Das Jahr 2014 ist zwar auch schon längst Geschichte. Kaum erinnert man sich noch daran, wie heftig damals noch über die Zukunft der Energiewende in Sachsen diskutiert wurde. Heftig wurde über die „Verspargelung“ der Landschaft mit Windkraftanlagen diskutiert. Seitdem ist die Bremse drin. Da ist es schon eher erstaunlich, dass die sächsische Umweltwirtschaft 2014 endlich wieder wachsende Umsätze verbuchen konnte.

Darüber berichtet jetzt das Landesamt für Statistik: „Rund 2,67 Milliarden Euro Umsatz mit Umweltschutzgütern und -leistungen erzielten die sächsischen Betriebe im Jahr 2014. Nach starken Umsatzeinbußen seit 2011 bedeutete das eine deutliche Belebung des sächsischen Umweltmarktes. Sowohl die Umsätze mit Umweltschutzgütern und -leistungen im Inland (rund 2,1 Milliarden Euro, + 12,6 Prozent) als auch die damit erbrachten Erlöse im Ausland (rund 0,6 Milliarden   Euro, + 50,3 Prozent) stiegen beachtlich.“

Wenn man freilich genauer ins Zahlenwerk schaut, sieht man, dass eine der einst gefeierten Vorzeigebranchen des Landes, die Solarindustrie, weiter heftige Umsatzeinbrüche verzeichnete. Es redet auch niemand mehr wirklich vom einst gepriesenen sächsischen „Solar Valley“. Der Grund ist simpel: Die Preise für Solarmodule sind rapide in den Keller gefallen, befeuert durch die Billigproduktion in China. Was übrigens auch Folgen für den Forschungsstandort Sachsen hat, denn die Entwicklung von Innovationen und ihre Durchsetzung am Markt ist kaum noch finanzierbar.

Dabei sind die Sachsen selbst durchaus eifrig dabei, die Möglichkeiten der Erneuerbaren Energien zu nutzen.

„Wie bereits in den Vorjahren wurden 2014 die meisten umweltschutzbezogenen Umsätze im Bereich Klimaschutz erwirtschaftet (reichlich 1,5 Milliarden Euro = 57,1 Prozent)“, teilt das Landesamt für Statistik mit. „Trotz eines geringen Umsatzrückgangs gegenüber dem Vorjahr lag der Schwerpunkt erneut auf  Maßnahmen zur Nutzung Erneuerbarer Energien (rund 56 Prozent).“

Und dann kommt der Blick ins Detail, der auch zeigt, wie sich – gezwungen durch eine restriktive Energiepolitik und durch die Absatzpreise unter Druck gesetzt – die Schwerpunkte innerhalb der Umweltbranche verschoben haben: „Während in der Solar- und Photovoltaikindustrie gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzrückgang von 12,5 Prozent zu verzeichnen war, konnten mit dem Bau von Anlagen zur Wärmerückgewinnung (+ 127 Prozent) und von Biogasanlagen (+ 40 Prozent) sowie der Wärmedämmung von Gebäuden (+ 35 Prozent) satte Umsatzzuwächse erzielt werden. Nennenswerte Steigerungen der umweltschutzbezogenen Umsätze waren auch in den Bereichen Luftreinhaltung (+ 80,4 Prozent) und Abfallwirtschaft (+ 70 Prozent) zu verzeichnen.“

Die Solarbranche verbuchte nach einem Umsatz von 932 Millionen Euro im Jahr 2012 und 505 Millionen Euro im Jahr 2013 einen weiteren Rückgang auf 428 Millionen Euro. Damit verliert sie ihre Rolle als Lokomotive der sächsischen Umweltwirtschaft, während mit Onshore-Windkraft-Anlagen (also solchen, die auf festem Land errichtet werden) ein deutliches Wachstum sichtbar ist von 184 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 255 Millionen im Jahr 2013 und 327 im Jahr 2014. Und das bei einer Landespolitik, die nun seit sieben Jahren massiv den Ausbau der Windkraft in Sachsen bremst.

Und wenn bei den alternativen Energien so massiv gebremst wird, suchen sich die Bürger und Unternehmen natürlich andere Wege, um irgendwie die Energiekosten in Griff zu bekommen. Denn darum geht es am Ende, wenn sich Politiker immer neue Umlagen auf Strompreise ausdenken, die wichtigen Bausteine der Energiewende aber nicht umsetzen. Also werden die vorhandenen Heizanlagen optimiert, werden intelligente Steuersysteme eingebaut und Dämmungen eingezogen. Oder – ein erstaunlich fruchtbares Feld – Anlagen zur Wärmerückgewinnung eingebaut. All diese Bereiche wachsen.

Die Zahlen verraten natürlich nicht, welche Auswirkung die Bremserpolitik auf Bundes- und Landesebene hat. Es lässt sich nur vermuten, dass es dabei auch wieder um dreistellige Millionensummen geht, die den betroffenen Unternehmen entgehen, weil die Aufträge einfach nicht ausgelöst werden. Und es steht auch zu vermuten, dass die 2,67 Milliarden Euro auch weit hinter den Möglichkeiten blieben. Sie liegen auch noch unter der eh schon rückgängigen Summe von 2,74 Milliarden Euro aus dem Jahr 2012, als die Solarwirtschaft noch deutlich bessere Umsätze hatte. 2011 hatte es mit 3,3 Milliarden Euro den Spitzenwert in der Umweltwirtschaft gegeben. Im Vorjahr hatte die Branche allein im Ausland über 1 Milliarde Euro umgesetzt.

Seitdem erfolgt das Wachstum verstärkt im Inland. Und weil dabei auch jede Menge Handwerk am Bau involviert ist, sind auch die Beschäftigtenzahlen der Branche deutlich angestiegen von 12.219 auf 14.164.

Die Meldung des Statistischen Landesamtes zur Umweltbranche.

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