Gefahrenstelle Nr. 27 im Leipziger Radnetz: In der Pfaffendorfer wird es eng

Für alle LeserDa fährt man erst mal gemütlich irgendwie vom Richard-Wagner-Platz Richtung Pfaffendorfer Straße. Wenn's mal gerade gemütlich geht, denn die Ampelphasen auf der Südseite des Goerdelerringes sind eher etwas für Leute mit viel Geduld. Aber auf der anderen Seite sollte man, wenn man in die Pfaffendorfer Straße will, doch lieber alle sieben Sinne erwecken. Hier wird's eng.
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Das liegt weniger an der Baustelle für das Ringmessehaus, die den Platz seit gefühlten fünf Jahren dominiert und mit einer extra asphaltierten Einfahrt über den Radweg führt. Es liegt eher an der schon seit Jahren heftig diskutierten Lösung für die Riesenkreuzung und die Schaffung mehrerer paralleler Fahrspuren für den Kfz-Verkehr am Eingang zur Pfaffendorfer.

Nicht nur auf der Westseite gibt es zwei, die immer wieder so schnell zugefahren werden, dass die Straßenbahn nicht mehr vorbeikommt.

Auch auf der Ostseite gibt es zwei Fahrspuren. Dabei verengt sich die Straße hier wie ein Trichter. Und was da in verkehrsreichen Stunden passiert, schildert ein Leser so:

„Meine Lieblingsgefahrenstelle im Leipziger Radnetz ist der Beginn der Pfaffendorfer Straße stadtauswärts. Nachdem man, von der Innenstadt kommend, den Goerdelerring überquert und eine Litfaßsäule umrundet hat, kann man mit einer prima neuen Absenkung auf die Pfaffendorferstraße fahren. Vor sich sieht man auch schon den vor ein paar Jahren neu markierten Radstreifen. Leider beginnt dieser aber erst etliche Meter nach der Absenkung und man darf sich erst mit den zweispurig von Süden kommenden Autos – äh – auseinandersetzen. Für diese ist die Einfädelung zur Einspurigkeit nämlich genau bis vor die Absenkung gezogen. – Meine Idee zu einer Lösungsmöglichkeit: Einfädelung auf Einspurigkeit für die PKWs von Süden etwas verkürzen und Markierung des Radstreifens bis an die Absenkung heran ziehen.“

Was sagt der ADFC dazu?

Alexander John, Stellvertretender Vorsitzender des ADFC Leipzig

Als man sich entschied, vom Blauen Wunder Abschied zu nehmen und den Fuß-/und Radverkehr ebenerdig zu führen, beschloss man auch gleichzeitig, den Kfz-Verkehr zweispurig vom Dittrichring über den Goerdelerring in die Pfaffendorfer Straße zu führen. Eine beachtliche Fehlentscheidung, wie sich in den letzten Jahren mehrfach rausstellte – und damit ist noch nicht das große Problem der Radverkehrsführung von der Käthe-Kollwitz-Straße in Richtung Pfaffendorfer Straße thematisiert.

Der gesamte Knoten (Kreuzung) Goerdelerring ist riesig und für den Fuß- und Radverkehr äußerst unattraktiv und auch für den ÖPNV und Kfz-Verkehr ist der Knoten nicht optimal gelöst. Trotz des Ring-Tangentensystems verkehren am Goerdelerring noch immer viel zu viele Kraftfahrzeuge – und mir kann keiner erzählen, dass die alle unbedingt über den Goerdelerring müssen. Hier sind die Instrumente der Verkehrslenkung noch nicht hinreichend ausgeschöpft.

Mal ein Beispiel dafür: Wenn man von der Georg-Schumann-Straße oder Delitzscher Straße stadteinwärts fährt, kann man erst am Promenadenring nach links abbiegen. Weder an der Theresienstraße, noch an der Roscherstraße, noch an der Berliner Straße geht’s nach links in Richtung B2/B6 – also fahren alle bis vor zum Promenadenring.

