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Gefahrenstelle Nr. 18 im Leipziger Radnetz: Chaos-Kreuzung am Augustusplatz

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    Auch die chaotische Kreuzung der Goethestraße mit dem Grimmaischen Steinweg am Augustusplatz war schon mehrfach Thema in der L-IZ. Hier läuft und fährt fast alles durcheinander, die Einfahrt zur Tiefgarage an der Stelle macht die Lage noch unübersichtlicher. Und die Übergänge von Platz zu Fahrbahn sind auch nicht wirklich für den Radverkehr gedacht.

    „Die Probleme hier dürften ausreichend bekannt sein: Verjüngung der Goethestraße zu einer einbahnigen Spur. Radfahrer sind mehr oder weniger gezwungen,  auf den Platz selbst auszuweichen“, schreibt uns ein Leser. „Wenn man dann Richtung Grimmaischer Steinweg bzw. Johannisplatz weiterfahren möchte und die Ampel am Radisson Blue überqueren möchte, stehen einem nicht nur einer der Ausgänge aus der Tiefgarage unterm Augustusplatz und ein Werbeaufsteller im Weg, sondern aufgrund Blumenrabatten verschmälert sich auch der vorhandene Weg und Radfahrer und Fußgänger zwängen sich gleichzeitig durch die vorhanden Lücken.“

    Vor einiger Zeit hatten wir dazu schon in der Stadtverwaltung nachgefragt. Aber bei Werbeaufstellern, die als Verkehrshindernis mitten auf Rad- und Fußwegen stehen, ist die Stadt augenscheinlich machtlos. Oder versteht das Problem nicht mal, denn die „Milchtöpfe“ und einige der Bänke stehen ja ebenso mitten in den Wegen der Radfahrer und Fußgänger. Von den sperrigen Aufbauten zu diversen Volksfesten und Sportveranstaltungen braucht man ja gar nicht zu reden. Die zwingen in der Regel nicht nur Radfahrer, sondern auch Fußgänger auf die Fahrbahn.

    Völlig offen ist die Frage, wie die Leipziger Verkehrsplaner künftig den Radring von der Schillerstraße über Moritzbastei (wo ebenfalls lauter Stadtmobiliar mitten im Weg steht) zur Goethestraße gestalten wollen. Eigentlich sollte dieser innere Radring ja längst Kontur angenommen haben, um wirklich einmal Petersstraße und Grimmaische Straße vom Radverkehr zu entlasten. Denn nur attraktive Alternativen können das ändern.

    Aber es passiert nicht. Die Goethestraße ist eher zu einer Kurzparkzone geworden für Leute, die schnell mal zur Bank, zum Bäcker oder zum Friseur wollen. Und so heißt es in einer Leserzuschrift auch: „Zudem: In der Goethestraße gilt noch immer Tempo 50 km/h in Richtung HBF. Warum nicht 20 km/h wie sonst innerhalb des Stadtzentrums? Es war schon immer gefährlich für Radfahrer (Straßenbahn + schnelle Autos), aber seitdem dort die Fernbusse halten und ihr Gepäck auf die Straße ausladen ist es noch weitaus gefährlicher – und das auch für die Busreisenden. Eigentlich gehört die Goethestraße ab Brühl bis Augustusplatz komplett mit Pollern für PKW gesperrt: keine Anlieger, nur Busse, Straba und Fahrräder.“

    Der Unmut wird noch verständlicher, wenn man als Radfahrer oder Fußgänger das zum Teil kuriose Abbiegeverhalten von Autofahrern erlebt, die aus der Ritterstraße kommen oder in den Brühl einfahren, der in den Plänen der Stadt ja eigentlich auch als Radroute vorgesehen ist.

    Das Chaos gerade vor der Einfahrt zur Tiefgarage dauert nun zwar schon so lange, dass man sich eigentlich dran gewöhnt haben sollte. Aber dazu ist hier zu vieles ungeklärt und gerade der Bereich an der Zufahrt sogar für Fußgänger eigentlich unzumutbar. An Radfahrer wurde beim Bau des schönen neuen Augustusplatzes dafür überhaupt nicht gedacht. Hier wurde in planerischer Schönheit nur „Platz“ gedacht.

    Muss das jetzt alles umorganisiert werden?

    Was sagt der ADFC dazu?

    Alexander John, Stellvertretender Vorsitzender des ADFC Leipzig

    Hier werden gleich mehrere Themen angesprochen, die mal einer grundsätzlichen Lösung bedürfen.

