Die Corona-Pandemie ist nur einer der Gründe, warum das auch in Leipzig aktive Unternehmen Clever Shuttle nun seinen ursprünglichen Fahrservice im Januar 2022 einstellen wird. Ein anderes Standbein hat sich für die Fahrzeugflotte als wesentlich stabiler erwiesen: die strategische Neuausrichtung als Mobilitätspartner für den ÖPNV. Bei diesen „Flexa“-Angeboten kooperiert Clever Shuttle in Leipzig ja mit den LVB.

Und aus Leipzig will sich das Unternehmen auch nicht zurückziehen. Im Gegenteil: Es will seinen bestehenden Betriebssitz zu einem Regional-Hub ausbauen, um von dort aus ÖPNV-integriertes On-Demand-Ridepooling in Ostdeutschland zu steuern.

Die Neuausrichtung

CleverShuttle wird Mitte Januar 2022 seinen eigenwirtschaftlichen Fahrbetrieb am Standort Leipzig einstellen. Das 2014 gegründete Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) hat sich im vergangenen Jahr neu ausgerichtet: Statt direkt am Endkundenmarkt aufzutreten, ist CleverShuttle nun als Partner für Städte, Landkreise und öffentliche Verkehrsunternehmen aktiv. Die Einstellung des Fahrbetriebs erfolge im Einvernehmen mit dem Joint-Venture-Partner Madsack Mediengruppe, teilt Clever Shuttle mit.

„Wir wollen unseren elektrischen Ridepooling-Service künftig direkt mit dem ÖPNV verknüpfen. Damit erreichen wir mehr Fahrgäste und mehr für die Mobilitätswende. Unser Ziel: den ÖPNV mit On-Demand-Ridepooling flächendeckend attraktiv und flexibel verfügbar zu machen, indem wir Bedienungslücken schließen, die sonst nur mit dem privaten Auto zu bewältigen wären. So geben wir mehr Menschen Zugang zu emissionsfreier Mobilität. Und dafür arbeiten wir verstärkt mit Partnern aus der Verkehrsbranche zusammen“, erklärt Bruno Ginnuth, Co-Gründer und CEO von CleverShuttle.

Im ersten Jahr seiner Neuausrichtung hat CleverShuttle bereits acht ÖPNV-integrierte On-Demand-Verkehre für kommunale Nahverkehrsunternehmen umgesetzt und sich damit als Deutschlands führender Betreiber von On-Demand-Ridepooling im ÖPNV etabliert. Vier weitere Verkehre starten im Frühjahr 2022.

Corona hat jede Menge Fahrgäste gekostet

In Leipzig hat neben der strategischen Neuausrichtung auch die anhaltende Coronakrise zur Entscheidung beigetragen: Die Fahrgastzahlen der vergangenen Monate waren um bis zu 70 Prozent geringer als im Vergleich zu Vorkrisenzeiten. Seit Dezember 2016 war CleverShuttle mit bis zu 64 Elektrofahrzeugen in Leipzig unterwegs. Insgesamt haben über eine Million Fahrgäste den Fahrservice genutzt.

Aber die Zukunft liegt in der direkten Verbindung mit dem ÖPNV.

Als Betreiber des On-Demand-Angebots „Flexa“ verkehrt die DB-Tochter im Auftrag der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) weiterhin im Norden (Lindenthal) und Südosten (Probstheida) der Stadt. Der per App und Telefon buchbare Quartiersverkehr ist in den MDV-Tarif integriert und bringt Leipziger/-innen zu ihren Wunschzielen, zur nächsten Straßenbahn- oder Bushaltestelle sowie zum nächsten Bahnhof.

Außerdem will CleverShuttle seinen bestehenden Betriebssitz in Leipzig zu einem Regional-Hub ausbauen. Von dort aus werde das Unternehmen zukünftig ÖPNV-integrierte On-Demand-Verkehre in Ostdeutschland steuern.

Was wird aus der Belegschaft?

Aktuell beschäftigt CleverShuttle rund 170 Mitarbeitende am Standort Leipzig, die frühzeitig über die Neuausrichtung des Standortes informiert wurden. Die Belegschaft am Betriebssitz wird unverändert weiterbeschäftigt, heißt es aus der Clever-Shutle-Zentrale.

Für die betroffenen Fahrer/-innen sucht CleverShuttle gemeinsam mit der DB und weiteren lokalen Partnerunternehmen nach Lösungen. Einen Teil von ihnen kann CleverShuttle in seinen ÖPNV-integrierten „Flexa“-Shuttleservice übernehmen. Und auch beim Partner Deutsche Bahn könnte es Angebote geben: Die DB hat in der Region zahlreiche Jobs für Fachkräfte und Quereinsteiger/-innen ausgeschrieben. Zudem werden Informations- und Beratungsangebote eingerichtet.

CleverShuttle-Kund/-innen sollen in den nächsten Wochen über den genauen Zeitpunkt der Einstellung des Fahrbetriebs informiert werden.

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Keine Kommentare bisher

Ich habe Clever-Shuttle gern genutzt, schade. Aber so wie es aussieht, wird die Firma mit der neuen Ausrichtung überleben, wenn nicht gar wachsen. Viele kleine Firmen haben nicht so viel Glück, Möglichkeiten und Partner.
Bei uns hier in Gohlis hat gerade der Speck-Laden zugemacht, ein Laden, der regionale Produkte verkaufte und für viele im Viertel ein Anlaufpunkt und eine Art Wohnzimmer war. Die Betreiber scheinen mit den Corona-Regeln nicht einverstanden zu sein, nach allem, was ich vor Ort gelesen habe, aber nicht in der Corona-Leugner Ecke zu stehen, sondern einfach nicht unter diesen Bedingungen weitermachen zu wollen und zu können.
Ich würde mir wünschen, dass die LZ öfter über solche kleinen Firmen und Läden berichtet, über deren Sorgen und Nöte (nicht nur im Süden und Westen der Stadt). Vielleicht fächert sich dabei auch das Corona-Problem weiter auf, wird konkreter in seinen Auswirkungen und dem Verhalten der Leute.

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