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Das Elektroauto ist erst für 17 Prozent der Leipziger eine Option für die Zukunft

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    Das Elektroauto hat ein Problem. Keiner will es kaufen. Da hat nun Leipzigs Verwaltung extra nachfragen lassen, ob die Leipziger sich vielleicht doch mal mit Kaufabsichten für E-Autos tragen. Aber die „Bürgerumfrage 2016“ ergibt: Kurzfristig denkt fast niemand an so einen Kauf. Oder zumindest nur wenige: bestenfalls 1 Prozent der Befragten.

    Aber die Befragung zeigt auch, wo das Problem nach wie vor steckt. Denn zu den 1 Prozent gehören fast nur Befragte mit Einkommen über 3.200 Euro im Monat. Das kann man so interpretieren, dass die angebotenen E-Autos einfach noch zu teuer sind, um alltagstauglich zu sein.

    Aber drehen wir die Aussage einfach mal um: Sie sind noch nicht alltagstauglich. Was eher nicht an den Autos liegt – die haben ja einen erstaunlichen Entwicklungsschub genommen in den letzten Jahren. Aber schon wenn es um Lademöglichkeiten und Betriebssicherheit geht, beginnen die Zweifel. Denn mit dem Benziner fährt man, wenn die Tankanzeige in den roten Bereich rutscht, „schnell mal zur Tanke“. Man weiß, wie weit man mit der Tankfüllung kommt. Tankstellen gibt es genug ringsum. Aber so richtig praxistauglich sind die vorhandenen Ladesäulen und die langen Aufladezeiten für E-Autos noch nicht. Es fehlt augenscheinlich jenes wichtige Gefühl, dass man diesen Wagen jederzeit betriebsfähig halten kann, ohne dafür extra im eigenen Haus noch eine Tank-Steckdose zu brauchen. So etwas können sich reichere Haushalte eher installieren.

    Der Normalbürger stellt sein Auto auf die Straße – und dann? Gerade erst hat der Bund ermöglicht, dass Stellplätze extra für E-Autos umgerüstet werden können. Aber ist das ein Zukunftsbild: Autos, die stundenlang zum Saftziehen an der Säule stehen? Straßen voller Autos, die an der Strippe hängen?

    Man ahnt zumindest, was die befragten Leipziger zögern lässt beim E-Auto-Kauf. Selbst dann, wenn sie ernsthaft mit dem Gedanken spielen. Was insgesamt etwa 17 Prozent der befragten Haushalte tun. Aber augenscheinlich beobachten die Autofahrer sehr genau, was auf dem E-Auto-Markt passiert und wie sich die Rahmenstrukturen entwickeln. 3 Prozent der Befragten können sich zumindest mittelfristig, also in den nächsten 5 Jahren, den Kauf eines E-Autos vorstellen. Weitere 13 Prozent sehen so eine Anschaffung eher langfristig, also irgendwann in den nächsten 10 Jahren.

    Das ist die Kehrseite der Dieselaffäre: Die 20 Jahre, die die großen Autobauer zur Verfügung hatten, das Elektroauto wirklich alltagstauglich zu machen, haben sie genutzt, noch stärkere Dieselfahrzeuge zu bauen.

    Wobei wir an dieser Stelle noch einen störenden Seitengedanken einbauen. Denn zu einer derartigen großen Marktveränderung gehört auch Druck.

    Die erste große E-Auto-Diskussion in Deutschland lief Anfang der 1990er Jahre, als die Ölpreise weltweit stiegen und ein Umstieg auf Elektromobilität auch ein Ausweg aus einer Sprit-Preis-Spirale zu sein schien.

    Dieser Druck wuchs bis zur Jahrtausendwende. Aber dann kam ja bekanntlich in den USA ein Präsident an die Macht, der ganz ähnlich tickte wie heute Donald Trump, und der seinen Wahlkampf auch mit dem Versprechen gewonnen hatte, Sprit wieder billig zu machen. Die Folge waren die massiv verstärkten Ölbohrungen vor den Küsten, die Erschließung von Ölfeldern am Polarkreis und das massive Fracking, was in der Summe bis heue einen massiven Verfall des Ölpreises mit sich brachte (und so nebenbei auch Ölförderländer wie Venezuela, Saudi-Arabien und Russland in massive finanzielle Kalamitäten stürzte). Und es nahm den deutschen Autobauern den Druck, die Entwicklung des E-Autos weiter voranzutreiben. Denn jetzt wurden sie ihre Mittelklassewagen mit Dieselmotor auch in den USA und China weiter reißend los.

    Eine hochriskante Strategie, denn diese Märkte sind gefährdet, wenn sich auch nur ein wichtiger Parameter verändert. China setzt schon heute massiv auf die Entwicklung der E-Mobilität. Und der prominenteste Entwickler von E-Autos kommt aus den USA.

    Dass vor allem Leipziger mit niedrigen Einkommen deshalb eher nicht an den Kauf eines E-Autos denken, wird verständlich: Sie brauchen bezahlbare Verlässlichkeit in ihrem Alltag. Das bietet – so seltsam das in Zeiten der Diesel-Affäre klingt – eher der Diesel als das E-Auto.

    Aber man ahnt: Schöne politische Erklärungen und teure Pilotprojekte reichen nicht. Es fehlt das sichtbare Bemühen, tragende Netze für alltagstaugliche E-Mobilität in Deutschland zu schaffen. Vielleicht läuft es sogar darauf hinaus, dass das Auto überhaupt nicht mehr die Rolle spielen wird, die ihm heute noch zugeschrieben wird.

    Da wird noch eine andere Frage spannend: Würden die Leipziger dann vielleicht sogar ganz aufs Auto verzichten?

    Da machen wir gleich weiter.

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