    1. Die Werbeaufsteller. Ob nun als Teil des Stadtmobiliars oder als Sondernutzung täglich an neuer Stelle im öffentlichen Raum platziert, sie stehen – und das scheint auch das Ziel, um Aufmerksamkeit zu erlangen – im Weg.
    2. Der innere fahrradstraßenähnliche Ring, der innerhalb der City die Fußgängerzonen vom Radverkehr entlasten soll
    3. Der Promenadenring und seine Querungen
    4. Parken in der Innenstadt vs. autoarme Innenstadt
    5. Der Augustusplatz und seine Nutzung

    Nun kann man in einem Kommentar nicht alle fünf Themen befriedigend beantworten.

    Zu 1. lässt sich zumindest kurz sagen: Die Verwaltung hat das Problem durchaus erkannt. Es gibt aktuell noch die Verträge mit den großen Werbefirmen. Diese laufen allerdings aus und es gibt neue Ausschreibungen. Als Einnahmequelle sind sie seitens des Stadtrates und des Kämmerers gewünscht und so muss man dann auch als Folge akzeptieren, dass der öffentliche Raum – das Wertvollste, was eine Stadt zu bieten hat – mit Aufstellern und Litfaßsäulen versehen wird. Über die Menge, die eine Stadt dieser Größe ertragen kann, lässt sich trefflich streiten. Die bisherige Anzahl war definitiv zu hoch, bereits für die Hälfte ist es schwierig, sinnvolle Standorte zu finden. Über die Litfaßsäulen am Connewitzer Kreuz und an der alten Hauptpost wird ja nicht grundlos immer wieder der Kopf geschüttelt.

    Ein kleiner Fortschritt in der Schillerstraße: viele neue Radbügel und ein Stück autobefreiter Straße. Foto: Ralf Julke
    Ein kleiner Fortschritt in der Schillerstraße: Viele neue Radbügel und ein Stück autobefreiter Straße. Foto: Ralf Julke

    Zu 2. Der innerere Fahrradstraßenring – nee, so ist es nicht mehr richtig – der innere Fahrradring mit der Qualität einer Fahrradstraße lautete das Ziel, als man 2011 am Promenadenring die Mindestgeschwindigkeit von 40 km/h entfernte. Wörtlich heißt es in der Vorlage des Oberbürgermeisters „Das heißt, sicher, zügig und komfortabel kann der Radverkehr auf diesen inneren Ringstraßen abgewickelt werden, wenn die Qualität einer Fahrradstraße vorhanden ist. Das kann zurzeit noch nicht auf allen Abschnitten gewährleistet werden. Diese inneren Ringstraßen sind deshalb als Fahrradring weiterzuentwickeln. Eine Fahrradstraße kann eingerichtet werden, ohne dass der Lieferverkehr und Andienungsverkehr behindert wird. In der Innenstadt gilt ein verringertes Tempo, so dass der Radverkehr sicher abgewickelt werden kann. Schrittweise soll dann eine Beschilderung als Fahrradring vorgenommen werden. An einigen Punkten sind zwischenzeitliche Lösungen aufgrund von Baumaßnahmen u.a. erforderlich.“

    Und weiterentwickelt wurde die Innenstadt am Fahrradring auch.

    Die Höfe am Brühl erhielten am Fahrradring eine Fußgängerzone. An der Musikschule entstand auf dem Fahrradring eine Fußgängerzone, an der Engstelle Moritzbastei/Uniriese entstand ein kleiner Spielplatz. Und wenn man sich nun anschaut, welche Kriterien eine Fahrradstraße erfüllen soll, muss man feststellen: Der innere Fahrradring ist ein toter Gaul. Niemand hatte die Absicht, diesen in entsprechender Qualität zu entwickeln und für den Radverkehr eine attraktive Führung innerhalb des Ringes herbeizuführen. Das macht auch nichts, denn der (zügige) Radverkehr gehört auf den Promenadenring, was uns zu 3. führt.

    Der Promenadenring und seine Querungen sind schon seit vielen Jahren immer mal wieder ein heißes Thema. Wer kann sich nicht an die endlosen Diskussionen um das Blaue Wunder erinnern oder die Aufgabe des Tunnels „Leuschner Platz“ oder den doppelten Anwurf am kleinen Willy-Brandt-Platz. Der doppelte Anwurf ist in diesem Falle eine zusätzliche Grünphase für den Fußverkehr zur Querung des Ringes an der Haltestelle Hauptbahnhof. Seitdem es diesen gibt, laufen deutlich weniger Menschen bei Rot rüber.

