Auch in Sachsen ist nicht einmal jeder fünfte Chefposten von Frauen besetzt

Deutschland und Reformen? Ein ganz heikles Thema. Nicht einmal dort, wo die Öffentlichkeit eigentlich Einfluss haben müsste, verändern sich die eingefahrenen Besetzungsmuster. Das war im November schon direkt aus der Leipziger Stadtverwaltung zu erfahren, die auf eine Anfrage von neun Leipzigerinnen antworten musste. Jetzt legt ein Wirtschaftswissenschaftler der Uni Leipzig noch mehr Zahlen vor.

Seit Jahren wird über die ausgeglichene Besetzung von Führungspositionen in öffentlichen Unternehmen diskutiert. Doch tatsächlich ist es in Unternehmen in öffentlicher Hand nicht anders als in Privatunternehmen: Es wird viel über mehr Gleichberechtigung gesprochen. Doch passiert ist nichts. In Privatunternehmen ist im Grunde seit zehn Jahren nichts Gravierendes an Veränderungen passiert, darüber berichtete der „Spiegel“ am 21. Januar.

Und in öffentlichen Unternehmen ist die Lage genauso festgefahren.

Trotz aller Bemühungen um einen höheren Anteil an Frauen in den Chefetagen sind weibliche Führungskräfte in öffentlichen Betrieben deutschlandweit noch immer deutlich unterrepräsentiert. Das geht aus einer Studie des Instituts für Public Management der Universität Leipzig unter der Federführung von Juniorprofessor Ulf Papenfuß hervor, deren Ergebnisse jetzt in der „Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen“ veröffentlicht wurden.

Der deutschlandweite Vergleich von 69 Städten und 1.552 öffentlichen Unternehmen zeigt, dass im Gesamtdurchschnitt nur 15,7 Prozent der Top-Managementpositionen mit Frauen besetzt sind.

Am besten schnitten in dem Vergleich die Städte Gera mit 33,3 Prozent, Berlin mit 32,4 Prozent und Offenbach am Main mit 31,3 Prozent ab. Schlusslichter unter den Städten mit mehr als zehn öffentlichen Unternehmen sind Jena, Ludwigshafen, Trier und Völklingen, in denen jeweils gar keine Frauen in den Top-Managementpositionen vertreten sind.

In Leipzig hat Papenfuß 63 öffentliche Unternehmen erfasst mit 83 Personen in Führungspositionen. Davon waren nur 16 Frauen, was einem Anteil von 18,6 Prozent entspricht.

In Dresden konnten zwar nur 31 öffentliche Unternehmen mit 45 Führungskräften erfasst werden. Aber auch darunter waren nur neun Frauen, was einem Anteil von 20 Prozent entspricht. Die Unterschiede zwischen den Großstädten sind im Grunde marginal. Es sind tatsächlich die erwähnten Städte Berlin, Gera und Offenbach, in denen zumindest das Bemühen spürbar wird, die Gewichtung zwischen Männern und Frauen spürbar zu verändern. Und dass auch in Ostdeutschland Anteile von über 25 Prozent leicht möglich sind, beweisen auch Städte wie Rostock, Oranienburg und Gotha.

Im Bundesländervergleich liegt die Repräsentation von weiblichen Führungskräften in öffentlichen Betrieben etwa in Niedersachsen (9,9 Prozent), Bayern (8,7 Prozent) und Rheinland-Pfalz (5,8 Prozent) deutlich niedriger als in Berlin (32,4 Prozent), Bremen (25,2 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (20,5 Prozent). Im Vergleich von Branchen sind beispielsweise in Stadtwerken und in der Abfall- und Entsorgungswirtschaft deutlich weniger Frauen in Führungspositionen zu finden als in den Branchen Gesundheit und Soziales sowie Krankenhäuser.

„Orientiert an den von der Politik formulierten Zielen, ist die Repräsentation von Frauen in den Top-Managementorganen als weiter gering einzuschätzen. Auffällig sind vor allem auch die substanziellen Repräsentationsunterschiede sowohl zwischen den Städten und Bundesländern als auch zwischen Branchen“, sagt Papenfuß.

Sachsen landet mit 40 Frauen bei insgesamt 212 zu besetzenden Spitzenpositionen mit 18,9 Prozent auf Rang 5 hinter den drei Stadtstaaten Berlin (32,4 %), Bremen (25,2 %) und Hamburg (19 %) sowie dem Land Mecklenburg-Vorpommern (20,5 %).

Die Repräsentation in den Top-Managementorganen in kommunalen Unternehmen liegt ähnlich niedrig wie bei den Unternehmen des Bundes und der Bundesländer, die im Mai 2015 im sogenannten Public Women-on-Board-Index vom Verein Frauen in die Aufsichtsräte vorgelegt wurde, der von der Professur für Public Management der Universität Leipzig wissenschaftlich begleitet und vom Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend gefördert wird.

Die Repräsentation und Teilhabe von Frauen und Männern in den Spitzengremien öffentlicher und privater Organisationen wird seit Jahrzehnten als ein wichtiges nationales und internationales Thema für die Gesellschaft, Politik, Praxis und Wissenschaft eingestuft. Im März 2015 wurde vom Deutschen Bundestag das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst verabschiedet.

Originaltitel der Veröffentlichung in der „Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen“:  „Frauen in Top-Managementorganen öffentlicher Unternehmen: Ein deutschlandweiter Städtevergleich“.

Die Auswertung von Ulf Papenfuß.

GleichberechtigungÖffentliche Unternehmen
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