Noch ist es erst einmal nur ein Versprechen, dass es der Deutsche Aircraft am Standort Flughafen Leipzig/Halle gelingen könnte, binnen15 Jahren emissionsfreie Flugzeuge zu bauen. Auf der Homepage des 2019 gegründeten Unternehmens klingt das jedenfalls sehr optimistisch: „Unsere Mission ist es, mithilfe der D328eco den Wandel der Luftfahrt zum emissionsfreien Fliegen voranzutreiben. Als einzige existierende Plattform, die in der Lage ist, die Effizienz- und Leistungsanforderungen an moderne, umweltfreundlichere Flugzeuge zu erfüllen, treiben wir den grünen Wandel der Branche voran.“

Das D im Flugzeugtyp steht dabei für Dornier. 2006 hatte die 328 Support Services GmbH (328SSG) die Baumusterrechte für die Dornier 328 Plattform (D328) von Avcraft übernommen. Im Rahmen des Pakets kaufte das Unternehmen auch die Dornier 428 TC und andere Vermögenswerte. Die D328 wurde in den 1990er und frühen 2000er Jahren hergestellt und ist ein Regionalflugzeug, das in 85 Ländern auf der ganzen Welt zertifiziert ist und derzeit noch in vielen Ländern von großen Fluggesellschaften betrieben wird.Und aus diesem Baumuster sollen jetzt neue, emissions- und lärmärmere Flugzeuge entstehen, wie das 2019 aus der 328SSG hervorgegangene Unternehmen Deutsche Aircraft erläutert. „Wir werden die bewährte D328-Plattform nutzen und disruptive Technologien entwickeln, die es uns ermöglichen, innerhalb der kommenden 15 Jahre den Weg zum emissionsfreien Fliegen zu bahnen, lange vor dem Jahr 2050, das die internationalen Richtlinien vorgeben.“

Am Mittwoch, 27. Oktober, gab die Deutsche Aircraft bekannt, dass sie den Bauantrag für den Bau der geplanten Endmontagelinie für die D328eco am Flughafen Leipzig/Halle eingereicht hat.

Förderung soll es aus dem GRW-Programm geben

Die Genehmigung der sächsischen Baubehörde wird bis Dezember erwartet und der erste Spatenstich ist für die zweite Jahreshälfte 2022 geplant. Mit dem Bau der Endmontagelinie in Leipzig will die Deutsche Aircraft bis zu 300 neue Arbeitsplätze schaffen und die Entwicklung der sächsischen Luft- und Raumfahrtindustrie in Sachsen unterstützen.

Das Baufeld im Nordbereich des Flughafens Leipzig / Halle. Foto: Mitteldeutsche Flughafen AG
Das Baufeld im Nordbereich des Flughafens Leipzig / Halle. Foto: Mitteldeutsche Flughafen AG

Dabei rechnet das Unternehmen fest auf Unterstützung durch das Förderprogramm „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, kurz GRW, des Bundeswirtschaftsministeriums. Um dabei auch noch eine klimaneutrale Produktionslinie für die D328eco zu erreichen, arbeitet die Deutsche Aircraft parallel mit dem Planungsbüro Drees & Sommer zusammen, einem international tätigen Planungs-/Architektenunternehmen der Bau- und Immobilienbranche. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen ein zukunftsfähiges Gebäude entwickeln, das die Umweltauswirkungen von Gebäude und Endmontagelinie minimiert.

Nico Neumann, Vice President Operations and Programmes der Deutschen Aircraft, erklärte dazu: „Die Errichtung einer hochmodernen Endmontagelinie für die D328eco in Deutschland ist der Schlüssel für die Entwicklung unseres Programms. Wir sind davon überzeugt, dass wir die Auswirkungen auf die Umwelt bei jedem Schritt im Flugzeugentwicklungsprozess reduzieren müssen. Das bedeutet auch, dass wir unsere Produktionsprozesse überdenken und die richtige Anlage bauen müssen. Die Zusammenarbeit mit dem Flughafen Leipzig/Halle ermöglicht es uns, an einem idealen Standort im Herzen der Europäischen Union zu bauen und die umfassende Erfahrung des Flughafens in der Luft- und Raumfahrt zu nutzen. Darüber hinaus sind wir stolz darauf, einen Beitrag zur Förderung der Wirtschaft in der Region zu leisten.“

Zuwachs am Flughafen Leipzig/Halle

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig hat sich schon 2019, als das Unternehmen die Pläne bekannt gab, sich in Leipzig/Halle anzusiedeln, euphorisch gezeigt. Für ihn setzt die Ansiedlungen die Entwicklung des Flughafens im Leipziger Norden fort: „Der Freistaat Sachsen hat seit der Wiedervereinigung rund 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle investiert und damit ideale Voraussetzungen für weitere Ansiedlungen geschaffen. Der Investor kann in Sachsen auf eine hohe Luft- und Raumfahrtexpertise zurückgreifen. In der sächsischen Luft- und Raumfahrtbranche sind rund 160 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit mehr als 7.000 Mitarbeitern tätig. Die Ansiedlung der Flugzeugfertigung in Leipzig/Halle wird über Sachsen hinaus strahlen und der von der Corona-Pandemie besonders betroffenen deutschen Luftfahrtindustrie Aufwind geben.“

Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH, erklärte ebenso zuversichtlich: „Die Ansiedlung des Flugzeugherstellers Deutsche Aircraft in Leipzig und die damit verbundenen Investitionen in die Errichtung einer Endmontagelinie zur Fertigung des Flugzeugs D328ecoTM zeigen das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Sachsen. Erstmals seit dem Ende des Flugzeugbaus in der DDR entsteht wieder eine solche Fertigung im Osten Deutschlands. Mit den vorhandenen Kompetenzen und der langjährigen Erfahrung der sächsischen Luft- und Raumfahrtakteure im Flugzeugbau sehen wir zahlreiche Anknüpfungspunkte. Wir freuen uns, dass der Weg für den nächsten Projektabschnitt beschritten werden kann.“

Und Götz Ahmelmann, CEO Mitteldeutsche Flughafen AG, sieht sich bestätigt in der Ausbauplitik des Flughafens, die seit vier Jahren auf zunehmende Kritik aus der Bevölkerung stößt: „Die Mitteldeutschen Flughäfen werden die Geburtsstätte eines hochmodernen Flugzeugs. Das ist für uns emotional etwas Besonderes. Wir könnten uns kaum eine passendere Industrie aufs Gelände holen, um unseren Standort qualitativ weiterzuentwickeln. Die D328eco ist ein Passagierflugzeug, dem in seiner Klasse als schnelles und umweltfreundliches Regionalflugzeug die Zukunft gehören dürfte. So setzt der Standort abermals ein wichtiges Signal der Innovationsfähigkeit: Arbeit und Umwelt gehen Hand in Hand.“

Kein kurzer Weg zum klimafreundlichen Fliegen

Ob all die Versprechen so tatsächlich eingehalten werden, dürfte eher eine völlig unbeantwortete Frage sein. Denn die D328eco ist eben kein Passagierflugzeug der Größenklassen, wie sie im interkontinentalen Passagierverkehr in der Regel eingesetzt werden. Dazu ist sie viel zu klein. In Wirklichkeit zielt sie vorerst auf neue Geschäftsfelder und damit auf die Ausweitung des Flugverkehrs dort, wo noch keine Infrastrukturen für die großen Verkehrsflieger existieren.

So soll der neue Hangar von innen aussehen. Grafik: Copyright Drees&Sommer SE
So soll der neue Hangar von innen aussehen. Grafik: Copyright Drees&Sommer SE

Dazu schreibt Deutsche Aircraft selbst: „Mit ihrer innovativen, umweltfreundlichen und hochmodernen Technologie wird die D328eco eine alternative Lösung für den Markt der Regionalverkehrs- und Mehrzweckflugzeuge mit weniger als 50 Sitzen anbieten. Ein entscheidendes Mittel zur Förderung des regionalen Wirtschaftswachstums. Die D328eco ist für die Erkundung neuer und unterversorgter Routen sowie für den Zugang zu entfernten Standorten ideal aufgestellt, ohne eine komplexe Infrastruktur zu benötigen.“

Bis 2025 will es die Deutsche Aircraft schaffen, mit der D328eco „ein effizienteres, kostengünstigeres und umweltfreundlicheres Flugzeug auf den Markt zu bringen.“

Wobei dieses Modell noch lange nicht CO2-frei fliegen wird. Erst einmal kündigt das Unternehmen an, die Emissionen gegenüber Jets derselben Größenklasse um 30 Prozent und den Lärm des Flugzeugs um 5 Prozent zu senken. Der wichtigste Schritt ist die SAF-Kompatibilität. SAF steht für Sustainable aviation fuel, also nachhaltige Biokraftstoffe, die auch in Flugzeugmotoren eingesetzt werden können.

Das Problem aktuell ist, dass das Angebot solcher Kraftstoffe viel zu langsam wächst, um damit bis 2050 auch nur die Halbierung der CO2-Emissionen im Flugverkehr zu erreichen. Tatsächlich werden es wohl eher doch kleinere Flugzeuge sein, die so betankt werden können.

Dass es so wenige SAF-Zertifikate gibt, hat schlicht damit zu tun, dass die SAF nicht mit Nahrungspflanzen und erstklassigem Ackerland konkurrieren dürfen. Ein Problem, das ja jetzt schon die in Deutschland marktgängigen Biokraftstoffe haben, für die nach wie vor riesige Ackerflächen mit „Energiepflanzen“ bestellt werden, was nun einmal eine direkte Konkurrenz zur Nahrungspflanzenproduktion ist.

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