    In den letzten 15 Jahren haben sich die Querungsbeziehungen für den Rad- und Fußverkehr deutlich verbessert. Aber es gibt noch immer Handlungsbedarf, insbesondere weil der Rad- und Fußverkehr in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Die Kreuzung am Augustusplatz in Richtung Johannisplatz bspw. ist wenig attraktiv gelöst. Am besten bleibt man auf der Fahrbahn und ordnet sich hinter der Kreuzung auf den Radweg ein. Dass da irgendwo auch eine Radfahrampel steht, muss man schon wissen – sehen kann man diese nicht, wenn man auf der Fahrbahn fährt, wo man ja laut StVO fahren soll. Man könnte auch gleich – siehe Beitrag 13 dieser Serie – einen Radfahrstreifen ab Augustusplatz über Johannisplatz und weiter stadtauswärts markieren, dann gäbe es auch diese ständigen Konflikte mit den Radfahrenden in Gegenrichtung und Zufußgehenden nicht mehr. Die gesamte Querung ist noch aus einer Zeit, als Leipzig eine schrumpfende Stadt war und so wundert es auch nicht, dass man dort diese Menschenmassen nicht mehr abfertigen kann und auch der Kfz-Verkehr – so er denn rechts abbiegen möchte – leidet darunter, denn es gibt keine Chance während der Grünphase auch abzubiegen. Das geht nur, wenn der Grünpfeil gerade aktiv ist.

    Und der Promenadenring selbst: Der ist noch immer nur in Teilen für den Radverkehr freigegeben. Wer sich in Leipzig noch zu DDR-Zeiten hat sozialisieren lassen, traut sich meist nicht drauf, findet es gefährlich. Wer aus einer anderen Großstadt zugezogen ist, ist völlig perplex ob dieser Reaktion, versteht die ganze Aufregung der Leipziger nicht. Für die Zugezogenen sind es verschiedene Hauptverkehrsstraßen mit unterschiedlichen Breiten und Belegungen. Und ob man nun 4 Fahrspuren in der Harkortstraße/Floßplatz (20.000 Kfz) befährt oder den Martin-Luther-Ring mit seinen vier Fahrspuren (20.000 Kfz) oder die Georg-Schumann-Straße (bis vor kurzem vier Fahrspuren, 25.000 Kfz) ist zunächst völlig Wurscht.

    Was man aber nicht leugnen kann: Es ist eine völlig verfehlte Verkehrspolitik, wenn man sich den Verkehr in Massen ins Zentrum holt, den man nicht möchte, aber den gewünschten aussperrt, weil sonst der Unerwünschte darunter leiden würde – unabhängig davon wie Erwünschter und Unerwünschter konkret heißen.

    Dazu müsste man aber auch schauen, dass die Maßnahmen zum Ziel passen.

    Dass das nicht immer so ist und auch manchmal die Landespolitik einen Strich durch die Rechnung macht, kann man beim Thema Parken in der Innenstadt erleben. In kaum einer anderen Großstadt gibt es so viele Stellplätze in Tiefgaragen (und ebenerdig), wie in der Leipziger City. Und das, obwohl diese mit 600 x 800 m zudem relativ klein ist. Jeder Stellplatz zieht Kfz-Verkehr an. Da ist es schön, wenn man über ein Konzept „autoarme Innenstadt“ diskutiert, aber schon an der Landespolitik scheitert. Denn die Sächsische Bauordnung hat die Reichsgaragenordnung fortgeführt – wie alle anderen Bundesländer außer Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg. Und so ist es heute noch so, dass (verkürzt) wer Wohnraum schafft, auch Stellplätze für PKW schaffen muss. Und so haben wir in der Leipziger Innenstadt heute mehr als 8.000 PKW-Stellplätze, Tendenz steigend. Und diese müssen auch irgendwie mit dem Auto erreicht werden können. Ein Dilemma, denn jedes Auto, welches in die Innenstadt fährt, sorgt letztlich auch wieder für Probleme an den Querungen und Zufahrten, mindert die Leistungsfähigkeit des Promenadenringes und sorgt auch nebenbei für Konflikte mit dem Fuß- und Radverkehr.

    Die sächsische Bauordnung wird bald in das Modell des Landes Brandenburg geändert. Dann können die Kommunen selbst festlegen, ob bei Neubau Stellplätze für Kfz geschaffen werden sollen und in welcher Größenordnung. Und das führt uns schon zwangsläufig zu Punkt fünf, denn die Milchtöpfe auf dem Augustusplatz und die vielen Autos auf diesem sind ja auch eine Folge der sächsischen Bauordnung. Die Tiefgarage ist auch für die Galeria Kaufhof errichtet worden. Die einzige Zufahrt vom Ring ist an der Oper, die Ausfahrten befinden sich in der Goethestraße bzw. vor dem Café Felsche.