Von Süden ist die Käthe-Kollwitz-Straße so ein schönes Beispiel. Wer von Schleußig oder Plagwitz kommt, kommt nicht auf die Westtangente Richtung Sportforum. Weder an der Marschnerstraße noch am Westplatz. Erst an der Elsterstraße wird es möglich, aber da hapert es an der inneren Jahnallee. Also muss man bis vor zum Promenadenring.

Was man allerdings auch ohne größeren Aufwand bereits heute ändern könnte, wäre am Westplatz die Spuraufteilung von Südwest. Momentan gibt es eine Geradeausspur, eine Mischspur (geradeaus/rechts) und einen Radfahrstreifen. Einen deutlichen Sicherheitsgewinn und eine höhere Lenkungswirkung könnte man dadurch erzielen, dass aus der Mischspur eine Rechtsabbiegespur wird und diese dann auch rechts neben dem Radfahrstreifen (geradeaus) angelegt wird. In der Karl-Liebknecht-Straße auf Höhe Richard-Lehmann-Straße hat man auf der stadteinwärtigen Seite dergleichen mit guten Erfahrungen markiert.

Und was hat das mit der Pfaffendorfer zu tun? Relativ viel, denn dadurch, dass so viele Kraftfahrzeuge auf den Promenadenring geleitet werden, müssen auch sehr viele Kfz von dort wieder weggeleitet werden.

Das ist letztlich der Grund, weshalb man auch zwei Fahrspuren in Richtung Pfaffendorfer angelegt hat und weshalb der Radfahrstreifen dann erst so spät beginnt. Man könnte auch eine (oder gar beide) Fahrspuren ändern. Z.B. eine weitere in Richtung Jahnallee/Ranstädter Steinweg oder eine in Richtung Hauptbahnhof. Am besten wäre es jedoch, wenn man dabei auch die Wegebeziehungen des Radverkehrs von der Käthe-Kollwitz-Straße in Richtung Zoo verbessern würde.

Die Querung über die Haltestelle Goerdelerring ist übrigens nicht fahrend erlaubt – da sind nur Fußgängerampeln, weshalb man eigentlich das Rad schieben müsste. Und das Fahren auf der linken Seite (entgegengesetzt der Fahrtrichtung) wäre tatsächlich erlaubt, ist aber nicht zu empfehlen. Es böte sich an, eine der vielen Fahrspuren von Südwest in einen Radfahrstreifen zu verwandeln und diesen in die bestehenden in der Käthe-Kollwitz-Straße und der Pfaffendorfer Straße einzubinden. Wer es sich zutraut und schnell fährt, kann auch heute schon von der Käthe-Kollwitz-Straße auf dem Ring in Richtung Zoo fahren. Die Beschilderungen untersagen es nicht, man muss allerdings damit rechnen, dass andere Verkehrsteilnehmende in Leipzig zu Erziehungsmaßnahmen (hupen, drängeln, Finger zeigen) neigen.

Was als Diskussion fehlt und mit der Erweiterung des Zoos der Zukunft hätte bereits umgesetzt werden sollen, ist die attraktive Anbindung des Zoos per Fuß. Da hat man zwar mehrere Hundertmillionen Euro für den Zoo der Zukunft in die Hand genommen, aber das Verkehrskonzept passt ungefähr ins Jahr 1960. Mit dem Rad kommt man so einigermaßen hin, mit dem ÖPNV auch, das Kombiticket (Eintrittskarte = ÖPNV-Ticket) ist letztlich an ungefähr 50 Cent oder an politischem Willen gescheitert und für den Fußverkehr vom Hauptbahnhof hat man eine Wegeführung gewählt, die ein touristisches Highlight nach dem anderen bietet (Gerberstraße, Uferstraße, Kurt-Schumacher-Straße) – aber schöne Wege zum Zufußgehen bzw. Flanieren oder Promenieren gibt’s zwischen Hauptbahnhof und Zoo offensichtlich nicht. Die könnte man aber schaffen. Sogar entlang des Promenadenrings und über die Pfaffendorfer Straße. Dazu bräuchte es allerdings wieder das, was es in Leipzig nur selten gibt: Politischen Willen.

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