Nicht nur die Stadt Leipzig, ganz Sachsen muss klimaneutral werden. Am Mittwoch, dem 10. Januar, hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft e.V. (FfE) die Studie „Sachsen 2030 – auf dem Weg zur Klimaneutralität“ vorgestellt. Im Auftrag der Grünen-Fraktion haben die Forscher untersucht, welche Maßnahmen im Freistaat Sachsen bis 2030 erforderlich sind, um die Klimaschutzziele einzuhalten – unter anderem etwa beim Ausbau von Photovoltaik und Windkraft, bei Wohngebäudesanierungen und klimaneutralen Fahrzeugen.

Daraus haben die Forscher abgeleitet, welcher konkrete Handlungsbedarf in Sachsen besteht.

„Sachsen auf dem Weg in die Klimaneutralität – das bedeutet für das Jahr 2030 unter anderem eine Verdreifachung der aktuellen Stromproduktion mit Photovoltaik und eine zweieinhalbmal höhere Stromerzeugung mit Windkraft“, erläuterte Dr. Serafin von Roon, Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft, die Kernergebnisse.

„Auch in den Bereichen der Gebäudewärme und -sanierung sowie beim Ausbau der Speicherkapazitäten ist eine erhebliche Beschleunigung der Transformation notwendig, wenn Sachsen seine Zwischenziele für die Klimaneutralität 2045 erreichen will.“

Pech für Sachsen, dass der Windkraftausbau hier in den vergangenen Jahren massiv ausgebremst wurde – nicht nur durch Bundesgesetze, sondern auch durch lokale Handlungsträger, die neue Windparks und die Ausweisung neuer Vorrangflächen für Windkraft verhinderten. Umso größer ist jetzt der Druck, die nötigen Windkraftkapazitäten aufzubauen.

„Bildlich gesprochen braucht der Freistaat Sachsen von heute an bis 2030 jeden Monat vier neue 5-Megawatt-Windkraftanlagen sowie neue Photovoltaikanlagen auf 8.000 Dächern und einer Freifläche von circa 60 Fußballfeldern“, sagt von Roon. „Zudem müssen pro Monat rund 6.800 Pkw mit fossilen Antrieben durch alternative Antriebe ersetzt und knapp 1.000 Gebäude energetisch saniert werden.“

Grüne fordern ein Klimaschutzgesetz

Dass man die Energiewende nicht ohne die Bürger machen kann, betonte am Mittwoch Dr. Daniel Gerber, klima- und energiepolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion: „Die Studie macht einmal mehr deutlich: Sachsen muss bei der Energiewende konsequent den Turbo einlegen. Zumindest bei den Genehmigungen von neuen Windkraft- und dem Bau von Photovoltaik-Anlagen ging es da zuletzt in die richtige Richtung. Um diesen Trend zu stärken, setzen wir Bündnisgrüne uns insbesondere für akzeptanzsteigernde Maßnahmen ein. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Bürgerinnen und Bürger finanziell etwas davon haben.“

Zum Beispiel über die finanzielle Beteiligung der betroffenen Kommunen an den Erträgen der neuen Windparks auf ihren Flächen.

Ein Wimmelbild zur Klimaneutralität in Sachsen. Grafik: Grüne Fraktion Sachsen, FfE
Wimmelbild zur Klimaneutralität in Sachsen. Grafik: Grüne Fraktion Sachsen, FfE

„Sachsens Weg zur Klimaneutralität ist ein zentraler Baustein für den Erhalt unseres Wirtschaftsstandorts“, betonte Gerber. „Laut der Studie von FfE hat der Ausbau der Erneuerbaren das Potenzial, bis 2030 regionale Wertschöpfungseffekte von über 15 Milliarden Euro für Installation und Betrieb von EE-Anlagen zu entfalten. Es wird Zeit, diese Chancen für unseren Freistaat zu sichern. Wir Bündnisgrüne fordern für die kommende Legislatur ein Klimaschutzgesetz für Sachsen.“

Studien zur Klimaneutralität

Nachdem die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft im Jahr 2023 bereits eine Studie zum klimaneutralen Bayern 2040 durchgeführt hatte, konnte sie für diese Studie zu einem klimaneutralen Sachsen auf einen etablierten Ansatz zurückgreifen. Auch wenn Sachsen mit Blick auf die gegenwärtige Energieversorgung, die Wirtschaftsstruktur und den bisherigen Ausbau der erneuerbaren Energiegewinnung anders strukturiert ist, sind die notwendigen Schritte für die Transformation vergleichbar.

Das in der Studie verwendete Klimaschutzszenario beschreibt ein mögliches kostenoptimiertes Energiesystem für das Jahr 2045 unter der Annahme, dass die Emissionen gegenüber 1990 um 95 Prozent gesenkt werden.

Im Rahmen seines Energie- und Klimaprogramms (EKP 2021) hat der Freistaat Sachsen festgeschrieben, das deutsche Klimaneutralitätsziel 2045 aus dem Klimaschutzgesetz zu unterstützen. Die dafür notwendige Minderung der Emissionen erfordert unter anderem den Umbau der Energieversorgung, der Mobilität, des Gebäudesektors sowie des Landwirtschaftsbereiches.

Die Studie findet man hier.

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Es gibt 2 Kommentare

Wie darf man sich die Finanzierung der Investitionen vorstellen? Aus welcher Quelle erfolgt die Finanzierung? Wird das dann auch ohne Beteiligung der Betroffenen
(demokratisch?) im Hau Ruck Verfahren durchgekloppt? Fordern kann man viel…

Der fehlende Windkraftanlagenbau in Sachsen ist nicht nur “Pech für Sachsen” sondern eine ganz massive Behinderung beim wirtschaftlichen Ausbau in Sachsen, den die meisten der sich in Sachsen entwickelnden Firmen wünschen und benötigen erneuerbare Energien (EE). Eine nachhaltige Wasserstoffherstellung beruht ebenfalls auf die Erzeugung von EE, insbesondere durch Windkraftanlagen und natürlich ausreichender Erzeugung von reinem Wasser. Damit mehr Initiativen für EE in den Gemeinden und Landkreisen entwickelt wird und diesen für die ländliche Entwicklung zugute kommt, sollten diese auch weitaus mehr von den EE profitieren, durch die erhöhte und verbindlich geregelte Beteiligung an den Erlösen durch die EE (derzeitig eine Kann-Regelung zur Verhandlung mit den Betreibern in Sachsen mit nur 0,2 Cent pro Kilowattstunde )

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