Mutter geführt und von Kinderheim zu Kinder-heim weitergereicht. Sie erfuhren nichts von ihrer Herkunft. Oft sahen sich Mutter und Kind nie wieder oder standen sich als Fremde gegenüber.

„Splitter im Kopf – Hafterfahrungen in der DDR“ (2018, Länge: 45 Minuten)

Mit einem Schlag aus Alltag und Familie gerissen: 250.000 Menschen waren wegen ihrer politischen Überzeugung, versuchter „Republikflucht“, „Schwererziehbarkeit“ oder „staatsfeindlicher Hetze“ im SED-Regime eingesperrt gewesen. Viele Opfer der kommunistischen Diktatur in SBZ und DDR leiden bis heute unter Depressionen, Klaustrophobie, Misstrauen und psychosomatische Störungen.

In der Dokumentation „Splitter im Kopf – Hafterfahrungen in der DDR“ von Jürgen Haase berichten vier Personen von ihrem harten Weg, wieder in ein normales Leben zurückzukehren, nachdem sie ihrer wirtschaftlichen und sozialen Existenzen beraubt worden waren. Der Schriftsteller Siegmar Faust, die Fotografin Katrin Büchel, der KfZ-Mechaniker Thomas Hannemann und der Arzt und Liedermacher Karl-Heinz Bomberg schildern ihre Einweisung und Ihre Erfahrungen in der Haft.

Sie berichten über die Methoden der physischen und psychischen Repression und darüber, was die Haft in ihnen ausgelöst hat. Die Betroffenen sprechen offen über ihre Ängste, Beklemmungen, Schlaflosigkeit und ihre Verstörtheit und haben bis heute an den Spätfolgen ihrer Traumatisierung zu leiden. Ob diese Wunden jemals geheilt werden können ist fraglich. Trotzdem versucht ein jeder von ihnen in ein „normales“ Leben zurückzufinden.

Veranstaltungsort: ehem. Stasi-Kinosaal der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“. Eintritt frei.

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