    Im Rahmen des Bürgerwettbewerbs: Bei den Ideen für den Stadtverkehr hatten sich auch verschiedene Beiträge mit dem Augustusplatz beschäftigt. Im Beitrag „autoarmer Augustusplatz“ heißt es u. a. „Die oben genannten Probleme lassen sich weitgehend lösen, indem die nördliche Fahrspur sowie der obere Teil der Goethestraße dem gemeinsamen Fußgänger- und Radfahrbereich des Augustusplatzes zugeordnet werden. Ein- und Ausfahrt zur Tiefgarage sowie Zufahrt zur Universität können über eine Verkehrsfläche südlich der Gleise abgewickelt werden. Diese sollte als konsequent gestalteter ’shared space‘ in den Platz einbezogen werden. Auf der Kreuzung sind minimale Spuranpassungen nötig, der ehemalige Geradeausverkehr aus dem Grimmaischen Steinweg wird in der rechten Linksabbiegerspur mitgeführt.“

    Andere Lösungen könnten sein, dass die Zufahrt zur Tiefgarage nur noch vom Georgiring und von der Goethestraße erfolgt, das Ausfahren aus der Tiefgarage nur noch über die Goethestraße. Der Bereich zwischen Ring und Parkhaus steht dann nur noch dem Fuß-, öffentlichen und Radverkehr zur Verfügung. Noch besser wäre es, wenn man eine Ausfahrt direkt auf den Ring hätte. Am einfachsten ließe sich das wohl noch auf der Gewandhausseite umsetzen.

    Bleibt am Ende aber immer noch eine Straßenbahnhaltestelle, die nicht barrierearm ist und über deren Verlegung mehrfach diskutiert wurde und bei jeder Sanierungsmaßnahme der Gleise in der Goethestraße diskutiert werden wird – aber das scheint so gewollt zu sein.

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      4 KOMMENTARE

      1. Ich habe noch nie Polizei gesehen, die in der Grimmaischen Straße am Tag Radfahrer rausgewunken hat, die (mit einem Affenzahn) durch die Fußgängerzone fahren! Und viele Autos fahren auf den Gehweg vor der Uni mit einer Unverfrorenheit, dass einem die Spuke wegbleibt. Auch da ist keine Polizei in Sicht. Hier macht jeder was er will!

      2. „Verkehrspolizei? Hallo, Verkehrspolizei?! Haaaalllooo?“ Korrekt! Ich bin heute das erste und letzte Mal mit dem Fahrrad von meiner neuen Wohnung (Gohlis-Nord) auf Arbeit (alte Messe) gefahren. Und kam auch an eben jener Kreuzung vorbei. Massenweise Fahrrad-Nazis, die sich scheinbar ihren eigenen Rechtsraum geschaffen haben, auf ihr Recht pochen und fahren wie sie wollen. Für diese Chaoten brauchen wir tatsächlich mehr Kontrollen! Denn das zog sich noch weiter die Prager Straße hinaus. Ab morgen wieder mit dem Auto!

      3. Selbst der ADAC(!) hat schon vor bestimmt schon ca. zehn Jahren festgestellt, dass die Innenstadt innerhalb des Promenadenrings viel zu viele Parkplätze hat.

        Betreffs der Themen „autoarme Innenstadt“ und „Augustusplatz“ habe ich nach wie vor den starken Eindruckl, dass bei Verkehrsamtlern sich akute Schnappatmung einstellt, sobald die Vorschläge, die hier von Herrn John ausgebreitet werden, auch nur überflogen werden.

        Gegen die infame Tiefgarageneinfahrt wird schon seit der Eröffnung 1999(?!?) protestiert. Von der Goethestraße wird nach wie vor um die Kurve auf den Augustusplatz gebrettert, durch die Fußgängermassen durch und – verkehrswidrig – auch an der Tiefgaragenzufahrt vorbei. Die Verkehrswidrigkeit ergibt sich aus der Beschilderung auf der Goethestraße (Hingehen und Gucken!). Die Verkehrspolizei könnte im Minutentakt Strafzettel ausstellen. Macht sie aber nicht. Holt lieber die Fahrradfahrer in der „autoarmen“ Innenstadt vom Sattel, selbst wenn sie umsichtig fahren.

        Die Freifläche vor der Universität scheint geradezu ein Honigtopf zu sein, so gerne wie immer wieder Autofahrer da drauf rumfahren. Freigegeben ist er nur für Lieferverkehr, und die Taxen dürfen erst ab 21 Uhr drauf. Verkehrspolizei? Hallo, Verkehrspolizei?! Haaaalllooo?

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