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NABU Sachsen fordert sofortigen Maßnahmenstopp im Kiesabbaugebiet „Würschnitz-West“

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    Nicht nur rund um Leipzig geraten immer wieder wertvolle Biotope unter Nutzungsdruck, weil auf einmal die Kohle oder der Kies darunter für Bergbauunternehmen interessant werden. Jetzt geraten auch die Moore bei Großdittmannsdorf in Gefahr. Selbst Google Maps weist auf die wertvollen Moore nördlich von Dresden hin. Doch gleich daneben frisst sich der Kiestagebau in die Landschaft.

    In tausend Jahren sind die Moore bei Großdittmannsdorf gewachsen und haben sich zum Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen entwickelt. Sie zu zerstören braucht nur einen Bruchteil der Zeit, warnt der NABU Sachsen. Denn das Kieswerk Ottendorf-Okrilla plant eines der größten deutschen Kiesabbaugebiete in der Königsbrück-Ruhlander Heide – obwohl damit der Fortbestand national und europäisch geschützter Lebensstätten sowie die lebensraumtypischen Tier- und Pflanzenarten infolge möglicher Salz- und Nährstoffeinträge erheblich gefährdet werden.

    „Das wäre das Ende für die beiden Moore bei Großdittmannsdorf, denn sie sind vom Grundwasser abhängig“, konstatiert Joachim Schruth, Experte für Naturschutzrecht beim NABU Sachsen. „Diese Biotope sind weder ausgleichbar noch ersetzbar.“ Aus naturschutzfachlicher und hydrologischer Sicht sei der geplante Kiesaufschluss „Würschnitz-West“ daher unvertretbar und nicht genehmigungsfähig, urteilt auch die ansässige NABU-Fachgruppe Ornithologie Großdittmannsdorf.

    134 Hektar groß soll das neue Abbaugebiet werden, was einer Größe von 190 Fußballfeldern entspricht.

    „Dazu müssten große Waldflächen abgeholzt werden und die Grube käme etwa 480 Meter an die angrenzende Wohnbebauung heran“, erklärt Schruth.

    Die Moore bei Großdittmannsdorf auf Google Maps. Screenshot: L-IZ
    Die Moore bei Großdittmannsdorf auf Google Maps. Screenshot: L-IZ

    Das geplante Abbaugebiet liegt etwa im Dreieck Radeburg – Würschnitz – Ottendorf-Okrilla zwischen der Autobahn A 13 und der Bundesstraße B 97. Das dem aktuell laufenden Planfeststellungsverfahren vorgelagerte Raumordnungsverfahren attestierte dem Vorhaben nur unter strengen Maßgaben eine Genehmigungsfähigkeit. So sollte die Abbaufläche auf maximal 44 Hektar begrenzt werden und eine Beeinträchtigung des Grundwassers durch den Tagebau ausgeschlossen werden.

    Außerdem sei ein Nachweis über die wirtschaftliche Notwendigkeit des Aufschlusses der beantragten Abbaufläche zu erbringen – unter Betrachtung alternativer Abbaustandorte. All dies findet im aktuellen Antrag keinerlei Beachtung. Im Gegenteil, berichtet Joachim Schruth: „Der geplante Bergbau ist dreimal so groß und berührt direkt und indirekt insgesamt sechs Naturschutz- beziehungsweise Fauna-Flora-Habitat-Gebiete und ein Europäisches Vogelschutzgebiet.“

    Wenn die wertvollen Moore erhalten werden sollen, verbietet sich eigentlich ein neuer Kiestagebau.

    „Wir fordern die unverzügliche Einstellung aller Planungen und bereits angelaufener Maßnahmen“, sagt Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des NABU Sachsen. Seitens der Umweltbehörden gebe es eine hohe Wertschätzung der Naturausstattung des Töpfergrundes und des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets „Moorwaldgebiet Großdittmannsdorf“. Dessen ungeachtet habe das Sächsische Oberbergamt bereits im Genehmigungsverfahren zur Verkippung von Teilen der bestehenden Kiesgrube die Fauna-Flora-Habitat-Belange nicht mit der notwendigen Verantwortung wahrgenommen.

    „Das ist absolut unverständlich“, findet Bernd Heinitz, „das gemeinsame Anliegen aller Beteiligten muss es sein, gerade solche einmaligen, wertvollen Lebensräume zu erhalten, zu schützen und sogar aufzuwerten.“

    Dazu bedürfe es mindestens eines unabhängigen hydrologischen Gutachtens mit dem Nachweis, dass die Moore und Quellen auch weiterhin ausreichend mit Wasser hoher Güte versorgt werden, sowie des Verzichts auf die Verfüllung der ausgekiesten Grube mit Bauschutt, sodass keine weitere Stoffbelastung des Grundwassers in der Radeburg-Laußnitzer Heide eintritt. Nur so können dort Lebensraum und Wasserqualität erhalten bleiben, mahnt der NABU.

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